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Schulterpunkten der Bastione, um die Ravelinspitze im Rücken zu nehmen, und Wurffeuer auf die Capitaie des Bastions zu liefern. – Für den letztern Zweck bedarf es keiner bedeckten Geschützstände; der Mörserschemmel wird nicht so leicht durch die umherfliegenden Bombenstücke beschädiget, wie die Kanonenlaffete, deren Bedeckung zu einer guten Vertheidigung nothwendig ist. Wegen des Pulverdampfes ist überall nicht zu sorgen (S. 64); die Artilleristen sind desselben gewohnt, er ist bei trübem Wetter oft im freien Felde eben so dicht, als in den Kasematten, wo die Zugluft ihn immer bald wieder vertreibt. Sobald es auf eine dauernde Geschützevertheidigung gegen die feindlichen zweiten Batterien ankommt, ist es eine unerlässliche Bedingung, seine Kanonen durch bombenfreie Decken gegen die Wurffeuer zu schützen. Bringen sie dann 2 gegen 1, oder auch nur 3 Zwölfpfünder gegen 2 feindliche Kanonen ins Feuer, werden sie unbezweifelt dieselben zum Schweigen bringen, wenn es auch wider Erwarten nicht gelingen sollte, den Bau und die Armirung der seindlichen Batterie gänzlich zu hindern.

Merkes, ein verdienter holländischer Ingenieur, nimmt die erste Anwendung des Grundsatzes (1822 bis 25) in Anspruch: dass man Erdbrustwehren als ganz unabhängig von dem Zuge der Escarpenmauer ansehen kann, sobald nur der Fuss der letzteren und ihr Graben von dem Hauptwalle gehörig bestrichen ist. Wie sich von diesem Satze ein sehr vortheilhafter Gebrauch machen lässt, hat Hr. M. in seinem 1836 in holländischer Sprache erschienenen Werke: Allgemeine Uebersicht der Fortschritte und des gegenwärtigen Zustandes der permanenten Befestigungskunst. 8. gezeiget.

Die Uebersetzung ist gut gerathen; auch Druck und Papier verdienen einer günstigen Erwähnung.

EssEN, (gedr. u. in Comm.) b. Bädecker: Versuch einer Anweisung zu den praktischen Belagerungsarbeiten. Von IIeinrich von Forell, K. Preuss. Ingenieur-Offizier a. D. 1837. XVIII u. 304 S. 8. Mit 14 lithogr. Zeichnungen. (2 Rthlr.)

Der Vf., durch die Abgabe des linken Rheinufers an Frankreich 1810 gezwungen den preuss. Dienst zu verlassen, hat seitdem im Civildienst gelebt, und

zwar seit der Zurückgabe der Rheinprovinzen als

Steuereinnehmer erst in Mühlheim, dann in Crefeld. Seine zerrüttete Gesundheit hinderte ihn: 1814 einzutreten, so dass er nach eignem Geständniss keine

