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petua in Bunelli epistolas instruxit et indicem duplicem adiecit F. Grauf, phil. Dr. 1837. XIV u. 837 S. gr. 8. (2 Rthlr. 12 Ggr.) Nach Friedemann's und Krafts Vorgange, wie es in der Vorrede lautet, hat IIr. Grauf bei der Herausgabe vorliegender Briefe von Ciceronianern des sechszehnten Jahrhunderts die Absicht gehabt, die Kunst Lateinisch zu schreiben zu fördern und der Jugend an diesen Beispielen zu zeigen, wie sie geschickt und richtig nachahmen solle. Aber bei dem gegenwärtigen Stande unserer Bildung, bei dem Uebermaasse des von der Jugend zu verarbeitenden wissenschaftHichen Stoffes und bei den gesteigerten Anforderungen an dieselbe, können wir von Vorn herein Hn. Grauf's Unternehmen weder dankenswerth, noch seinen Rath, bei der Menge guter alter Schriftsteller, der einzigen sicheren Schule des Lateinischschreibens und – was dazu unumgänglich nöthig ist,– des Lateinisch-Denkens, diese neueren Lateiner fleissig zu lesen, einsichtsvoll und unserer Zeit angemessen finden. Und sollte diese seine Ansicht dennoch hin und wieder Eingang finden, so würden wir statt der gegenwärtigen Briefsteller weit lieber jene Heroen der klassischen Literatur, die auch von Seiten des Inhalts dem Leser reichere Belehrung bieten, einen Muretus, Ruhnkenius, Angelus Politianus, Wyttenbach, Ernesti, Eichstaedt, Wolf und Hermann dem angehenden Gelehrten zur Lectüre empfehlen. – Es beginnt aber die gegenwärtige Sammlung mit 65 Briefen des P. Buneltus (bis p. 95), die, mag der Vf. immerhin für den Lehrer des Manutius gelten, weder durch ihren Inhalt noch durch ihre Sprache den Leser in seinem Wissen fördern werden. Denn es fehlt fast überall Klarheit und strenge durch lateinische Satzordnung bewirkte Fixirung der Gedanken, Solöcismen, Neologismen und Archäismon wechseln mit einander ab und die gewöhnlichsten Regeln der Grammatik sind in ihnen verletzt: So findet man z. B. unendlich oft falsche Tempora und falsche Modi, wie fast immer den Indicativ nach indirecten Fragesätzen, und ohne Grund den Conjunctiv nach quol, dum (so lange als), quodcunque, sive –sive und Redeweisen, wie: scribe, an etc. jus scit an; sermonis peregrinatio und puritas, deambultiiuncula, inyratitudo, melius scire, persuasus sum, mercar ad can summnam, illibenter, insipidus, in: e.rtremo literarum und anderes barbarisches Latein iier, so dass 1r. Gr. in dem Commentar zu dem 1iten Briefe selbst gestehen muss: bonum Bunellum saepius dormitare. Es folgen dann bis p. 215. 95 aus– erlesene Briefe des Manutous, die in korrecterer aber wie bekannt, in markloser und nüchterner Sprache geschriebei sind. Daran reihen sich 63 epistolae se– teelle Chr: Longoi bis p. 314: Pet. Bembi et Sadoleti ad Lunyolitm X epistolae (p. 337): P. Bembi et Jac. Stutet “l trotlos epistolae XXXVI (p.353): dann er Membi familiaribus epistolis XV (p. Ä63) und Jac. Suduleti epistolue selectae XXVII1 (p. 397), über weicle zuteiner insgesammt das Urtheil feststellt, dass ihr eiseitiges und ängstliches Streben nach Ciccro's Sprache der natürlichen Schönheit geschadet, Auto ai Gedaille erzeugt und diese Briefe ma

