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- UNTERRICHTSWESEN. 1) STUTTGART und TüBINGEN, b. Cotta: Ueber den gegenwärtigen Zustand des öffentlichen Unterrichts in Holland von Friedrich Thiersch. Aus dem zweiten Theil des Werkes: über den gegenwärtigen Zustand des öffentlichen Unterrichts in den westlichen Staaten von Deutschland, in Holland, Belgien und Frankreich. S. 1–85. 2) ALToNA, b. Hammerich: Victor Cousins Bericht über den öffentlichen Unterricht in Holland. Aus dem Französischen übersetzt von Dr. J. C. Kröger, Katecheten am Waisenhause zu Hamburg u. s. w. Erster Band. 1838. 255 S. Zweiter Band. 1838. XII u. 288 S. gr. 8. (3 Rthlr.) Wir haben bei unsrer Anzeige des Tiersch'schen Werkes (A. L. Z. 1838. No. 198–200.) den die holländischen Schulen betreffenden Abschnitt ausgeschlossen, um denselben bei Gelegenheit der Cousin'schen Schrift über denselben Gegenstand zu besprechen. Herr Thiersch hat sich im Jahre 1835 vom 28. Sep– tember bis 10 October in Holland aufgehalten und in dieser Zeit seine Bemerkungen über den Elementarund Gymnasial-Unterricht in einer solchen Weise aufgeschrieben, dass der Leser ein allgemeines Bild der holländischen Schulen erhält. Zur Vervollständigung dient das wörtlich abgedruckte Gesetz vom 3. April 1806 aus den Zeiten der batavischen Republik über den Elementarunterricht mit dem Reglement, den Verordnungen und Instructionen, und das Gesetz König Wilhelms I. vom 2. August 1815, über die lateinischen Schulen, die Athenäen und die Universitäten (Th. III. jenes Werkes S. 213–307) Nach einer allgemeinen historischen Einleitung handelt der Verf, von dem niedern Unterricht in der Provinz Utrecht, von den Elementarschulen zu Amsterdam, Harlem, Leyden und Haag, dann von den lateinischen Schulen, die er S. 22–26 namentlich ausführt sowie deren Lehrer und ihre schriftstellerischen Verdienste angibt, und besonders von denen zu Utrecht, Harlem, Amsterdam, Leyden und Haag dann auf drei Seiten von den Athenäen und zuletzt von den Universitäten, deren Gesetze und Einrichtungen ziemlich ausführlich dargelegt sind, speciell von denen zu Leyden und Utrecht. Alles ist mit der gewohnten Lebendigkeit des Hrn. Thiersch geschildert, die freilich auch manche Uebereilung, wic auf S. 85 im Urtheile über den von ihm selbst gelobten Rector Terpstra zu Rotterdam, nicht ausschliesst doch sind seine Acusserungen im Ganzen hier weit milder als die im ersten Theile über die Leh