andern Erfahrungen sammeln konnte, als früher bei seiner Ausbildung in der Ingenieur-Schule zu Potsdam, und bei der unbedeutenden Vertheidigung von Schweidnitz 1807. Neues darf man daher nicht hier zu finden erwarten, um so mehr, als die neueren Schriften über den Belagerungskrieg von Wenzel, Hoyer, Aster, Blesson, Sonntag, Düfour und Villeneuve, so wie die Geschichte der letztern Belagerungen in Spanien und Frankreich 1810 bis 1815 dem Vf. nicht bekannt geworden zu seyn scheinen. Er beschäftiget sich fast ausschliessend mit dem Sappiren, und erwähnt der übrigen, bei einer Belagerung vorkommenden Arbeiten nur nebenbei. Die Ueberschriften der Kapitel sind demnach: 1) Form der Sappe, und das Profil jeder Art derselben. 2) Materialien zum Sappenbau, und die zu ihrer Verfertigung dienenden Geräthschaften. 3) Die wirkliche Anfertigung der Materialien. 4) Utensilien zum Sappiren: das unter dieser Benennung begriffene Schanzzeug und Minirgeräthe wird hier nach seiner Beschaffenheit und nach seinen gewöhnlichern Maassen beschrieben, und findet sich auf der zugehörigen Kupfertafel dargestellt. 5) Organisirung und Bewaffnung der Sappeure; zugleich wird ihrer Bezahlung bei dem französischen Heere und ihrer Ausrüstung mit einem Brustharnisch und einer Sturmhaube erwähnt. 6) Anweisung zur praktischen Sappenarbeit und zum Sappen-Manöuver. Obgleich die Bestimmung der Richtung der ersten Parallele durch Feuer seit Le Febvre von mehreren empfohlen wird, ist es doch in den neuen Belagerungen, und mit Recht! unterlassen worden, man hat es vorgezogen: jene Richtung durch eine Schnure zu bezeichnen, wodurch auch der Gebrauch der Faschinen zu diesem Behuf entbehrlich wird. Einen hellen Stern am Himmel zu wählen (S. 101) würde durchaus unausführbar seyn! Man vergleiche Blesson (Beitrag Sur Geschichte des Festungskrieges 1815 in Frankreich) hierüber, in Absicht der von ihm gemachten Erfahrungen. 7) Arbeiten, welche gegen das Ende der Belagerung vorkommen. Diese sind: a) die mit Blendrähmen verfertigte, bedeckte Sappe; unter jeder Bedingung würden in solchem Falle starke Mauerböcke aus 7““ hohen Hölzern bessern Widerstand leisten, als die leicht zerbrechlichen Blendrähmen. b) Die Transchee – Kavaliere, die nach der gewöhmlichen Art für unausführbar erklärt werden, daher sie auch in Praxi nicht mehr statt finden, weil man ohnehin mehrentheils genöthigt ist, gegen das Blockhaus im eingehenden Winkel ein paar Geschütze aufzustellen. c) Das Couronnement auf dem Glacis d) Die Absteigung in den Graben, als bedeckte Sappe mit Blendrahmen, oder auch als Minengallerie absteigend geführt, wo besonders das Durchbrechen der Futtermauer an der Contrescarpe ausführlich abgehandelt wird, ohne doch des kürzeren Mittels zu erwähnen: die Mauer durch eine Schachtmine in den Graben zu werfen. e) Der Damm oder die Brücke, um über einen Wassergraben zu kommen, nach Cormontaingne, mit einigen praktischen Erläuterungen. Bei fliessendem Wasser werden stromrecht gelegte Schanzkörbe empfohlen, durch welche das Wasser ungehindert abfliessen kann. Die Preussen hatten während der Blokade von Charlemont 2 solcher Brücken 1815 über die Maas erbauet, die eine aber in der Mitte durch Böcke und übergelegte Balken vereiniget. Unter den übrigen, vom Vf, erwähnten schwimmenden Brücken dürften die von Flössen oder die leichten Russischen aus Holz und Korkrinde vielleicht die einzigen anwendbaren seyn: denn die schon von Saint-Remy vorgeschlagenen Fassbrücken haben zu wenig Standfestigkeit, und die Fässer werden zu leicht von den Flintenkugeln durchlöchert. Uebrigens muss eine solche Brücke so fest gebaut seyn, dass sie auch leichtes Geschütz tragen kann; sie würde ausserdem nicht dem Uebergange einer Sturmkolonne Widerstand leisten können. Hier können die Leute nicht einzeln und mit Vorsicht übergehen wo es darauf ankommt, in Masse und schnell auf den Wallbruch zu gelangen. Die Russischen leinwandenen Pontons aber sind ganz unbrauchbar dazu. – 8) Einiges über den Batteriebau. Nur im Allgemeinen und unbedeutend. In einem durchaus praktischen Werke sollte das Detail der Arbeit des Faschinirers nicht fehlen: das Verankern der Wände u. s. w., wo sich die bei den Franzosen und Sachsen übliche Art durch Weden und längere Pfähle (Aster, vom Festungskriege. 3te Ausg. S. 62. 66 folg.) und die Verp/ähiung als sehr brauchbar und hinreichend fest erweist. – 9) Mittel, die bei dem Sappiren vorkommenden Schwierigkeiten des Terrains zu überwinden und Reparatur der Sappen. Jene Schwierigkeiten bestehen in einem sehr sandigen, sehr felsigen oder auch in einem sehr nassen Boden. Die etwanige Abhülfe wird nur kurz angegeben und die vorkommenden Reparaturen ergeben sich von selbst aus der Natur der Sache. – Das Schlusskapitel 10) giebt unter der Benennung: Sappentaktik, die Richtung der Laufgräben an, durch welche die Parallelen unter einander und mit dem rückwärts liegenden Materialien – Depot verbunden werden. Nachdem der

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Vf. über die verschiedene Bedeutung der Wörter Tranchée und Laufgraben gesprochen und von der Lage der letzteren (der Boyaux ) gehandelt, damit keine Enfilade Statt finden kann, wird ihre Länge bestimmt und durch eine Figur versinnlichet. Seitdem man jedoch angefangen hat, den vorspringenden Winkel der Festungswerke abzustumpfen, muss man nothwendig auch diese Veränderung mit in Betracht ziehen um den Annäherungslinien eine richtige und gesicherte Lage zu geben.