mentlich durch eine Menge kleinlicher und unbedeutender persönlicher Beziehungen unangenehm zu lesen sind. Körnigter in der Sprache und reicher an Inhalt sind die darauf folgenden vier Bücher von Briefen von Palearius und Anderen, die an diesen gerichtet sind, wozu dann eine accessio nova episfolarum Palearii kommt bis p. 562. – Beigegeben sind dann die Biographien der benannten Briefsteller, zusammengestellte, abgerissene Citate aus lateinischen, italienischen und französischen Literärgeschichten z. B. Morery, de Thou, Pettinelli, und einzelnen Urtheilen über diese Männer, die uns alle kein anschauliches und leicht zu überblickendes Bild von dem Leben derselben liefern. – Propter libelli molem, wie es in der Vorrede heisst, sind dann nur die Briefe des Bumellus mit einem in Schülerhaftem Latein geschriebenen Commentare ausgestattet. In ihm beweist Hr. Gr., dass er das Buchmachen und Buchanschwellen versteht und auch da viel zu sagen weiss, wo nichts zu sagen ist. Denn aus allen nur vorhandenen Sprachlehren, Wörterbüchern, alten und neuen Commentatoren hat er die Bemerkungen zu Stellen, wo es ihm gerade beliebte, zusammengestellt, entschuldigt mit einen alioquidicitur und vertheidigt, wo er warnen sollte. Ist etwas grammatisch richtig gesagt z. B. ein Indicativ statt des deutschen Conjunctiv, so ruft er wohl zuweilen recfe! oder rectissime!; wo er in zwei Zeilen eine Erklärung oder ein Urtheil über einen sprachlichen Gebrauch abgeben konnte, citirt er in 10 bis 12 Zeilen statt dessen die hierauf bezüglichen Grammatiker und zieht, wie man sagt, den Stoff zu den Bemerkungen mit den Haaren herbei. So weiss z. B. jeder Quartaner, was er unter legatus zu verstehen habe, aber Hr. Gr. weiss mehr und bemerkt p. 651: legatus . . nos dcimus Ambassadeur, Gesandter. Scriptores posterioris aeri usurpant vöcem penitus burbaram Ambasslators (Ambasciatoris, Ambariatoris) e. 9. auctor breviloquent. Ambassiatorest Legatus Primepis in urduis negotiis. Concil. Constantinopol. sub Henna act. 4. p. 696. ed. 1618. Heraclius Diaconus, Ambasslator Euphraemii Patriarchae Theopolitani. Stephanus Loiaconus et Ambassiator Episcopi Caesariensis. Wide Thueroezenium in Attila c, 13. in Ludovico c.4. etc. Vitam Zenobi Episc. I'lorent. tom. 6 Mai p. 54 – tom. 3. Concil. Hispan. p. 650. v. du Canye Gos. tom. 1. P. 1. subv., und zum Ueberfluss folgen dann noch Stellen aus Nepos, aus Cicero und eine Verweisung auf Janus Lexicon. Eben so ist über den leicht begreiflichen Unterschied zwischen laborare und elaborare p. 656 auf vollen vier Seiten gehandelt, und P.704 liest man die Bemerkung: meücinam . . medicamentum Cc. famil. 14. 7. zo. »

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mihi aliquis mellicinem fecisse wideatur. Plaut. Cistell. 1, 1, 76: simetlicus reniat, qui huic morbo facere medicinton juedt. Diesem an so wenigen Proben schon kenntichen Commentar folgt ein Index zu demselben und P. 83 ein nicht übler alphabetisch geordneter Beitrag «d fibros, qui vulgo antibarbari nominantur. – Druckfehler sind in dem Werke häufig: das Beste ist das Papier.

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GR IECHISCH E- L IT ER ATUR.

ZüRICH, b. Schulthess: Plutarchi opera moralia selecta. Ad codices emendavit et illustravit Augustus Guilielmus Winckelmann. Vol. I. continens Eroticum et Eroticas Narrationes. 1836. (1 Rthlr. 12 Ggr.) Auch unter dem besondern Titel:

Plutarchi Eroticus et Eroticae Narrationes. Ad codd. emendavit, commentariis illustravit, latinam Xylandri interpretationem et indices adiecit A. G. Winckelmann, prof. Gymn. Turicensis. Accesserunt Fragmenta de amore.

WWährend in neuerer Zeit die historischen Schriften des Plutarchus mehrere tüchtige Bearbeiter gefunden haben und durch diese vereinten Bemühungen doch wenigstens eine sichere Begründung und Constituirung des früher mit grosser Willkür behandelten Textes erreicht ist, haben sich die übrigen Werke, die sogenannten Opera moralia, keineswegs einer gleichen Theilnahme von Seiten der Kritik erfreuen können. Gleichwohl sind die philosophischen Schriften des Plutarchus in vieler Beziehung für die philologischen Disciplinen von nicht geringerer Bedeutung, als die vergleichenden Biographieen, indem sie uns ein anschauliches Bild des gesammten geistigen Lebens und Strebens im Römerreiche während des ersten Jahrhunderts nach Christi Geburt gewähren, auch einen unendlich reichen Schatz griechischer Wissenschaft und Cultur eröffnen, der keineswegs ausschliesslich dem eng begrenzten Gebiete der Philosophie anheimfällt, sondern sich über alle Kreise und Richtungen des Hellenischen Lebens erstreckt. Aber freilich mag gerade diese Mannichfaltigkeit der in jenen Schriften behandelten Gegenstände und die vielen Schwierigkeiten, die einem richtigen Verständniss entgegentreten, Manche von der Bearbeitung der Moralia abgeschreckt haben. Reiskes Ausgabe, so Ergänz. Bl. zur A. L. Z. 1840.