rer deutscher und preussischer Anstalten. Die von ihm (S. 79–82.) dargelegten Bemerkungen über die lateinischen Schulen in Holland und über die Nothwendigkeit einer Erweiterung der grössten unter ihnen, um die Kluft zwischen den Elementarschulen und der Universität auszufüllen, sind verständig und werden sich gewiss allgemeinen Beifalls erfreuen. Fast gleichzeitig mit dem Berichte des Hrn. Thiersch erschien die unter No. 2 genannte Schrift. Die Eigenthümlichkeit Cousin's im Auffassen und Darstellen brauchen wir hier nicht zu schildern, weil wir derselben bereits vor mehreren Jahren in unserer A. L. Z. vom J. 1833 in No. 183. 184. und vom J. 1834 No. 163. gedacht haben, aber wir fühlen uns hier nochmals gedrungen seinen Eifer für die Sache und die an einem Franzosen nicht genug zu rühmende Empfänglichkeit für Deutsche Schuleinrichtungen hervorzuheben, dem Hr. Thiersch im angef. Werke Th. II. S.326 ff. u. a. O. wenig Gerechtigkeit widerfahren lässt. Scin Aufenthalt in Holland dauerte vier Wochen. „Mein Tagebuch" sagt er I. 170. (nach Kröger’s Uebersetzung) „ist wenigstens mit der gewissenhaftesten Genauigkeit abgefasst. Ich habe nichts erzählt, was ich nicht mit meinen Augen gesehen und mit meinen Ohren gehört habe. Ich habe Niemanden ein Wort untergelegt, was er nicht wirklich gesagt hat, und die in der Erzählung eingemischten Thatsachen sind unwillkürlich den Thatsachen entflossen." Diese unbefangenen Aeusserungen müssen für den Verfasser einnehmen und wir haben ihn gern in die Städte Haag, Harlem, Utrecht, Leyden und Amsterdam begleitet, wo er eben sowohl den niedern als den höhern Unterrichtsanstalten seine Aufmerksamkeit gewidmet hat. Das Einzelne wollen wir nicht herausheben, wohl aber einige der hauptsächlichsten pädagogischen Erörterungen bezeichnen. Dahin gehören zuerst die Bemerkungen über Schullehrer-Seminare, in denen Cousin das ganze künftige Heil der Volkserziehung sieht, in einem Gespräche mit dem in diesem Fache hochverdienten van Ende zu Harlem, über Schul-Inspectionen und über den wechselseitigen Unterricht, der „in Frankreich noch eine beklagenswerthe Popularität geniesst” (S. 26–35.), ferner über das Armenschulwesen (S. 54. ff.), wo ebenfalls das Lancaster'sche System in ganz Holland verworfen ist und von dem Prediger L'Ange in Amsterdam mit den einleuchtendsten Gründen als unnütz, ja als schädlich bezeichnet wird. Drittens gehören dahin die Resultate einer Religionsprüfung zu Amsterdam (S. 73–75.), wo der Unterricht nach dem holländischen Systeme ohne po

sitive Religionsdogmen oder moralisch-metaphysische"

Abstractionen ertheilt wurde. Wir stimmen aber doch Hrn. Cousin in seinen Zweifeln über die Zweckmässigkeit einer solchen Methode vollkommen bei. Viertens ist Cousin mit Thiersch einverstanden in der Ansicht, dass die lateinischen Schulen und Athenäen zweckmässiger zu organisiren wären, ohne dass dabei die gründliche Unterweisung im Lateinischen und Griechischen verloren gehe, denn eigentlich, sagte er zu van Heusde, sind doch die Jesuitenschulen das Ideal der holländischen lateinischen Schulen (S. 92.), was ihm jedoch der Holländer nicht zugab, der sich überhaupt an das von Thiersch aufgestellte, ausschliessliche System der lateinischen Schule hält, wogegen Bake in Leyden (S. 130.) das System der preussischen Gymnasien vorzieht und will, dass Alles neu werden soll. Die Unterredungen mit van Heusde (S. 88 – 101. und S. 117–121.) gehören überhaupt zu den interessantesten Partieen des Buches. Da nun „das System der lateinischen Schulen fast nur Professoren und Theologen bildet” (S. 131.), so thut Cousin ebendaselbst vier Vorschläge 1) den Namen lateinische Schulen in Gymnasien zu verwandeln, 2) die Studien der Wissenschaften zu verstärken und sie in ein richtiges Verhältniss zu den Sprachstudien zu stellen, welche Hauptstudien bleiben müssen, und vorzüglich den Unterricht einer oder zwei der neuen Sprachen einzuführen, 3) den Staat bei der Ernennung und womöglich bei den Gehalten der Professoren mitwirken zu lassen, wobei wir zugleich seiner passenden Bemerkungen über Privatdocenten, Entfernung des sog. Concurses und Zahlung des Honorars von Seiten der Studirenden (S. 107.) gedenken; 4) bei den Universitäten Utrecht oder Leyden ein wirkliches Seminar zur Bildung von Gymnasiallehrern zu gründen. Fünftens endlich finden sich S. 154 ff. sehr passende Worte über die Kleinkinderbewahrschulen, die dem Herzen des Hrn. Cousin alle Ehre machen. Nach der eigentlichen Reisebeschreibung folgt von S. 151 – 228 des ersten Theils die raisonnirende Begutachtung des gesammten holländischen Unterrichtssystems, wie es jetzt in höhern und niedern Schulen und auf den Universitäten besteht. Klarheit der Darstellung, freimüthige Anerkennung des Passenden und anständige Kritik des weniger Passenden zeichnen diesen Abschnitt vortheilhaft aus. Im Gegensatz zu Hrn. Thiersch's oft scharfen und ungerechten Urolen verleugnet Hr. Cousin nirgends

die französische Urbanität. So wo er über den Minister Falck spricht (S. 15.), über den General-Inspector der lateinischen Schulen Wynbeek (Hr. Thiersch a. a. O. schreibt Weinbeck) auf S. 17., über van Heusdo (S. 117 f.), über Bake (S. 129. 131.134.) über Geel (S. 135. ff) und andere verdiente Gelehrte und Schulmänner Holland's. Was Cousin für seine besondern Studien durch die Einsicht der Briefe von Huygens und Descartes gewann, übergehen wir jetzt.

