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Wenden wir uns zu den organischen Gesetzen, so ist uns bekannt, dass ein organisches Wesen um so vollkommen als möglich zu seyn, aus einem vollkommen gesunden Keim hervorgehen, Licht, Luft und Nahrung haben, und seine Kräfte gehörig üben muss. Vereinigen sich diese Bedingungen, so ist die Möglichkeit gegeben, dass der Mensch während der ganzen Lebensdauer gesund seyn kann; dies finden wir z. B. bei den Neuseeländern allgemein, während fast in jedem Lande einzelne Individuen vorkommen, die nie krank waren. Wir bemerken nun aber, dass der grössere Theil der Menschen an organischen Uebeln leidet und strenges Nachdenken wird uns beweisen, dass dicselben stets Strafen für die Verletzung eines organischen Naturgesetzes sind. Erzeugt z. B. ein siecher, schwacher Mann ein Kind, so wird dies ebenfalls schwach und kränklich seyn. Leben Menschen in dunkeln, durch feuchte und verdorbene Luft verpesteten Wohnungen, geniessen sie ungesunde Nahrungsmittel, so übertreten sie ein organisches Gesetz und offenbar wird ihnen die Strafe als Schmerz, Krankheit oder frühzeitiger Tod auf dem Fusse folgen. Uebt der Mensch die ihm verliehenen Functionen nicht, so werden z. B. nach vernachlässigter Uebung des Muskelsystems: Träghcit, Kraftlosigkeit, übermässige Reizbarkeit, gestörte Verdauung etc., die Strafe der Uebertretung jenes Gesetzes seyn. – Das organische System des Menschen ist also gewiss an und für sich eines gesunden Daseyns von der Kindheit bis zum Alter fähig, wenn der Mensch die bestehenden Gesetze kennt und sein Benehmen ihnen gemäss einrichtet. In dem folgenden sucht der Vf, die Unwandelbarkeit einigerorganischer Gesetze nachzuweisen und geht, nachdem er sich namentl. über die erbliche Uebertragung der Eigenschaften der Eltern auf die Kinder ausgesprochen hat, am Schluss zur Betrachtung des Todes, als des nach der allgemeinen Ansicht grössten Uebels über. Der Tod ist nach Combe nicht allein eine natürliche, sondern auch eine nützliche Einrichtung, er ist ebenso characteristisch für jedes organische Wesen als seine Abstammung von einem Keime, denn er bil– det einen wesentl. Bestandtheil des organischen Sy– stems; Geburt, Wachsthum, Reife schliessen ebenso sicher Abnahme und Tod in sich, als Morgen und Mittag, Abend und Nacht, wie die Quelle eines Flusses das Ende desselben. Organische Wesen sind vom Schöpfer dazu bestimmt andern zur Nahrung zu dienen, so dass jene sterben müssen, damit diese leben. Der Mensch bedarf vegetabilischer und animalischer Substanzen zur Nahrung, so dass der Tod eben so

wesentliches Attribut der Organisation ist, als das

Leben. Wären Pflanzen, Thiere und Menschen für

eine so lange Dauer als Berge bestimmt, so liesse sich der Analogie nach schliessen, dass Gott anstatt ur