MAGDEBURG, b. Bühler: Umriss einer pragmatischen Geschichte des Kriegswesens im Herzogthum Braunschweig, von der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts bis Sur gegenwärtigen Zeit, ausgearbeitet von einem Herzogl. Braunschweigischen Offiziere. Herausgegeben von Dr. Carl Venturini. M. d. Motto: Scribitur ad narrandum, non ad probandum. 1837. IV u. 264 S. 8. (1 Rthlr. 12 gGr.) Von einem militairischen Freunde zur Durchsicht und Herausgabe der von ihm zusammen getragenen Stammliste der Braunschweigischen Truppen aufgefordert, die zugleich die gedrängte Geschichte der letzteren seit dem Jahre 1550 enthält, glaubte der Herausgeber derselben als Anhang die Geschichte der beiden Zeughäuser zu Braunschweig und Wolfenbüttel, so wie die Bildung einer Bürgergarde hinzufügen zu müssen, um das Bedürfniss (?) einer genügenden pragmatischen Uebersicht des Gegenstandes zu befriedigen. Das Ganze hat jedoch dadurch blos ein vermehrtes Local – Interesse bekommen, das in Hinsicht der Stammliste nur durch den Antheil allgemeiner wird, welchen das Braunschweigische Korps an den letzteren Kriegen, seit dem Jahre 1809, und vorzüglich an der, so viel besprochenen, Schlacht bei Belle Alliance nahm. Schon im Jahre 1675 findet sich ein völlig organisirtes Korps Braunschweigische Truppen von 6132 Mann zu Fuss und 2268 Pferden ohne die Garden, unter dem Befehl des Prinzen von Holstein Plön (nicht Plör S. 22. 24. 25) in den Feldzügen am Rheine, 1685 in Morea und 1689 bei der Belagerung von Mainz. Während des siebenjährigen Krieges fochten sie unter ihrem nachherigen Regenten, dem Erbprinzen Karl Wilhelm Ferdinand, der nach mancher ausgeführten glücklichen Waffenthat endlich in der für Preussen unglücklichen Doppel–Schlacht bei Jena und Auerstädt 1806 verwundet, in Ottensen bei Hamburg starbVorher hatten die Braunschweiger, 4300 Mann, im

englischen Solde, gegen die abgefallenen Nordamerikaner gefochten, wo ein Theil von ihnen mit ihrem General Riedesel am 17. October 1777 bei Saratoga durch Bourgoynes fehlerhaftes Zaudern in amerikansche Gefangenschaft gerieth. 1783 nach dem Frieden nach Europa zurück gekommen, bildeten 3000 Mann im holländischen Sold von 1788 bis 1794 die Besatzung von Mastricht, und wurden im März 1794 vergebens bombardiret. Als im Jahre 1807 das Königreich Westphalen gebildet ward, sah sich auch IIerzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig des kaum ererbten Landes beraubt, und die aus demselben ausgehobenen jungen Mannschaften der westphälischen Armee einverleibt, deren Begebenheiten S. 75–88 bis zu ihrer Auflösung 1813 übersichtlich erzählt werden. S. 89 folg. wird von der Formirung eines neuen Truppencorps durch den Herzog Friedrich Wilhelm von 2000 Mann Nachricht gegeben, das 1809 sich an der sächsischen Grenze zusammen zog, und in Verbindung mit den Oesterreichern den Einfall in Sachsen machte; nach Vertreibung der Oesterreicher aus Dresden aber sich von diesen trennte, während des Waffenstillestandes nach der Schlacht bei Wagram, durch Sachsen über Leipzig, Halberstadt und Braunschweig nach Elsfleth an der Weser zog und sich daselbst nach England einschiffte. Hier ward von dem Corps ein leichtes Infanterie-Regiment und ein Husaren-Regiment wieder organisirt und focht nachher 1810 bis 1815 unter Wellington in Spanien, von wo es im Juli nach Braunschweig zurück kehrte, aber nach kurzer Ruhe im April 1815 wegen Napoleons Rückkehr aus Elba, unter des Herzogs eignem Befehl, 6795 Mann stark wieder ins Feld zur Englisch – Holländischen Armee rückte. Es bestand jetzt aus: 1 Avantgarde-Bataillon, von 2 Kompagnien Jäger 2 Kompagnien leichter Infanterie 672 Mann, k Regiment von 6 Schwadronen Husaren, 2 Schwadronen Uhlanen; zusammen 1022 Pferde, 4 Bataillone leichte Infanterie, 2692 Mann, 3 Bataillone Linien – Infanterie, 2020 Mann, 2 Batterien mit 16 Geschützen, 460 Mann. Bei seiner Ankunft in den Niederlanden ward es in die Gegend von Brüssel verlegt, und bekam am 15. Juni Abends spät die Ordre: sich mit Anbruch des folgenden Tages bei Brüssel zu versammeln. Die bis auf 4 Stunden weite Entfernung der Quartiere war jedoch Ursache, dass selbst um 6 Uhr Morgens noch nicht alle Truppen versammelt waren, auch die beiden