Den ganzen zweiten Band füllen zahlreiche Gesetze, Verordnungen, Instructionen und statistische Angaben sowohl aus der frühern Zeit als aus der des jetzigen Königs von Holland über die verschiedenen Zweige des öffentlichen Unterrichts, die alten Sprachen, die Mathematik, den Gewerb-Cursus, die Anstalt für Forstwissenschaften zu Lüttich und andre mehr, sowie über Angelegenheiten der Disciplin, Gebühren, Ferien, Stipendien u. dgl. m. Auch der Königliche Beschluss über die Errichtung des philosophischen Collegiums zu Löwen vom 14. Juni 1825, der den ultramontanen Katholiken so verhasst war, findet sich von S. 214–221 abgedruckt. Ferner sind die Verordnungen für die Universitäten und die Nachweisungen der vom Staate aufgewendeten Summen aus urkundlichen Nachrichten mitgetheilt. In Allem zeigt sich die Weisheit und Besonnenheit des Königs Wilhelm, die Klarheit und Weisheit seiner Minister und ihr rechtliches, verfassungsmässiges Bestreben, welches die Belgier Jahre lang so unverantwortlich schnöde verkannt haben. Der letzte Bericht des Ministers des Innern, Hrn. van Gobbelschroy, vom 30. Januar 1829 ist ein Ä von Festigkeit und Mässigung, von Einsicht und redlichem Willen, von Sorgfalt für die Rechte des Thrones und von Achtung der constitutionellen Freiheit, und gehört daher zu den bedeutendsten, hier abgedruckten Aktenstücken (S. 236–247.) Die in der Uebersetzung gleichfalls abgedruckten Lections-Cataloge von Leyden, Utrecht und Gröningen scheinen uns überflüssiges Beiwerk für deutsche Leser zu seyn.

Die Uebersetzung des Hrn. Kröger leidet an den schon mehrmals gerügten Fehlern aller seiner Uebertragungen. Die Fertigkeit hält mit dem guten Willen nicht gleichen Schritt und so ist die Uebersetzung wohl wortgetreu, aber steif und ungelenk. Seine eignen Zusätze sind von geringer Zahl und Bedeutung.

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A L L GE MI E IN EN IL I T E R A TU R - ZEITUNG

Junius 1840.

UNTE RR ICHTSWESEN.

BREsLAU, b. Grass, Barth u. Comp.: Der naturkundliche Unterricht, ein allseitiges Bildungsmittel für Schulen überhaupt, und für höhere Bürgerschulen insbesondere. Von Dr. K. F. Robert Schneider, Oberlehrer. 1837. 80 S. gr.8. (10gGr.)

Gegen den naturkundlichen Unterricht wurden namentlich bei der Erörterung der bekannten Lorinserschen Anklagen der gegenwärtigen Gymnasialbildung manche Stimmen laut, welche seine Entfernung von dem Schulschematismus forderten. In manchen Deutschen Staaten, z. B. in Bayern ist an den gelehrten Schulen, freilich zum grossen Nachthcile der Gesammtbildung in materieller und formeller Beziehung, von ihm gar keine Rede; obgleich man aus dem bisherigen Gange des naturwissenschaftlichen Lehrens und Lernens auf den Universitäten den fast gänzlichen Mangel an zweckmässiger Schulvorbereitung durch verderbliche Folgen kennen gelernt haben sollte. Ganz richtig bezeichnet der Vf, den Hauptzweck des Unterrichtes und setzt ihn nicht in blosses Wissen, sondern in die Tüchtigung und Befähigung für das innere und äussere, für das zeitige und ewige Leben; weil das Wissen aufblähct, das Leben aber Demuth und Kraft gibt; grau alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum ist. Zur Kenntniss des Lebens jeder Art trägt der naturkundliche Unterricht das Meiste bei; er hilft alle menschlichen Kräfte und Anlagen allseitig ausbilden und er fasset den Menschen nach Leib, Sinn, Verstand und Herz, nach Geist, Sprache, Wille und Gemüth; daher ist seine Beförderung an gelehrten und Bürgerschulen in formeller Hinsicht durchaus nöthig. Die naturkundlichen Kenntmisse sind jedem für irgend ein technisches Fach sich Ausbildenden unentbehrlich, und der dem gelehrtenStande sich Widmende kommt in unzählig viele Fälle, in wel