sprünglich von jeden ein Paar zu schaffen und dies

mit ausgedehnter Fortpflanzungskraft zu begaben um allmählig heranwachsende Junge zu erzeugen, die Welt mit einer bestimmten Anzahl Wesen versehen haben würde, die von vorn herein vollkommen in allen ihren Theilen und Functionen, gleich Felsen ohne Zuund Abnahme hätten ausharren müssen. Der Tod im jugendlichen und mittlern Lebensalter beim Menschen ist immer Folge von Abweichungen von den Gesetzen des Schöpfers, dagegen der Tod aus Altersschwäche einen wesentlichen und offenbar unentbehrlichen Theil im System organischer Existenz bildet. Durch die Anordnung des Todes besteht die Reihenfolge der Individuen, indem junge, kräftige für schwache und hinfällige eintreten, sie giebt direct das Mittel ab, wodurch Geschlechtstrieb, Kinderliebe und viele andere Vermögen Befriedigung erhalten. Der Tod lässt ein Aufsteigen des Geschlechts auf der Stufenleiter der Vollkommenheit sowohl in Hinsicht der organischen als geistigen Eigenschaften zu. So lange der Mensch ein organisches Wesen bleibt, kann demnach der Tod im Alter nie wegfallen, aber die Leiden und die Häufigkeit des verfrühten Todes werden in eben dem Maasse abnehmen, als der Gehorsam des Menschen gegen die physischen und organischen Gesetze wächst. In der dritten Abtheilung dieses Capitels spricht sich der Vf, über die Uebel durch Vernachlässigung des Moral – Gesetzes und zwar in Beziehung auf das Glück der Individuen grösserer Vereine und ganzer Nationen aus. Den Grund der Verschiedenheit des Moral-Codex bei verschiedenen Völkern glaubt er in der Verschiedenheit der geistigen Vermögen der Gesetzgeber begründet, er findet die Strafe für Uebertretung des Sittengesetzes darin, dass 1) dem Uebertreter Freuden verloren gehen, die mit der treuen Erfüllung desselben verbunden sind, und 2) dass die Uebertretung des Sittengesetzes positiv schlimme Folgen in Beziehung auf äussere Verhältnisse nach sich zieht. Wie schon früher erwähnt wurde, sucht auch in diesem Abschnitte der Vf, nachzuweisen, dass das höchste menschl. Glück nur dann erlangt werden kann, wenn die höhern Vermögen des Menschen die niedern Triebe und Gefühle desselben beherrschen und letztere nur in Beziehung auf erstere in Thätigkeit treten lassen. Durch nichts können aber nach des Vfs. An

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sicht die höhern Vermögen mehr ausgebildet werden, als durch das eifrige Studium der Naturgesetze und der Hülfswissenschaften, welche diese uns erläutern und kennen lehren. Den Vorwand, dass nicht allen Menschen Zeit dazu übrig bleibe, lässt der Vf. nicht gelten; er findet die einzige Schwierigkeit darin, das Verlangen nach Kenntniss bei dem Individuum zu wekken, und hofft, dass durch weise Vervollkommnung des Maschinenwesens der Mensch in den Stand gesetzt werden könne seine Mussestunden zu vermehren und seinen physischen Bedürfnissen mit weniger mühsa1nem Kraft-Aufwande abzuhelfen. In dem sechsten Capitel von der Strafe spricht der Vf, über die Strafen, insofern sie durch die Naturgesetze auferlegt werden und über den moralischen Nutzen derselben. Das Princip der durch Gott angeordneten Strafen ist wohlwollend, alle Naturgesetze dienen dazu den Geschöpfen, die sie befolgen, Freude zu bringen, der Zweck der Strafe, wenn sie übertreten werden, ist: den Schuldigen in der Uebertretung der Gesetze zu unterbrechen, da diese Uebertretung, wenn ihr gestattet wäre, ihren natürlichen Ausgang zu erreichen, ihn noch viel unglücklicher machen würde, oder seine Leiden zu enden, wenn er sich zu bedeutend verirrt hat, um noch zurückkehren zu können. Forschen wir nach dem Princip der Straftheorie des Menschen, so finden wir es ganz ähnlich dem der Thiere, das peinliche Gesetz ist nach dem Princip der thierischen Rache gebildet. Da aber die Welt in Beziehung auf den Menschen nach dem Princip des Vorwaltens der moralischen Gefühle und des Verstandes geschaffen ist, so sollten wir bei Bestrafung uns namentl. an eine moralische Vergeltung halten. Der Vf. geht in dem Folgenden offenbar zu weit, wenn er annimmt, dass Verbrechen begangen werden können, die unabhängig von dem Willen des Fehlenden Folge des unglücklichen Verwaltens der thierischen Organe im Gehirn des Verbrechers sind. – Der moralische Nutzen der Strafe besteht nach dem Vf. darin, dass, wenn der Verstand und die moralischen Gefühle dahin gebracht worden sind, die Principien der göttlichen Weisheit zu erkennen, sie soviel Weisheit, Liebe und Gerechtigkeit in den Naturgesetzen gewahren, dass sich unsere ganze Natur in Folge mit ihnen verknüpfter Strafen, die wir zu erleiden haben, veredelt. Auch dient die Strafe, die ein Individuum erleidet, dazu, andere vor Uebertretung zu warnen und diese Thatsachen liefern einen Beweis, dass Vervollkommnung der moralischen und intellectuellen Natur des Menschen einer von den grossen Endzwecken der Schöpfung ist.