Batterieen noch fehlten, als das Corps nach Quattrebras abmarschirte. Es langte hier um 3 Uhr an und nahm augenblicklich Theil an dem Gefechte. das sich für die Verbündeten nachtheilig zu gestalten schien. Nachdem die Truppen über eine Stunde im heftigsten feindlichen Feuer gestanden und viel verloren, wurden sie durch die Uebermacht zum Rückzuge gezwungen. Bei diesem ging das Leibbataillon über die Felder links von Quattrebras, und der Herzog, der sich bei ihm befand, ward mit einer Flintenkugel von der rechten nach der linken Seite durch den Leib geschossen, von einigen Leuten seines Leibbataillons aufgehoben, und in die nahe stehenden Häuser von la Baraque getragen, wo ihn jedoch der herbeigekommene Stabsarzt völlig entseelt fand. Die Ankunft neuer Verstärkungen entschied endlich das Treffen zum Vortheil der Engländer, die nach fast 17stündigem Marsch und Kampf das Schlachtfeld behaupteten. Das Braunschweigische Corps hatte ausser seinem Herzog 5 todte und 21 verwundete Offiziere und 609 Soldaten verloren; 200 Vermisste ungerechnet. In der darauf folgenden Schlacht bei Waterloo standen die Braunschweiger in der Mitte der ersten Linie hinter dem Meierhofe von Houguemont, in Massen, um sogleich Quarrées zu formiren, hinter die sich die Bedienung der, vor der Fronte stehenden Geschütze bei den wiederholten Angriffen der französischen Kürassiere rettete. Weil diese durch das mörderische Infanteriefeuer zu halten bewogen ward, gingen die Bataillone mit dem Bajonnet auf sie los und trieben sie zurück. Dieselben Bataillone rückten nachher mit 2 englischen Regimentern der angreifenden feindlichen Infanterie entgegen, und kämpfte hier wie in dem Park von Houguemont mit abwechselndem Glück gegen dieselbe, bis endlich die Ankunft der Preussen die Schlacht entschied, weil gleichzeitig die in Unordnung gekommenen Bataillone sich wieder formiret hatten und gemeinschaftlich mit der Nassauischen und einer Niederländischen Brigade, wie bald darauf die ganze Linie, gegen die Franzosen avancirten. Das braunschweigische Corps hatte in dieser letzten

Schlacht wieder 7 Offiziere und 147 Soldaten todt,

und 26 Offiziere und 430 Soldaten verwundet. Nach dem Frieden ward das active Corps auf 1870 Mann festgestellt, mit einer Reserve-Brigade von 4090 Mann, die blos Sonntags zum Exerzieren Zusammen gezogen ward. Nachrichten von der Institution der Denkmünze, So wie die oben erwähnten 2 Anhänge des Herausgebers machen den Schluss des Werkes.