chen ihm jene gleichfalls nützlich sind, mithin fordert Ergänz. B. zur A. L. Z. 1840.

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auch die materielle Seite die Einführung jenes Unterrichtes in die Schulen.

Ueber diese Nothwendigkeit haben sich wohl schon manche geistreiche Schulmänner und Gelehrte vom Fache ausgesprochen und namentlich hat Kapp in seiner Schrift „Der wissenschaftliche Schulunterricht u. s. w., 2ter Beitrag. Hamm 1834" viel Beherzigenswerthes gesagt, was der Vf, wohl benutzt zu haben scheint; allein man ging dabei nicht genau in die Art und Weise ein, wie die Naturkunde von Stufe zu Stufe der leiblichen und geistigen Ausbildung weiter führt, und der Unterricht in ihr geordnet seyn müsse, um diesen Zweck zu erreichen. Diese Durchführung versucht der Vf, in seiner Schrift und erreicht im Ganzen scine Absicht ziemlich gut: Einige Uebertreibungen abgerechnet liest man die Darstellungen mit ungetheiltem Beifalle; Ref. empfiehlt das aufmerksame Lesen der Schrift und das vorurtheilsfreie Beurtheilen der Ansichten jedem Gegner des naturkundlichen Unterrichtes ganz besonders und hegt die feste Ueberzeugung, dass sie manchen zu besseren Ansichten bringt und derselbe die Einführung des Unterrichtes in jede höhere Schule nicht fernerhin bestreiten wird. Für Bürgerschulen hat noch kein Zweifel bestanden; wohl aber streitet man sich noch für gelehrte Schulen und Ref. glaubt sicher, dass der Unterricht in der Naturkunde auch in diesen allgemein eingeführt wird, wie es in vielen Deutschen Staaten schon geschehen ist.

Der Vf, erklärt zucrst den Begriff „Naturkunde"; zeigt, wie die Thätigkeit der Sinne der Anfang der Naturbetrachtung ist, bei vielen unbewusst und ungeleitet beginnt, aber bei den meisten nicht über die Anfänge hinausgeht, nicht zur Naturkunde führt und die Uebung, Ausbildung und Feinheit der Sinne nicht bewirkt; wie die Uebung Ausbildung, diese Vervollkommnung und Vollkommenheit hervorruft; wie der

naturkundliche Unterricht mit der Anschauung beginne C cc

und das Lehrbuch der Schüler die Natur sey und Anfangs jedes Buch entfernt bleiben müsse. In die freie Natur müssen jene wandern, in ihr sich leibliche Fertigkeiten und Geschicklichkeiten erwerben; in ihr Pflanzen und Steine sammeln; sie geschickt einlegen, bewahren und erhalten. Diese Thätigkeit führt den Knaben und Jüngling zu Quellen vieler Freuden, erzeugt jugendliche Frische, kindliche Gemüthlichkeit und sinnige Lebendigkeit bis ins späte Alter.

Eine solche lebendige Naturbetrachtung fühlt zum lebendigen Bewusstseyn der Gliedschaft eines jeden Menschen; ist ein vorzügliches IIülfsmittel geistiger Ausbildung und treffliche Vorschule des Geistes, der Sprache, des Verstandes und der Urtheilskraft; beschäftigt das Gedächtniss, die Vorstellungskraft und Phantasie. Manche Philologen wollen ein Zerstreut werden geltend machen, haben aber unfehlbar keine genaue Kenntniss von der Sache: Auf Spaziergängen, die vortrefflichen Mittel, die Schüler genau kennen zu lernen und ein gewisses Zutrauen zu gewinnen; bei absichtlich vorgenommenen Excursionen kann sehr viel geschehen. Durch Aussuchen der unterscheidenden Merkmale, Aehnlichkeiten und Unähnlichkeiten wird der unterscheidende Verstand geweckt, der Scharfsinn geübt und die Speculation angeregt.

