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ALLGEM EIN E LITERATUR - ZEITUNG

Junius 1840.

- Schriften zur Secularfeier der Erfindung der Buchdruckerkunst.

Erster Artikel.

4) LEIpzig, b. Cnobloch: Die Brüderschaft des gemeinsamen Lebens – – von G. H. M. Delprat U1. S. W. C Fortsetzung von Nr. 112.)

Refer ist es hier nicht darum zu thun, das Werk einer umständlichen Beurtheilung zu unterwerfen (dazu fehlen ihm die Mittel), oder den Werth der Uebersetzung, die sich übrigens nur als eine deutsche Bearbeitung ankündigt, zu würdigen (das Original ist ihm gar nicht zur Hand), sondern dem Zwecke dieses Aufsatzes gemäss will er nur dasjenige hervorheben, was die Brüderschaft zur Verbreitung der Wissenschaften theils durch Vervielfältigung von Handschriften, theils durch Ausübung der Buchdruckerkunst geleistet hat; andere Beurtheiler mögen die übrigen grossen Vorzüge der Schrift nach Gebühr würdigen. Schon Gerard Groote (geb. zu Deventer im October 1340, gebildet auf der Universität zu Paris) unterwies einige Schüler, die sich dem priesterlichen Amte widmen wollten, in seinem Hause und brachte sie in die Lage durch Abschreiben guter Bücher, die er ihnen aus seiner Bibliothek lieh, etwas Geld zu verdienen. Namentlich die Evangelien und einige Kir– chenväter wurden fleissig abgeschrieben - Sein Gehülfe Floris Radevynzoon (Florentius Ä) Sah die Handschriften nach, bereitete das Pergament zu und dictirte einzelne Stellen. Als nun die Brüderschaft geordnet war, fand sich in jedem Fraterhause ein Librarius, der die Handschriften sammelte und verlieh, und ein Scripturarius, dem es oblag die Brü– der und Lehrlinge in der Lese- und Schreibekunst zu unterrichten, ihre litterarischen Uebungen zu leiten, die Wahl der Bücher zu ordnen, die von ihnen verfertigten Handschriften nachzusehen, sie jeden Sonntag dem Rector des Hauses vorzuzeigen und überhaupt über die wissenschaftlichen Arbeiten der Brüder die

Aufsicht zu führen. Der Verkauf der Handschriften gewährte ihnen den ansehnlichsten Theil ihrer Einkünfte; ihre Thätigkeit vermehrte die vorher unzugänglichen oder für viele zu kostbaren Quellen der Kenntnisse. Selbst mit dem Binden der Bücher waren mehrere Brüder beschäftigt. Ja in dem Kloster zu Windesheim wurden sogar verschiedene Handschriften der Vulgata verglichen und ein kritisch berichtigter Text hergestellt, der nach dem chronicon Windesemense p. 103 die Billigung der Kirchenversammlung zu Constanz erlangte. Als nun die Erfindung der Buchdruckerkunst den Werth der Handschriften und damit die Efnkünfte der Brüder verminderte, waren sie zeitig darauf bedacht, auch von der neuen Kunst Nutzen zu ziehen; ja wenn die Nachricht bei Georg Braun (Civitatis orbis terrarum T III. Nr. 31): ars typographica paucis, imo nulls ante in Hollandia cognita (nam quidquid librorum tum erat in usu, monachi assiduo labore et magna diligentia scribebant) Goudae primum innotescere et in usu haberi coepit in domo fratrum collationis unbedingten Glauben verdiente, so wären die Brüder die ersten gewesen, welche die Kunst nach den Nicderlanden gebracht und für ihre Verbreitung gesorgt hätten. Allerdings trieben die Brüder Buchdruckerei zu Brüssel, wo der Gnotosolitos sive speculum conscientiarum 1476 bei ihnen erschien*), zu Rostock seit 1476, zu Gouda, wo von 1496–1508 Drucke nachweisbar sind, zu Löwen, wo aber der Ertrag den darauf verwendeten Kosten nicht entsprach, zu Herzogenbusch; auch das Windesheimische Kloster Hem bei Schoonhoven lieferte im 15. Jahrhundert mehrere Drucke, die bei J. Visser Naamlijst van boeken uit de XV. eeuw verzeichnet sind. Namhafte Drucker, wie Jodocus Badius u. a., sind in den Fraterhäusern gebildet. Die Glaubensveränderung im 16. Jahrhundert machte, so wie überhaupt der Brüderschaft, so auch ihrer typographischen Wirksamkeit ein Ende.

*) Die von Panzer Annales T.I. p. 164. nr. 1. angeführte Brüsseler Ausgabe von Ioannis Chrysostomi homiliae XXI. vo"

Jahre 1474 setzt Lambinet ins Jahr 1479. A. L. Z. 1840. Zweiter Band.

