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gebenen Zeilen (S. I–XX) folgen: I. die Zürbelkiefer oder Arve, eine (recht gelungene R.) Monographie vom Hn. Forstjunker v. Schultes S. 1–21. Wenn jedoch gleich im Anfange dieser Abhandlung (S.2. Not. *), welcher manchem Leser wohl zu gelehrt scheinen dürfte, aber deshalb nicht vom Fortlesen zurückschrecken darf, gesagt wird: »dass übrigens die Zürbelkiefer die einzige ihrer Art ist, welche essbare Nüsschen trägt, wird nicht in Zweifel gezogen werden;" so übersah der Vf, die Pinie (pinus pinea), deren Früchte, oder vielmehr Samen, ebenfalls gegessen werden, wie allgemein bekannt ist. – II. Patriotische Phantasien eines Forstmannes [1) Ueber den Abstand der wahren Forstwirthschaft von der wirklichen, nebst Erörterung der Frage, warum der Waldbau noch immer nicht an die Stelle der Holzzucht trete? 2) Ein Wort über Forstsicherung in höherer Bedeutung. 3) Sollte es nicht zweckmässig seyn, die Eisenwerke, welche zur Zeit des Holzüberflusses in verschiedenen Gegenden Deutschlands entstanden sind, nunmehr aufzuheben? 4) Sollte man nicht ernstlicher dahin wirken, dass durch leichtere Vertheilung des Waldprodukts Holzmangel und Holzüberfluss ausgeglichen werden?] S. 22–62 beschäftigen sich, wie schon diese Inhaltsanzeige beweisst, mit Fragen, welche gerade in der jetzigen Zeit von der grössten Wichtigkeit und deshalb gewiss von allgemeinem Interesse sind, und enthalten viele, sehr beachtenswerthe Winke, Wünsche, Vorschläge u. s. w., würden aber ohne Zweifel noch weit mehr Eindruck machen, wenn der Vf, nicht hie und da allzu weit ausholte und sich nicht zuweilen im Eifer für seinen Gegenstand zu Uebertreibungen hinreissen liesse. Zu Nr.2 kann übrigens Rec. die Versicherung ertheilen, dass die Wünsche des Vfs. in manchen deutschen Staaten bereits verwirklicht sind. – Zu Nr. 3 kann er die Bemerkung nicht unterdrücken, dass die früher unter andern Verhältnissen entstandenen Eisenwerke meist mit dem ganzen Leben und Treiben eines grossen Theils der Bevölkerung solcher Gegenden in so inniger Verbindung stehen, dass das Aufheben derselben in den meisten Fällen schon aus diesem Grunde nicht rathsam seyn dürfte, ganz abgesehen davon, dass sehr oft rein privatrechtliche Verhältnisse die Aufhebung derselben fast unmöglich machen. Auch hält Rec. die Gefahr des Holzmangels noch nicht für so gross wie sie häufig angesehen wird und findet die Beweise für seine Ansicht darin, dass in den meisten

ihm bekannten Gegenden noch eine wahre Holzverschwendung herrscht, sowohl in Beziehung auf den

allgemeinen und täglichen Bedarf (theils durch wah

ren Missbrauch, theils durch die meist schlecht eingerichteten Kochheerde, Stuben – und Backofen u. s. w.), als in Beziehung auf die eigentlich Holz verzehrenden Gewerbe, namentlich Eisenhütten, Glashütten, Ziegel- und Kalkbrennereien u. s. w., deren Einrichtungen z. B. am Thüringer Walde meist sehr unvollkommen und mangelhaft sind. Verbesserungen in dieser Hinsicht, so wie Einführung und Beförderung des Gebrauchs anderer Brennmaterialien (des Torfs, der Stein – und Braunkohlen), die noch in vielen Gegenden ungenutzt vorhanden sind, oder doch nur wenn sie ausserordentlich billig oder von ausgezeichneter Güte sind, Abnehmer finden, sind, nach des Rec. Urtheil, die nächsten Aufgaben der Staatsregierungen und aller, welche sich für das Gemeinwohl interessiren, deren Lösung aber gewiss die hier vorgeschlagene Au hebung unserer Eisenhütten, deren Produkte uns täglich nothwendiger und unentbehrlicher werden und die unseren Bedarf noch bei weitem nicht decken, gewiss noch auf lange Zeiten hinaus unnöthig machen. – Mit Nr. 4 ist Rec. vollkommen einverstanden und empfiehlt diese Vorschläge und Wünsche des Vfs. zu möglichst allgemeiner Beherzigung. – III. Das Fichtelgebirge in Beziehung seiner forstlichen Verhältnisse zum Gewerbswesen, von Hu. Kreisforstinspector v. Greyerz in Baireuth S. 63–94 – ein Beitrag, wofür gewiss alle Leser dem verdienten Vf, ihren Dank zollen und mit dem Rec. wünschen werden, dass er auch die folgenden Jahrgänge durch ähnliche Beiträge bereichern möge. – IV. Auszug aus einem Schreiben des K. G. Rittmeisters v. Mellish in Ostindien an den Herausgeber, über die dortige Jagdtechnik, insbesondere über Tigerjagden S. 95–107. – V. Ueber die Abnahme des Hochwildes auf dem Thüringer Walde und die natürlichsten Mittel, den gänzlichen Verfall der Wildbahn und manche hieraus entspringende wesentliche Nachtheile abzuwenden S. 108 – 126. Die hier geäusserten Besorgnisse und darauf gegründeten Vorschläge des Vfs. dürften von manchen Lesern, welche den Zustand der Wildbahn im Herzogthum Gotha-Coburg – dem Vaterlande des Vfs. – kennen, für Ironie gehalten werden, scheinen aber wirklich ernstlich gemeint zu seyn. – (Der Beschluss folgt.)