Diese Vortheile für geistige Entwickelung, den Gewinn der Sprache an Fülle des Stoffes, Lebendigkeit ihres Gebrauches und der Reife und die Einwirkung auf die religiöse Anlage und Ausbildung schildert der Vf, sehr gut und treffend; denn man erkennet daraus, wie die rechte und tiefe Naturbetrachtung demüthig, keusch und vertrauend macht. (S. 1bis 22.) Von diesen Betrachtungen geht er zu dem Einflusse über, welchen eine rege Betreibung des naturkundlichen Unterrichts auf Schulen für das spätere bürgerliche Berufsleben ausübt, und hebt im Besonderen die Berufe des Landwirthes, Gärtners, Försters, Berg- und Hüttenmannes hervor. (S.23 bis 30.) Niemand wird die Kenntnisse in der Naturkunde für diese Lebensberufe bezweifeln; mithin bedurfte die Sache wenige Belege.

Das ausgebreitete Feld der technischen und chemischen Gewerbe, der Manufacturen und Fabriken, der Kunstgewerbe und Handwerke beruht fast ausschliessend auf Naturwissenschaften; auch hier spricht das öffentliche Leben für die Sache, welche daher nur kurze Erwähnung bedarf; jedoch geht daraus noch

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S. 34. u. f. wendet sich der Vf. zur Hauptaufgabe der höheren Bürgerschule und nimmt für sie jenen Unterricht als Hauptbildungsmittel iu Anspruch; der mathematische verdient nach des Ref. Ansicht den Vorzug; er muss später selbst den Unterricht in der Physik unterstützen, also ausgedehnter betrieben werden; dann sucht er den Weg auf, der den naturkundlichen Unterricht in den Stand setzt, durch stufenweis erweiterte Betrachtung zur allseitigen und freithätigen Auffassung der Natur zu gelangen und bezeichnet die Mittel in den Naturkörpern, in dem Wesen der Dinge und in der schaffenden und erhaltenden Kraft: Naturbeschreibung und Naturlehre, oder Physik mit Elementar-Astronomie und Anthropologie sind die wissenschaftlichen Begriffe, welche mit ihrem Inhalte hervortreten und Anspruch machen.

Nach der Eintheilung des sprachlichen Unterrich

testheilt der Vf. (S. 47. f.) den naturkundlichen in drei Hauptstufen; in die vorbereitende, in die grammatische und in die syntaktische oder zusammenfassende, welche das Einsammeln, das genaue Unterscheiden und Verbinden des Stoffes zum Zweckehaben. Mit besonderer Vorliebe für die Sache und mit Kenntniss derselben geht er diese Unterrichtsstufen im Einzelnen durch und zeigt, wie zu verfahren sey, um den Anforderungen zu entsprechen. Lehrern, welche diesen Unterricht zu ertheilen haben, ist das Nachlesen dieser Darstellungen besonders zu empfehlen. Für Schüler und Lehrer sey einzig und allein die Natur; später werde die kleine Naturgeschichte von Schubert wegen ihrer vielen anziehenden Züge aus der Geschichte einzelner Thiere und die gemeinnützige Naturgeschichte von Lenz gebraucht. Für die 2te Stufe sey von der Betrachtung der Einzelheiten am Besonderen zum Allgemeinen überzugehen, auf Bestimmtheit in Wort und Ausdruck zu sehen; die Kennzeichenlehre besonders zu erweitern und der Lernende einer grösseren Selbstständigkeit entgegengeführt: In ihr sey nicht bloss ein Wissen, sondern ein wirkliches Kennen, nicht blosse Kenntnisse, sondern wirkAufgabe der 3ten Stufe (S. 69. ff.) soll seyn, die auf den beiden ersten Stufen als getrennte Einzeln– heiten betrachteten Naturkörper, den auf der ersten Stufe vereinzelt eingesammelten , naturkundlichen Stoff auf den Grund der auf der 2ten Stufe zusammengefassten verschiedenen Einzelnheiten zu einem leicht übersehbaren Ganzen zu vereinigen; ihre Zahl durch noch nicht gesehene, ausser dem engen Kreise der eigenen Anschauung liegende Glieder zu vermehren und zu vervollständigen und die Bezichungen dersel– ben zu einander, zur Erde, zur ganzen Natur, zum Menschen und zu Gott aufzusuchen und darzulegen; auf ihr soll die freiere geistigere Spekulation beginnen. Physik, Meteorologie und Chemie, dann die Grundzüge der Astronomie werden auf den vollständigen Un– terricht in der höheren Bürgerschule gegründet. Auch hier legt der Vf, das reiche Feld des naturkundlichen Unterrichtes nach seinem Zwecke, Inhalt und seiner Bedeutsamkeit und nach dem zu betreibenden Wege nur in den Hauptzügen dar; hier und da fügt er einige aus dem praktischen Lehrerieben hervorgegangene Andeutungen bei, und beabsichtigt durch seine Darstcllungen ein Frwecken, Beleben und Anseuern zu einem lebendigeren, allseitigeren Aussassen und Betreiben jenes Unterrichtes; er will dadurch beitragen, dass derselbe nach seinem Umfange, nach seiner Einwirkung auf das höhere gewerbliche, auf das innige geistigere Leben unter den Unterrichtsgegenständen der höheren Bürgerschule, die ihm gebührende Stellung und Achtung erhalte.