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Unter den populären Schriften mag den ersten Platz einnehmen:

5) LEIpzig, b. Schulz u. Thomas: Gutenberg oder Geschichte der Buchdruckerkunst von ihrem Ursprung bis zur Gegenwart. Bearbeitet von Otto August Schulz. Mit acht Holzstichen. 1840. IV u. 123 S. gr. 8. (14 gGr.)

Der Verfasser hat Alles, was hier nur irgend in Betracht kommen kann, in den Kreis seines Büchelchens gezogen und die Vorläufer der Buchdruckerkunst, die Geschichte ihrer Erfindung und Verbreitung behandelt, biographische Notizen von den , bedeutendsten Druckern gegeben und selbst die technische Fortbildung dieser und verwandter Künste besprochen, ausserdem in zwei Anhängen theils die früheren Secularfeierlichkeiten erzählt theils die Titel der zu einer typographischen Bibliothek erforderlichen Schriften zusammengestellt. Dass Alles in gedrängter Kürze auseinander gesetzt ist, zeigt schon der geringe Umfang von 123 Seiten eines nicht sehr compressen Druckes; aber dies wird zu flüchtiger Einsicht und zu schneller Belehrung für ein grösseres Publikum auch vollkommen hinreichen. Eigne Forschungen darf man natürlich in diesem Buche nicht erwarten, nur Excerpte aus den grösseren Werken. Sind dieselben zweckmässig geordnet und in einfacher, schmuckloser Sprache vorgetragen, wie dies hier allerdings der Fall ist, so hat man alle Ursache das löbliche Streben des bescheidenen Vfs. anzuerkennen. Nicht unbedingt jedoch kann Ref, mit den Sachen überall zufrieden seyn, da nicht nur wichtige Erscheinungen ganz übersehen oder oberflächlich behandelt, sondern auch im Einzelnen mehrere Irrthümer begangen sind, welche der Vf, bei gewissenhafter Benutzung der vorhandenen Schriften leicht hätte vermeiden können. Gleich im Anfange sind Sotzmann's gründliche Untersuchungen über die äl– teste Geschichte der Xylographie und der Druckkunst (in Raumers historischem Taschenbuche 1837) unbenutzt geblieben; den heiligen Christoph von 1423, obgleich er das älteste datirte Bild dieser Art ist, würde dann Hr. Sch. noch dazu in dieser schlecht gelungenen Nachbildung nicht abgedruckt, sondern vielmehr auf die Donate, die Apocalypse, die Ars moriendi und memoriandi, Biblia pauperum und andere Bruchstücke der wenigen noch vor

handenen xylographischen Werke, zu deren Untersuchung in Leipzig die beste Gelegenheit war, sich eingelassen haben. Bei der Erfindungsgeschichte wird das Zeugniss der Kölner Chronik, jedoch in neuem Deutsch, und Trithems Bericht in ungenauer und sogar interpolirter Uebersetzung gegeben. In der Erzählung von Gutenberg's Leben ist zu rasch über den Zeitraum von 1420–1430 weggegangen, da sein erstes öffentliches Auftreten in Strassburg auf den 15. März 1434 fällt. Der Strassburger Prozess entspann sich nicht mit den übrigen Theilnehmern der dort begründeten Gesellschaft, also nicht mit Riffe und IIeilmann, sondern mit den beiden Brüdern des in den Weihnachtsfeiertagen 1438 verstorbenen Andreas Dritzehn, Georg und Nicolaus, welche entweder die Rückgabe des von Andreas gezahlten Geldes oder Aufnahme in die Gesellschaft verlangten. Dass das Verhältniss mit Anna zu der eisernen Thüre Gutenbergs Entfernung von Strassburg veranlasst habe, ist wenig glaublich. Johannes Fust war nicht selbst Goldschmidt, sondern Bruder des Mainzer Goldschmidt Jacob Fust; auch hätte wohl die 42zeilige Bibel, von der übrigens zwei Exemplare wegen des Rubrikenverzeichnisses 645 Blätter haben, genauer beschrieben werden sollen. Fust's Klage gegen Gutenberg ist fälschlich vom 9. statt vom 6. Nov. 1455 datirt; die Trennung fand gegen das Ende des Jahres 1455 Statt. Unter den von Fust und Schöffer gemeinschaftlich ausgeführten Drucken durften der Durandus von 1459 und anderes nicht unerwähnt bleiben. Für diese ganze Geschichte würde ganz abgesehen von den grösseren Werken Schaab's und Wetters, Dr. Külb's für Jedermann verständliche Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst (Mainz 1837) am Ä richtige Darstellung des Verlaufs dargeboten haben. Die Harlemer Ansprüche sind leichtfertig behandelt*); auch Albrecht Pfister, dessen Bonerius nicht einmal erwähnt ist, hätte grössere