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ALL GE M E IN EN IL I TE RA TUR – ZEITUNG

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WEIMAR, b. Voigt : Neues Taschenbuch für Natur-, Forst und Jagdfreunde auf das Jahr 1839. Herausgegeben von G. von Schultes u. s. w.

( Beschluss von Nr. 24. )

VI. WWo können Fichtenreviere, ohne wesentliche Störung der Forstbenutzung und des Gewerbewesens, von ihren gefährlichen Feinden befreit werden? Ein Beitrag zur Naturgeschichte der Borkenkäfer S. 127 bis 143, wo Rec. unter den gegen die Insecten vorgeschlagenen Mitteln dasjenige vermisst, was er gern 7mit Bechstein an die Spitze von allen stellen möchte: „das Hegen der natürlichen Feinde, namentlich der insectenfressenden Vögel aller Art.” So lange diese, wie es leider in vielen Gegenden, namentlich auch in vielen Gegenden des Thüringer Waldes der Fall ist, al– len Forderungen der berühmtesten Lehrer der Forstinsectenkunde zum Trotz, ja selbst oft ausdrücklichen Verordnungen zuwider, fortwährend auf die verschiedenste Weise verfolgt werden, ja die Forstleute selbst nicht selten zu diesen Verfolgern gehören, oder doch denselben nicht strenge genug begegnen, darf man sich nicht wundern, wenn die von ihren gefährlichsten Feinden befreiten Insecten sich weit mehr vermehren, als den Wäldern und überhaupt unseren Cultur – Gewächsen zuträglich ist, und wenn alle künstlichen Mittel, über deren schwierige, nicht selten unmögliche, in den meisten Fällen aber von geringem Erfolge begleitete Anwendung unter den praktischen Forstwirthen nur eine Stimme ist, nicht ausreichen. Rec. sucht den Grund, weshalb in den Jahren 1838 und 1839 in so manchen ihm bekannten Gegenden Insecten der verschiedensten Arten in ungewöhnlich grosser, Anzahl erschienen sind (in Uebereinstimmung mit alten erfahrenen Forstleuten) vorzüglich darin, dass durch mehrere sehr ungünstige Frühjahre – besonErgänz. B. zur A. L. Z. 1840.

belehrende Bemerkung. –

ders durch den grossen Schneefall im April 1837 – eine so grosse Zahl von Vögeln umkam, dass die auf