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De Art und Weise dieses exegetischen Handbuches, welches Hr. Dr. de Wette mit Herausgabe seiner kurzen Erklärung des Briefs an die Römer begann, und von welchem der vorliegende Commentar über die 4 Evangelien, sowie über die Briefe des Apostels Johannes den ersten Band ausmachen, kann bereits als bekannt vorausgesetzt werden. Es sind darin die Resultate der bisherigen Exegese kurz zusammengestellt, eben so kurz nach ihrem Werth und Unwerth bezeichnet, wobei jedoch nicht unterlassen wird, bei Stellen von besonders streitiger Auslegung die Gründe pro et contra vollständiger anzugeben, und ergänzt oder bestätigt durch die eigne Meinung des Herausgebers. Man kann sagen: es lässt sich darin ein Mann von Geist und Gelehrsamkeit vernehmen, der über das, was er in den Arbeiten seiner Vorgänger gefunden, urtheilend referirt und hinzufügt, was sich ihm selbst in Folge fortgesetzter Studien als Ueberzeugung oder Muthmassung ergeben hat, ohne dass er uns darum nöthigen will, den weiten und mühsamen Weg, den er, um zu seinem Ziele zu gelangen, durchwandern musste, noch einmal mit ihm zurück zu legen. Bestimmt hat er dieses Werk den angehenden Exegeten, so wie denen, welche mit der so fruchtbaren neueren exegetischen Literatur nicht Schritt halten können. Er hofft überdies, dass auch der Gelehrte vom Fach sich gern einmal bei einer solchen Kürze erholen werde. Ergänz. Bl. zur A. L. Z. 1840.

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Nimmt man diesen ausdrücklich angegebenen Zweck zum Maassstab, um die gewählte Form und das darin Dargebotene zu würdigen: so kann man sich freilich gleich von vorn herein zu manchen Ausstellungen veranlasst fühlen, namentlich in sofern, als dieses Buch vorzugsweise den Anfängern in der Exegese dienen soll. Doch darüber haben schon Andere hin und wieder ihr Bedenken geäussert und wir wollen nur einfach bemerken, dass Hr. Dr. de Wette vielleicht besser unter denen, für die er schrieb, jene Klasse vorangestellt hätte, welche er als solche bezeichnet, die mit der neueren exegetischen Literatur nicht Schritt halten können. Dahin dürften vornehmlich alle Theologen gehören, welche ein auf das Praktische gerichtetes Leben mehr oder weniger von den Studien abzieht, so dass sie denselben nur ihre Mussestunden widmen können oder nur dann zu ihnen zurückkehren, wenn ein augenblickliches praktisches Bedürfniss sie dazu nöthigt; wie dies namentlich bei dem Prediger oder Candidaten der Fall ist, der sich mit der Exegese vorzugsweise zu homiletischen oder katechetischen Zwecken beschäftigt. Einem solchen ist es gewiss ganz erwünscht, wenn er sich über jeden Abschnitt der Schrift, der ihn eben anzieht, schnell bei einem Kundigen Raths erholen kann oder auch nur Gelegenheit findet, sich mit einem Ueberblicke dessen zu erinnern, was er darüber bereits sonst gehört oder gelesen hat. Mit Rücksicht auf diese Klasse von Lesern lässt sich daher auch nicht anders sagen, als dass Hr. Dr. de Wette etwas Zweckmässiges und Dankenswerthes unternommen hat, wie bereits durch die Erfahrung dürfte bestätigt seyn, wenn man dem Wege, den jenes Handbuch bei seiner Verbreitung genommen, näher nachspüren wollte. Kehren wir von diesen allgemeinen Vorbemerkungen zu demjenigen zurück, was insonderheit die drei hier zur Beurtheilung vorliegenden Bändchen bieten: so umfasst dasselbe theils neben der Kritik des Textes die eigentliche Exegese, d. h. die durch, Ec

IIülfe philologischer und historischer Kenntnisse, so wie durch Anordnung der allgemeinen Denkgesetze zu erreichende Reproduction des Sinnes der Evangelisten in ihren Ueberlieferungen, theils die historische Kritik, also das Urtheil nicht nur über den Ursprung und die Beschaffenheit der Evangelien, sofern sie als Geschichtsquellen betrachtet werden, sondern auch über die historische Bedeutung und Glaubwürdigkeit des darin enthaltenen Stosses.

Hinsichtlich der Texteskritik sey nur erwähnt, dass derselben eine hinlängliche Aufmerksamkeit gewidmet ist, was vorzüglich da hervortritt, wo, wie namentlich bei der Auslegung des Evangeliums Marci, oft wenig Veranlassung zu anderweitigen Bemerkungen gegeben war, wiewohl auch schon der Text dieses Evangelisten an sich vorzugsweise Gelegenheit zu kritischen Bemerkungen geben mochte. Der Lachmannische Text erfährt eine durchgängige Berücksichtigung. den Lesarten zu, die auch schon sonst durch bewährte Kritiker als die vorzüglicheren bezeichnet sind, ohne in gewagten Neuerungen oder in spitzfindiger Vertheidigung auffallender Seltsamkeiten Ruhm zu suchen.