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liche geistige Kräftigung, Tüchtigung und Ausbildung und die Möglichkeit, selbstständig in der Erkenntniss der Natur weiter fortschreiten zu können, der wichtigste Gesichtspunkt für den Unterricht.

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VERMISCHTE SCHR IF TEN.

LEIPzig, b. Vogel: Barthold Georg Niebuhrs Brief an einen jungen Philologen. Mit einer Abhandlung über Niebuhr's philologische Wirksamkeit und einigen Excursen herausgegeben von Dr. Karl Georg Jacob, Professor an der Königl. Preuss. Landesschule Pforta. 1839. VIII und 215 S. gr. 8. (1 Rthlr. 6 gGr.)

In dem zweiten Bande der Lebensnachrichten über B. G. Niebuhr, für deren Veröffentlichung wir bei dem oft gefühlten Mangel deutscher Memoiren den Freunden des Verstorbenen nicht genug danken können, findet sich S. 200 – 212 ein Brief desselben an einen jungen Philologen, der sich durch eine Menge der zweckmässigsten Vorschläge, so wie durch Innigkeit, Aufrichtigkeit und Offenheit auszeichnet. Ausgehend von den hohen Vorzügen philologischer Studien (es gebe keinen friedlicheren und keinen heiterern Beruf, keinen der durch die Art seiner Pflichten und seiner Ausübung die Herzens – und Gewissensruhe besser sichere) und von der Würde eines Schullehrers verbreitet sich N. hauptsächlich über zwei Gegenstände mit grösserer Ausführlichkeit, über die lateinischen Stilübungen und über die Lectüre der alten Schriftsteller, Anderes einem jungen Menschen bei seinen Studien zu Beobachtende nur kurz und im Vorübergehen erwähnend. In Bezug auf erstere dringt er mit allem Ernst auf Einfachheit des Ausdrucks, Gleichmässigkeit des Stils, Sorgfalt im Periodenbau, Richtigkeit der Metaphern und spricht sich, nachdem er die formale Seite solcher Arbeiten besprochen, mit Entschiedenheit gegen die Wahl der leider sehr beliebten Themata aus, zu deren Behandlung eine genauere Kenntniss der politischen und rechtlichen Verhältnisse des Alterthums gehört, als man bei einem jungen Menschen voraussetzen könne; empfiehlt dagegen exegetische Ausarbeitungen. Für die Lectüre werden natürlich die edelsten und grössten Geister des Alterthums hervorgehoben, in sprachlicher Hinsicht Demosthenes und Cicero empfohlen, vor den Satiren, selbst den IIorazischen gewarnt und einzelne methodische Winke hinzugefügt, die der Gründlichkeit des allseitigen Verständnisses nur förderlich seyn können. Schon dieser dürre Abriss wird die Reichhaltigkeit und Wichtigkeit des in jenem Sendschreiben Enthaltenen einigermassen klar machen und zugleich die Bedeutsamkeit andeuten, welche jene Worte in unserer Zeit haben müssen, wo sich

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