fallende Verminderung dieser munteren Waldbewoh

ner wohl keinem Forstmanne entgangen ist, und er wünscht, dass dieser von der Natur selbst gegebene Wink von allen, die es angeht, beachtet werden, und eine stengere Hege dieser nützlichen Thiere davon die Folge seyn möge. – VII. Beiträge zur Forst – und Jagd- Chronik der Jahre 1835, 1836 und 1837, mit besonderer Rücksicht auf den Thüringer Wald S. 144 bis 151. – VIII. Das Gasteiner Thal S. 152–163. – IX. K. Stülpner der Freijäger im Erzgebirge S. 164– 170. – X. Die Hieselfänger. Anekdote aus dem Leben des bairischen Hiesel S. 171 – 172. – XI. Nachrichten über die gangbaren Preise der Jagdgewehre u. s. w. in den Thüringer Gewehrfabriken S. 173 – 179. – XII. Die Sage vom Gemsenjäger (nach Al. Dumas) S. 180–183. – XIII. Döbel als Polemiker S. 184–185. – XIV. Der bestrafte Jäger u. s. w. Eine scherzhafte Erzählung nach einem Gemälde des P. Potter S. 186–216. – XV. Gedichte S. 217 222. – Die Aufsätze VII–XV sind (XI etwa ausgenommen) mehr auf Unterhaltung berechnet, enthalten aber hier und da manche recht schätzbare und Sämmtliche Aufsätze, wobei in der hier gegebenen Uebersicht der Vf, nicht ausdrücklich genannt wurde, sind vom Herausgeber selbst, und durch diesen Mangel an Theilnahme wird es auch einigermassen entschuldigt, wenn hier unter Nr. VI ein Aufsatz nochmals erscheint, den wohl die meisten Leser schon früher (in Wedekinds Jahrb. Hst. XII, wie jedoch vom Vf, ausdrücklich S. 127 in der Note bemerkt wird) gelesen und resp. bezahlt haben. – Recht sehr wäre zu wünschen, dass der Vf. von tüchtigen, praktischen Forstmännern aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands mehr wie bisher unterstützt würde. Es würde dadurch die zu hoffende Fortsetzung dieses Werkchens an Vielseitigkeit B b

und Interesse gewinnen und so die Fortdauer dieses Unternehmens gesichert werden, welche um so wünschenswerther ist, als es vor der meisten auf belehrende Unterhaltung der Forst – und vorzüglich der Jagdfreunde berechneten Tagesliteratur entschiedene und unverkennbare Vorzüge hat. – Ausser mehreren eigenthümlichen oder doch ungewöhnlichen Ausdrücken, die in dem Buche vorkommen, wie:

Alpungen S. 15, Pecunialertrag S. 112, den Kartoffel

S. 60 (immerndem S. 14 ist wohl nur ein Druckfehler) u s. w., bemerkt Rec., dass auch hier, wie in manchen anderen Schriften über Forst – und Jagdwesen, stets Waidmann geschrieben wird, was wohl ohne Zweifel unrichtig ist, da dass Wort nicht von Waid (Isatis tinctoria), sondern offenbar von derselben Wurzel abgeleitet werden muss, wovon die Worte Eingeweide, ausweiden (daher Weidmesser u. s. w.) abstammen. – Ausser den berichtigten Druckfehlern sind noch manche stehen geblieben, wie z. B. S. 68 Fluss st. Fuss; S. 86 Samensiebe; S. 160 uns st. aus; S. 187 ihm st. ihn u. s. w. Uçbrigens ist die Ausstattung weit besser als bei dem vorigen Jahrgange, erscheint aber – verglichen mit anderen Taschenbüchern – noch immer dürftig und auch dem Preise (1 Rthlr. 6 gGr. für 9 Bogen und 6 Küpferchern, von welchen die Kritik am Besten ganz schweigt) nicht entsprechend. Nach des Rec. Meinung konnte der Versuch, dieses Missverhältniss auf die eine oder andere Weise auszugleichen, dem Unternehmen nur vortheilhaft seyn.. R.

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die Geschichte genau erforscht und sich keine Abweichungen gestattet hat, so dass also Stoff und Einkleidung in der schönsten Harmonie stehen. Unter diesen poetischen Gemälden nennen wir vorzugsweise den Eintritt Girolamo Savonarola's ins Kloster, die“ Weihnacht mit der glaubensvollen Predigt, den Tod Lorenzo's von Medici, das Gelage, die Tortur, die Pest in Florenz und den Tod Savonarola's. Aber auch alle andern Abschnitte sind reich an poetischer Auffassung, an glücklichen Bildern und glänzenden Schilderungen. Dass Hr. Lenau seinen Helden Savonarola nennt und nicht Savanarola, wie die neuesten Forschungen wollen, wird der Schönheit des Gedichtes keinen Eintrag thun.

. MANNHEIM, b. Hoff: Psyche. Episches Gedicht in drei Gesängen von Ado Schütt. 1836. 252 S. 8. (1 Rthlr. 8 gGr.)