Die Exegese nach ihrer grammatischen Seite geht von dem richtigen Grundsatze aus, dass man bei den heil. Schriftstellern nach ihrer ganzen Eigenthümlichkeit schon immer eine gewisse nachlässige Behandlung der Sprache erwarten dürfe und daher bei ihrer Ausegung die grammatischen Regeln nicht durchgehends Imit aller Schärfe und Strenge müsse anwenden wollen. Dogmatische und ethische Begriffe werden mit Geist entwickelt, wobei der Vf. fleissig auf die in andern Schriften von ihm gegebenen weiteren Ausführungen verweist, und eben in diesem Punkt möchte sich die Brauchbarkeit des Commentars für den praktischen Theologen besonders bemerklich machen. Wenigstens findet derselbe in Erörterungen und Nachweisungen dieser Art vieles, was ihn anregen und zu eigner Betrachtung behülflich seyn kann. Der innere Zusammenhang, zumal in den überlieferten Sprüchen und Reden, ist meist mit Sorgfalt entwickelt. Es kommen in dieser Hinsicht namentlich in der Erklärun 8

des Evangeliums Jqhannes Partieen vor, die Rec. in

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Das Urtheil neigt sich in der Regel

Wahrheit, der solchen Gedaffken und ihrer Ver"bindung unter einander zukommt, zu bestimmen. Bei allem Guten und Vortrefflichen jedoch, was der Commentar auf dem eigentlichen exegetischen Gebiete leistet, sind gewisse ihm anhaftende Fehler nicht so verkennen, die wir alle aus einer Art von Hast und Unruhe herleiten möchten, die den Vf, bei seiner Arbeit scheint begleitet zu haben. Wir rechnen dahin 1) dass die angestrebte Kürze mitunter zur Unbestimmtheit und Unklarheit führt, 2) dass anderswo zu rasch abgeurtheilt wird, wo alle Ursache zu längerem Bedenken vorhanden war, 3) dass eine ziemliche Anzahl von Stellen ganz unerledigt bleibt. Davon einige Beispiele. - " Stellen, wo das Bestreben im kleinsten Raum möglichst viel zu sagen, das Verständniss erschwert und auch den Geübteren, geschweige den Anfänger zuletzt über die eigentliche Meinung des Commentators, in Zweifel lässt, sind uns in ziemlicher Anzahl aufgestossen. Nur allein in dem über die Bergpredigt Bemerkten verweisen wir auf die Erörterungen des og ä» zävta vrat Matth. 5, 18, der qvax 5, 25f, des Ausspruches, dass Gott regnen lasse über Gerechte und Ungerechte 5,45, des va u kg 3 Fré 7,2 und des Sinnes von 7, 24–27. Die rechte Schärfe und Bestimmtheit der Erklärung scheint uns in folgenden Fällen zu mangeln: Matth. 1,19 wird ölxatog durch „fromm" erklärt, aber dies deutsche Wort bedarf selbst der weiteren Bestimmung; Ölkalog ist derjenige, der Gott fürchtet und wohlwollende Rücksicht auf andere Menschen nimmt und daher nicht nur dem Buchstaben, sondern auch dem Sinne des Gesetzes angemessen handelt, ein rechtlich oder billig Denkender, hier dem Sinne nach allerdings s. v. a. zgmtóg. Joh. 1, 1 08ög v ö öyog wird geflissentlich nicht genau bestimmt, weil der Evangelist selbst sich schwankend ausgedrückt habe. Allein es scheint sich doch recht wohl eine genauere Be-, stimmung geben zu lassen: der Logos war bei Gott, aber nicht als etwas Fremdes, sondern war selbst Gott, an Gottes Seyn und Wesen Theil nehmend und in so fern freilich mehr als Geiov und doch nicht ein Gott, auch nicht ö Osóg. Wenn es aber ebendaselbst bald hernach heisst qÖg scy Geistesklarheit und Reinheit oder äAvata sey die theoretische und praktische Wahrheit: so genügen diese allgemeinen und abstracten Bezeichnungen nicht, cinen festen, anschaulichen Begriff zu geben. Joh. 1, 5 soll oxorla nicht s. v. a. o oxottouévot, aber doch = xóouog seyn. Hier sieht man keinen rechten Unterschied, eher wenn oxotia in téstr. als das Dunkel, die Unwissen

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