Vieles Gelungene und Richtige auch die Arbeit des genialen Kritikers enthält, ist doch von einer gleichmässigen Durcharbeitung weit entfernt. Wyttenbach, der sehr wohl das Tumultuarische in den Bestrebungen der früheren Herausgeber erkannte, suchte zunächst sich bessere kritische Hülfsmittel zu erwerben, allein an eine sorgfältige, consequente Benutzung der verglichenen Handschriften, die, so mangelhaft und verderbt sie auch sind, doch die feste Basis des Textes bilden mussten, an ein durchgreifendes kritisches Verfahren ist nicht zu denken; so genügt denn verhältnissmässig die Interpretation in höherem Grade, als die Kritik, wenn gleich auch hier mit einer gewissen Willkür mehr Einzelheiten mit besonderer Vorliebe behandelt werden, während die Erläuterung von nicht minder wichtigen Punkten, so wie insbesondere die Auffassung des Ganzen in den Hintergrund tritt. Es muss daher als ein durchaus zeitgemässes Unternehmen bezeichnet werden, wenn Hr. Winckelmann, der dem philologischen Publikum schon früher durch eine neue Bearbeitung des Euthydemus seine Befähigung zu einer so schwierigen Arbeit hinlänglich dargelegt hatte, eine Gesammtausgabe der vermischten Schriften des Plutarchus zu veranstalten unternimmt. Als ein Vorläufer dieser neuen Bearbeitung ist die vorliegende Ausgabe des Eroticus zu betrachten. Zwar hatte Hr. W. nicht gerade neue handschriftliche Hülfsmittel (nur zu den erotischen Erzählungen hat er die Vergleichung einer von Wyttenbach nicht beachteten Pariser Handschrift (Nr. 1671) benutzen können, allein er erhielt durch Dübner eine höchst genaue Colation der beiden Pariser Codices (Nr. 1672 und 1675), von denen der erste für die kritische Constituirung des Textes von grosser Wichtigkeit ist, von Wyttenbach jedoch nur sehr willkürlich benutzt worden war. Von keinem erheblichen Werthe sind die Varianten 9 welche Spengel dem Herausgeber aus den Randglossen einer Aldina, früher im Besitz des P. Victorius mittheilte; wichtiger dagegen ist die Benutzung der älK

teren Ausgaben, namentlich der Aldina und der Basileensis, die bisher gar nicht beachtet worden waren. Nur durch eine sorgsame und genaue Benutzung der handschriftlichen und sonstigen Hülfsmittel wie durch eine gerechte Würdigung derselben wird es möglich, einen auf sicherer Grundlage basirten Text herzustellen, und so der kritischen Willkür, dem Schwanken des Urtheils ein Ende zu machen. Dazu aber war Hr. W. durch anhaltendes Studium der Schriften des Plutarch vor Vielen befähigt. Allein wer die Beschaffenheit der bisher verglichenen Handschriften genauer ins Auge fasst, wird auch sofort erkennen, dass diese Hülfsmittel keineswegs ausreichen, sondern gerade an sehr vielen verdorbenen Stellen uns völlig rathlos lassen. Soll also der Text des Plutarchus nur einigermassen in seiner ursprünglichen Reinheit wieder hergestellt werden, so bedarf es der Fähigkeit von Seiten des Kritikers durch glückliche Vermuthungen an jenen verderbten Stellen das Wahre oder doch Wahrscheinliche aufzufinden. Und gerade in dieser Beziehung bewährt Hr. W. nicht gewöhnlichen Scharfblick, Takt und Belesenheit. Wir begnügen uns nur einige der gediegensten und evidentesten Verbesserungen hervorzuheben, um zu zeigen, wie sehr die Gestalt dieser kleinen Schrift sich geändert hat und wie viel wir von einem solchen Herausgeber für den Plutarch erwarten dürfen. So hat Hr. W. gleich zu Anfange der Schrift p. 2. 14 mit Hülfe der Hdschr. xttroö re xa ou.äxov öaÖgouäg hergestellt statt der gewöhnlichen, höchst unangemessenen Lesart «uttoü ts «a Mäxxov daóg., wo der lateinische Uebersetzer äxxog durch Wasser wiedergegeben hatte, was dem Sprachgebrauche zuwider ist. Die Verbindung des Epheu mit der Zaunwinde hat Hr. W. durch Zusammenstellung ähnlicher Beschreibungen bei anderen Schriftstellern hinlänglich gerechtfertigt: auch Eupolis bei Plutarch. Sympos. IV. 1 verbindet ulaxa tv tolövzov und xurtöv mit einander. – Eben so richtig ist p. 2. 21 aus derselben Hdschr. uóvov eöxtóueGa rf uytg röv Movoöv Üelo tagefvat für eiva geschrieben; ersteres ist offenbar in dieser Beziehung viel angemessener, um die Huld und Gnade der Gottheit zu bezeichnen, wie ja überhaupt tugefvat der gewöhnliche Ausdruck von dem Beistande der Götter ist, vgl. nur Aristoph. Vesp. v. 734, eben so auch bei den Lateinern, wie bei Horaz Od. III. 21. 21, Epod. 5. 6 und anderwärts. Als gelungen ist zu bezeichnen die Vertheidigung der überlieferten Lesart p. 6. 27: öoujv opodgóryr «a jou yevouévyv gegen Reiske und Jacobs, welche

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tasten ist. - L Der Beschluss folgt.)

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