Der uns unbekannte Dichter führt uns in ein Gebiet der Dichtung, das bereits seit einer Reihe von Jahren verlassen ist und in welchem man nur Strohblumen finden zu können glaubte – eine welke Pracht ohne Duft, in die altgriechische Mythenwelt, und siehe es ist seiner melodischen Lyra gelungen, ihr Farbenglanz und hesperischen Geruch zu erneuen, und die Phantasie ergeht sich gern in diesen blumigen Gefilden. In wohlgebauten achtzeiligen fünffüssigen jambischen Strophen, die nur in den süddeutschen Reimen mit harten und weichen Consonanten zuweilen ein feines Ohr verletzen, erzählt er uns anmuthig die bekannte Fabel, ohne sie, wie gewöhnlich, als Allegorie zu behandeln. – Ein Prolog in sechsfüssigen gereimten Jamben mit etwas schweren Anapästen, die oft einen Kleist'schen Hexameter bilden, – so wie überhaupt der Einfluss unserer Dichter der früheren Periode, eines Kleist, Wieland, Schiller unverkennbar ist, welches uns fast auf die Vermuthung führen könnte, dass wir einen Dichter von reiferm Alter hier finden, – feiert den göttlichen Gemahl der Heldin des Gedichtes, und ein hexametrischer Weihgesang fleht die Musen um Beistand. – Die erste Strophe des ersten Gesanges weiht die Dichtung den »holden Jungfrauen in Tuiskons Flur," und sinnig und dichterisch führt der Dichter sie in Paphos schattenreichen Hain, wo die Priesterin Selida ihm mit weihlichem Zartgefühl ohne Prüderie die schöne Mythe berichtet, wie sie für Tuiskons keusche Jungfrauen sich eignet. – Ob diese aber in den mythischen Gefilden so zu IIause sind, dass sie sich in den vielen

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BERLIN, b. Duncker u. Humblot: Gedichte von Joseph Freiherrn von Eichendorff. 1837. XII u. 482 S. 8. (2 Rthlr. 18 gGr.)

Herr von Eichendorff hat als Novellist besonders Anerkennung verdient in seinem »Aus dem Leben eines Taugenichts" und auch als romantischer Lyriker durch mehrere seiner zerstreuten Gedichte, von denen einige der schönsten in Anthologien übergegangen und eine Zierde des deutschen Liederschatzes sind, wie vorzüglich das bekannte und in Musik gesetzte, „In eines Thales Grunde u. s. w.,” in welchem der Ton des Volksliedes so glücklich getroffen ist, und das »Morgengebet,“ welches wir hier als Beleg verdienter Anerkennung mittheilen:

Morgengebet.

O wunderbares, tiefes Schweigen, Wie einsam ist's noch auf der Welt! Die Wälder nur sich leise neigen, Als ging der Herr durch's stille Feld.

Ich fühl' mich recht wie neugeschaffen, Wo ist die Sorge nun und Noth? Was mich noch gestern wollt' erschlaffen, Ich schäm' mich dess im Morgenroth.

Die Welt mit ihrem Gram? Und Glücke Will ich, ein Pilger froh bereit, Betreten nur Wie eine Brücke Zu Dir, Herr! über'n Strom der Zeit.

Und buhlt mein Lied, auf Weltgunst lauernd, Um schnöden Sold der Eitelkeit: Zerschlag' mein Saitenspiel und schauernd Schweig' ich vor Dir in Ewigkeit.

Dieser Dichter beschenkt uns nun mit dieser Sammlung seiner Gedichte, die er in sieben Rubriken getheilt hat: Wanderlieder, Sängerleben, Zeitleder, Frühling und Liebe, Todtenopfer, Geistliche Gedichte, Romanzen. – Jede dieser Rubriken enthält mehrere gelungene, ansprechende, wenige sich auszeichnende, ergreifende Lieder, und manche unbedeutende und unklare und voll Härten, oft wahre Knittelverse und vernachlässigte Reime, was uns bei einem solchen sonst so geschmackvollen und gebildeten Dichter überrascht hat. Den meisten merkt man Vorbild und Zeit an; alle haben aber die gleiche Stimmung, wo- durch diese Sammlung sehr monoton wird. Unter den geistlichen Liedern, zu denen auch das obige » Morgengebet” gehört, finden sich manche, die doch nur sehr uneigentlich zu dieser Bezeichnung passen dürften, wie gleich das erste: ,, Götterdämmerung," in welchem Bacchus gefeiert wird, und das folgende

scheint uns an einem schiefen Gedanken zu leiden, wie sich diess bei mehreren findet:

Der Soldat.

Und wenn es einst dunkelt,

Der Erd' bin ich satt,

Durch's Abendroth funkelt

Eine prächt'ge Stadt:

Von den goldenen Thürmen,

Singet der Chor,

Wir aber stürmen

Das himmlische Th0r. Um nicht mit einem Tadel von dem Dichter zu scheiden und ihm undankbar für seine Gabe, die des Bes– sern nicht wenig enthält, zu erscheinen, mag folgendes kurze Gedicht aus der Rubrik Sängerleben diese Anzeige beschliessen:

Hippogryph.