Das siebente Capitel enthält eine Abhandlung über das gemeinschaftl. Wirken der Naturgesetze, das achte beschäftigt sich mit dem Einfluss der Naturgesetze auf das Glück der Individuen. Beide Capitel geben uns nur Beispiele, in denen der Vf. obige Ansicht zu vertheidigen und zu beweisen sucht; sie gestatten keinen Auszug.

In dem neunten Capitel: Verhältniss der Wissenschaft zur Offenbarung, rechtfertigt sich der Vf. gegen den ihm früher gemachten Vorwurf, dass die in seinem Werke enthaltenen Ansichten nicht mit der Offenbarung übereinstimmten und der Religion zuwider seyen, dadurch, dass er beweist, die Wissenschaft als eine Darlegung der Werke des Schöpfers könne mit einer richtig ausgelegten Offenbarung des Willens Gottes nicht in Widerspruch stehen, und die Schrift als Prüfstein der Wissenschaften zu brauchen, sey ganz verkehrt. Er stützt sich dabei auf Whately, Sedgwick, Taylor und andere achtungswerthe Autoritäten; den Einwurf, dass nach der von ihm aufgestellten Lehre das Gebet vernunftwidrig und nutzlos seyn müsse, beseitigt er durch Dr. Leechman's Worte: „Gott können unsere Gebete nicht lenken oder verändern, denn bei ihm ist keine Veränderlichkeit, noch auch ein Schatten von Wechsel. Das Gebet übt seine Einwirkung nur auf uns, in sofern es dazu beiträgt die Stimmung unsers Gemüths zu ändern, gute Anlagen zu erwecken oder auszubilden, das Gemüth dem Einfluss geistiger Dinge zu eröffnen und somit uns fähig zu machen die Gnade und den Beifall unsers Schöpfers und all den Beistand zu empfangen, welchen er denen zugesagt hat, die ihn anrufen im Ernst und in der Wahrheit. Die Wirksamkeit des Gebets liegt nicht im blossen Bitten, sondern darin, dass es denjenigen Zustand in uns hervorruft, der uns zum Empfangen geschickt macht."

Die Uebersetzung an sich ist in jeder Hinsicht ge

lungen zu nennen. Druck und Papier sind gut. Dr. Carl Schwabe.

PA EDA GOGIK.

EDINBURGH: Thoughts on physical education and the true mode of improving the Condition ofman; and on the Study of the Greek and Latin Languages. By Ch. Caldwell, Prof. of Medicine in Transylvanian University. Engl. ed. with notes by Rob.

Cox. 1836. 190 S. 12. Der Vf. dieser Bogen ist Lehrer an der Universität in Philadelphia; die berühmtesten und ältesten Universitäten besitzen bekanntlich die nördlichen Staaten

Nordamerikas, Connecticut, Neuengland, Pensylva-
nien, Newyork u. s. w. Wenn sich in diesen die Be-
wohner der südlichen Staaten einfinden, so mag der
Einfluss des Klimas auf die Erziehung leicht grell genug
hervortreten; aus der Einleitung ersieht man, dass die
Verschiedenheit der Ansichten über Erziehung in den
südlichen und nördlichen Staaten den nächsten Anstoss
zur Abfassung dieser Schrift gegeben hat; es lässt sich
aber kaum denken, dass ein Versuch der Ausgleichung
jemals gelingen könne; die Bewohner von Carolina,
Georgien, Louisiana, werden schwerlich auf densel-
ben Anstalten und in derselben Art erzogen werden
können, wie die von Vermont, Maine u. s. w., früher
oder später müssen die heterogenen Elemente ausein-
anderweichen. Die Schrift zerfällt indessen in zwei
wesentlich verschiedene Theile 1) von der physischen
Erziehung 2) von dem Studium der alten klassischen
Sprachen.
In seinen Ansichten über physische Erziehung
zeigt sich der Vf, als Anhänger der Phrenologie, und
so auch manchmal zu Einseitigkeiten und Uebertrei-
bungen geneigt. Um z. B. die überhaupt unerwiesene
Behauptung, dass die ältern Söhne des Adels gewöhn-
lich an Geist den jüngern nachstehen, zu rechtfertigen,
demonstrirt er uns: „ For reasons well known to phre-
nologists, the animal organs and faculties predominafe
during early life. Parents therefore, who marry at that
period, communicate in a higher degree to their first
children the same infortunate predominance, which
renders them less intellectual and moral, and more sen–
sual; less capable as well, as less ambitious, ofpre-
eminence in knowledge and virtue, and more inclined
to animal indulgences. If I am not mistaken, history
and observation sustain this view of the subject, and
philosophy expounds it." Dass der Zustand der Eltern
zur Zeit der Zeugung den grössten Einfluss auf die
körperliche und geistige Constitution der Kinder habe
leugnet Niemand; dass dann nach verschiedenen Um-
ständen bald die älteren, bald die mittleren, bald die
jüngeren Kinder gesunder sind, lehrt die Erfahrung,
und sollte sich Ref. nach seiner Erfahrung für ein all-
gemeineres Resultat entscheiden, so müsste er in der
Regel die jüngsten für schwächer als die ältesten er-
klären; dass bei zu jungen Eltern die jüngeren Kinder
zuweilen stärker werden ist erfahrungsgemäss, aber
eben so oft werden in diesem Falle die folgenden Kin-