Das ist das Flügelpferd mit Silberschellen,

Das heitere Gesellen

Emporhebt über Haidekraut und Klüfte,

Das durch den Strom der Lüfte,

Die um den Reisehut melodisch pfeifen,

Des Ernst's Gewalt und Thoren – Lärm der Schlüfte

Als Frühlingsjauchzen nur die Brust mag streifen; C.)

Und so im Flug belauschen

Destrunknen Lieder – Gottes rüst'ge Söhne,

Wenn alle Höh'n und Thäler blüh'n und rauschen,

Im Morgenbad des Lebens ew'ge Schöne,

Die in dem Glanz erschrocken,

Sie glühend anblickt aus den dunklen L0cken,

Papier und Druck sind gut.

WIEN, b. Sollinger: Bifolien. Von Johann Gabriel Seidl. 1836. IV u. 258 S. 8. (1 Rthlr. 8 gGr.)

Auf dem gar geschmacklosen verschnörkelten braun-blauen Deckel steht » Bifolien.“ Man nimmt das Büchlein, wenigstens ging es uns so, beinahe mit ästhetischem widerwillen in die Hand. Da zeigt sich auf gar schönem Papier in schönem Druck das Wort des Deckels und darunter der Name Seidl. Der Name gehört dem gegenwärtigen Oesterreichischen Dichterhorte an und hat guten Klang, wenn auch nicht vom feinsten Korn und höchsten Gehalt. Die folgende Seite prangt mit der Dedication an den Herrn Erzherzog Johann von Oesterreich, die sich auf den zwei folgenden Seiten in einfachen sinnigen Reimen ausspricht. Die folgende Seite trägt in netter Zeichnung eine Bifolie und darunter ist zu lesen:

Zwei Blätter an einem Stiele, Das ist der Bifolien Art; So ist mit dem epischen Blättchen Hier immer ein lyrisch' gepaart.

,, Gut!-– Aber wo ist die Blüte?”

. Wirft wohl ein Kenner ein;

Die Blüte soll die Empfindung

Die d'raus Euch anspricht, seyn! Dann folgen vier Lesen, deren jede zehn solcher Bifolien enthält, die meisten mit zartduftenden Blüten, besonders die lyrischen Blättchen; manche denn aber auch mit tauber Blüte. Der Bildner hat ihnen oft eine antithetische Spitze ertheilt, die den Genuss stört, selten erhöht. Gegen die Form ist nichts einzuwenden, und in dieser Hinsicht stehen beide Blättchen einander gleich, und meistens sind beide wirkliche Zwillinge; was das eine Blättchen in einem Bilde darstellt, das duftet das verbundene als Innerliches, als Gefühl aus; doch ist dies nicht immer der Fall. Das Bild führt uns aber oft zu Bekanntes und Unbedeutendes vor, wie in der zweiten Lese die zweite Bifolie: »Speckbrecher und sein (die Kugeln auflesendes) Söhnlein, und die VII: Die sieben Jungfrauen, die vor Attila's Genossen in eine Capelle flüchten, die vor den Unholden sich zu einem Felsen verschliesst; in der dritten Lese die I. Bifolie: Die beiden Gräber – Romeo und Julie in wenig anderer Manier und uninteressant; in der vierten Lese die VII. Bifolie: Das erste und das letzte Bild, ein Jüngling, der Maler wird, um die Geliebte zu malen, sie im Sarge findet, ihr Bild malt und stirbt, was schon öfter behandelt ist, u. ähnl. Manche dieser Bilder, wie gleich das erste: Das Glöcklein des Glücks, dem auch das lyrische Blättchen entspricht, und so auch das der fünften Bisolie: Aennchen von Tharau, sind anziehend. Ueberhaupt geräth dem Dichter die romantisch-epische Form meistentheils. Unter den lyrischen Blättchen giebt es eine ausgiebige Lese origineller und gefühlduftender Blüten, worunter wir vorzüglich mit: Dichterfreuden, das lyrische Blättchen der I. Bifolie der zweiten Lese rechnen, dem denn auch wieder das epische Blättchen: Der König und der Landmann, in seiner Art entspricht. Wir müssen uns versagen, Belege unseres Urtheils hier beizubringen; unbefriedigt wird aber Niemand diese anspruchlos dargebotenen Blättchen aus der Hand legen.

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