der immer schwächer; die Annahme des Verf. (die von vielen Andern auch schon ausgesprochen wurde) aber zugegeben, so würde man die Erscheinung immer lieber aus der Stellung und Erziehung der älteren Söhne des Adels erklären. Dergleichen leicht hingeworfenen, aber schwer bewiesenen Behauptungen begegnet man beym Verfasser oft, z. B. „thesons of soldiers and military leaders, born during periods of war and peril, are believed to be constitutionally brave; under such circumstances, a coward has rarely been seen issued into the world!" Wol mag man daraus auch ersehen, dass der Verf. gerade nicht die Legion von vorhandenen Schriften über physische Erziehung nachschreibt, und dass seine Schrift, auch bei phrenologischen Excessen etwas Piquantes erhält, während man viel Positives vermisst; so dass sie für die Wissenschaft von keinem Belang ist, namentlich würde man auch vergeblich nach Aufschlüssen über die amerikanische Kindererziehung in Vergleichung mit der Europäischen suchen. - - * Der zweite Theil, über das Erlernen der alten classischen Sprachen, ist die Folge eines Programms der Professoren am Yale Colledge, welche die Einführung des Unterrichts in den alten Sprachen in den Schulen Nordamerika's fodern. Die grosse Unwissenheit der Amerikanerin der classischen Litteratur ist allgemein bekannt, und wohin diese Unkenntniss z. B. in der Theologie noch führen werde, bei einem übrigens geistig sehr entwickelten grossen Volke, welches nicht ohne Einfluss auf die übrigen Erdenbewohner bleiben kann, lässt sich kaum ahnen! Indessen konnte sich Referent, als er vor kurzer Zeit die in unsern Augen wahrhaft lustige Art zu erwähnen hatte, wie der Amerikaner Dunglissan in seiner Methodologie den amerikanischen Medizin-Studirenden räth, doch (auf der Universität) ein Bischen Griechisch und Lateinisch zu lernen, bei sorgfältiger Erwägung der Verhältnisse nicht enthalten, sehr zu zweifeln, ob den Amerikanern irgend zuzumuthen sey, durch die altclassische Echafaudage unsers Unterrichtssystemes zu gehen, was für uns allerdings noch unentbehrlich ist. Uebrigens sieht man, dass die in Amerika sehr schwachen und unmächtigen Classiker sowohl, als die übermächtigen Realisten dort auf demselben ganz

unrichtigen Standpunkte streiten, wie leider nur zu allgemein in Europa.

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ER GÄNZUNG S B L Ä T T E R

ZUR

ALLGEMEINEN LITERATUR - zEITUNG

Junius

1840.

- PAE DAGOGIK.

EDINBURGH: Thoughts on physical education and the true mode of improving the Condition of man; and on the Study of the Greek and Latin Languages. By Ch. Caldwell etc.

( Beschluss vom Nr. 47. )

Wenn die Classiker nicht aufhören den gegenwärtigen realen Werth der griechischen und römischen Schriftsteller zu preisen, so ist der Sieg der Realisten gewiss, unsre Studirenden lernen nicht allein nichts aus dem Hippokrates und Galen, sondern sie würden mit dem Lesen derselben nur zu ihrem Schaden ihre Zeit ganz unnützer Weise verschwenden, und sie werden vortreffliche Aerzte seyn können ohne diese Schriftsteller jemals anzusehen, denen deswegen doch ihr unsterblicher historischer Werth in den Augen des Gelehrten bleibt; wenn die Realisten gegen den ganz unnützen und zweckwidrigen Gebrauch der alten Sprachen in Prüfungen, Vorlesungen, Schriften u. s. w. kämpfen, so ist ihnen der Sieg eben so gewiss; auch in der Terminologie können sie allerdings vollkommen entbehrlich gemacht werden; und selbst ihre historische Bedeutung z. B. vom Juristen wird sicher zu hoch angeschlagen. Allein hier wird der Streit, und so auch von unserm Verf, auf einem vollkommen verkehrten Standpunkte geführt. Gymnasien sind im Allgemeinen Bildungsanstalten des Geistes, der fähig ge

macht werden soll, auf der Universität sich Wissen

schaft anzueignen: Jeder der aber irgend einen Begriff von dem Wesen der Sprache, als reiner unmittelbarer Aeusserung des Geistes, hat, sieht leicht ein, dass die gründlichste geistige Bildung erreicht wird, durch Uebung in der Sprache und genaue Erkenntniss ihres Wesens und ihrer Gesetze; nur der gänzlich Unwissende kann auf die Meinung kommen, man könne zu jener Kenntniss allein durch die Muttersprache und durch neuere Sprachen gelangen, sicher wird sie nur Ergänz. B. zur A. L. Z. 1840.

durch gebildete alte Sprachen möglich; wenn nun ein Streit entstehen kann, welche alte Sprache die zweckmässigere ist, und wenn man voraussagen könnte, in 60 Jahren würden Sanskrit und Altgermanisch an die Stelle des Griechischen und Lateinischen getreten seyn, so könnte doch nur die unbesonnenste Unwissenheit einen jählingen Umsturz an die Stelle der historischen Entwickelung (ein Ausdruck, der freilich bei unsern Classikern oft gleich ist – Schlendrian) setzen wollen, die man aber allerdings nicht aus dem Auge verlieren soll; die letztere existirt aber für den Amerikaner nicht, und wenn daher unser Verf. mit Beistimmung des englischen Bearbeiters, die altgermanischen Sprachen an die Stelle der classischen setzen will, so dürfte er vielleicht nur noch das Sanscrit hinzufügen, um für den Amerikaner zweckmässiger dasselbe zu erreichen, was wir vor der Hand durch Griechisch und Lateinisch erreichen müssen. Auf keine Weise wollen wir aber den Verfn. entgegentreten, wenn sie die zu frühe Beschäftigung mit den alten Sprachen als Geist und Körper tödtend bezeichnen; bis in das dreizehnte Jahr sind Muttersprache, Mathematik, Naturkunde gewiss zweckmässigere Bildungsmittel für unsere Knaben als die alten Sprachen, in denen sie bis zum achtzehnten deswegen doch eben so weit kommen können.

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mand den IHerren Gall, Spurzheim und Nachfolgern

wird vindiciren wollen, nämlich den, dass das Gehirn

Organ des Geistes ist, dass ferner bei der geistigen Thätigkeit organische Prozesse im Gehirn erfolgen, und natürlicher Weise bei verschiedenartiger Thätigkeit auch verschiedene Veränderungen in verschiedenen Hirnorganen; in welchen Hirnorganen aber diese verschiedenen Processe vorgehen, das wissen wir noch nicht, und dass es die von Herrn Gall bezeichneten Organe nicht sind, dessen sind wir sicher: Natürlicher Weise hat aber jener Satz den grössten Einfluss auf die Erziehung; denn Jedermann sieht ein, dass wir bei noch unausgebildeten Iirnorganen eben so wenig eine höhere geistige Anstrengung, als von den schwachen Muskeln und Knochen des Kindes grössere Körperanstrengungen fodern dürfen, dass ein zu früh angestrengtes Kind ein buckeligtes Gehirn und verdrehten Geist erhält, wie ein junges Kindermädchen einen schiefen Rücken und einen lahmen Gang; dass dieser Satz aber von unsern Regierungen immer noch zu wenig berücksichtigt wird, ist eben so wahr; mit Recht hat Arago den französischen Kammern zugerufen, bis in das vierzehnte Jahr könnten die Knabcn ohne Schaden gar kein Griechisch und Lateinisch lernen, dagegen Mathematik so viel, als deren nur immer Eucides gewusst habe; hat man den Knaben bis in das vierzehnte Jahr mehr an das Objective gewiesen, sein Wahrnehmungsvermögen, Aufmerksamkeit und Gedächtniss durch Zeichnen, Mathematik, Naturkunde, Geographie und Muttersprache geübt, so mag man dann seine subjectivere Thätigkeit, und bald, recht ernstlich in Anspruch nehmen, er wird und muss in kürzerer Zeit noch eben so viel alte Sprachen lernen, als bei dem bisherigen System, denn sein Gehirn ist frisch, stark und unverschoben; in allen diesen Dingen sind wir mit dem Verf. eben so vollkommen einverstanden, wie darin, dass Geist und Gemüth nur der vollkommensten Ausbildung fähig sind, wenn auch die vegetativen Organe eine angemessene Erziehung erhalten, was sich aus dem physiologischen Gegensatze und der Harmonie aller Organe des Körpers leicht ergibt. Etwas Neues kann uns der Verf, freilich nicht sagen, es sind aber Dinge die dem Publicum oft und in verschiedener Form gesagt werden müssen; der Verf hat es in überzeugender Sprache, auf eindringende Weise und mit gut gewählten Beispielen gethan. So wird Sect. I. The brain the material Organ by which the mental faculties are manifested durch zwar allbekannte aber treffende Fälle erläutert. Sect. II.

Condition of the brain in early life enthält freilich wohl manche Täuschung über das Verhältniss der Grösse des Gehirns zur Entwickelung des Geistes. Sect. III. Consequences which have resulted from inattention the connexion between the mind and body. Mit Recht macht der Verf. durch Beispiele auf die gänzliche Unzweckmässigkeit des grössten Theils der Kinderschriften aufmerksam, mit Recht dringt er darauf, dass man die Kinder sich selbst in der Natur überlassen soll: „Many think that the child who has spent the day in constructing his little dam and his mill, in the brook or the stream that runs in the gutter, or in rearing his house of clods or of snow, or in making himselfäsled or cart, has been but idle, and deserves censure for a

waste of his time and a failure to learn anything But

this is a great error ofjudgment; for, while he hasthus

follored the dictates of nature, both his mind and body

have been active, and thereby improved" u. s. w. Ref.

muss indessen auch vor dem entgegengesetzten Fehler mancher Erzieher warnen, eine bestimmte Rich

tung muss die Thätigkeit des Knaben bekommen, über

lässt man sie ganz sich selbst, so fangen sie sicher

bis ins sechszehnte Jahr alle lieber Buttervögel und

dressiren Käfer, als dass sie sich hinter den Cicero

setzen; hat man überhaupt das Knabenalter geschont,

So kann man vom vierzehnten Jahre an eine sehr ernstc

und strenge Beschäftigung eintreten lassen, deren

Nachtheile von deutschen Schriftstellern übertrieben

worden sind. Bei der gegenwärtigen Organisation un

serer Gymnasien sollte man die Knaben nicht vor dem

zwölften Jahre in sie eintreten lassen; es ist gut, dass

Preussen den Eintritt wenigstens vor dem zehnten un

tersagt hat, möchte es nur strenger darauf halten, und

möchten ihm andere Staaten eben so streng folgen; Ref sieht aber leider, wie man sie schon im siebenten

und achten aufnimmt, dann sind sie im vierzehnten

welk, und betreten im neunzehnten die Universität

ohne Lust und Liebe zur Wissenschaft. Sect. IV.

Opinions of celebrated physicians respectingearlymen

tal Cultiration. Sect. V. Influence of mental Cultiva

tion and mental excitement in producing insanity, ner

vous affections and diseases of the heart. Sect. VI.

Remarks on moral education. Sect. VII. The cultiva

tion of the mind at a proper time of life, not injurious but beneficial to health. Sect. VIII. Influence of mental Cultivation in producing dyspepsia in literary men, Die angehängte tabellarische Uebersicht des Alters ausgezeichneter Gelehrten ist zu unvollständig und nichts beweisend. Heusinger.

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