Aufmerksamkeit verdient, obgleich die Untersuchung

seines Antheils an der Erfindung oder seines Verhältnisses zu den Erfindern noch keineswegs als abgeschlossen zu betrachten ist. Das chronologi

sche Verzeichniss der Städte, in welchen von 1450

–1550 die Buchdruckerkunst ausgeübt ist, ist darum weniger brauchbar, weil die Vornamen der Drucker nur mit den Anfangsbuchstaben bezeichnet sind und es nicht leicht wird zu errathen, dass z. B. Riessinger in Neapel Sixtus, Fyner in Urach (1481) Konrad u. s. w. geheissen habe; die Angabe über Brüssel ist unrichtig, Esslingen und Gouda fehlen ganz und der Name des Deventerschen Druckers Paffroet ist gewiss falsch, obschon genaue Bibliographen zwischen Pafraed und Peffroet schwanken. Besser ist die Geschichte der einzelnen Buchdrucker gerathen, obgleich sie in der Folge von Italien, Frankreich, England, Niederlande, Schweiz, Spanien, Deutschland der Verbreitungsgeschichte wenig entspricht; denn nach Italien ist die Erfindung durch Deutsche gekommen und die britische Typographie ist wohl eine Tochter der Niederländischen. Einzelnes ist jedoch auch hier zu berichtigen. S. 42. Jodocus Badius stammt nicht aus Asch, sondern aus Asche oder Assen bei Brüssel; auch errichtete er nicht zugleich mit dem Beginn seiner Vorlesungen in Paris (1498) dort eine Druckerei, sondern erst 1511. Sein Sohn Conrad ist nach Einigen 1562, nach Andern 1568 gestorben, hier steht „wahrscheinlich um 1566", wogegen genau genommen sich nichts sagen lässt. S. 46. hätten auch die Brüder Jean Joseph und Joseph Barbou aus dem vorigen Jahrhundert, der eine starb 1752, der andere 1737, genannt werden können. S. 47. ist François Ambroise Didot's Tod auf den 1. Jul. 1804 gesetzt, es muss 11. Jul. heissen; Pierre Didot führt den Beinamen l'ainé, sein Sohn ist Julius; seines Bruders Firmin Sohn heisst Ambroise Firmin und ist 1790 geboren. S. 51. Baskerville's typographischen Nachlass kaufte Beaumarchais nicht für 700, sondern für 3700 Pfund. Foulis durfte nicht fehlen. S. 59. Oporin’s deut– scher Name hiess auch Herbster (s. Escher in der Allgem. Encyklop. III. Sect. Th. 4. S. 248.). Unter den deutschen Druckern hätten Joh. Georg Unger, Joh. Friedr. Unger († 26. Dec. 1804) und Fr. Vieweg gewiss einen Platz verdient, so wie auch Goeschens gar nicht gedacht ist. Die typographische Bibliothek ist ziemlich vollständig und mit grosser Mühe zusammengetragen. Nur S. 113. vermissen wir bei Wien die commentatio de primis Vindobonae typographis, Viennae 1764. in 4. und M. Denis, bibliotheca typographica Vindobonensis, Vindobonae 1782. in 4.; ebendas. bei Italien Barto in i, saggio epistolare sopra tatipografia del Friuli nell sec. XV. (1793.); Fede rici, annali della tipografia Volpi – Cominiana (1809. und 1817.) und über das Alter der Venetianischen Druckereien einen Aufsatz von Kinderling in Meusel's Magazin (1790.). S. 114. bei Frankreich Cathe

*) Auffallend ist das Schweigen der Holländer grade in diesem Jahre; denn bis jetzt ist dem Ref. nur eine einzige Schrift

dem Titel nach bekannt geworden: P. J. V. Dusseau, De Boekdrukkunst en derzelwen Uitvinder Laurens Jansz.

Koster, Amsterd. 1840. in 8.

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rin0t, annales typographiques de Bourges (1683. in 4.) und einzelne Schriften über die Imprimerie royale zu Paris, z. B. von de Guignes; bei Holland fehlt der Aufsatz: de primitiis typographicis Harlemensibus et Uffenbachianis in Schellhorn's Amoenit. liter. IX. p. 969.; S. 116. für die Türkei fehlt J. G. Schulze de officina typographica Constantinopoli instituta (Nürnberg 1728. in 4.) und auch G. Pauli's Buch de typographiae in Islandia fatis konnte genannt werden. – Haben wir auch im Einzelnen Ausstellungen gemacht, was bei einem an einzelnen Daten so reichen Buche und bei so schwierigem Gegenstande kaum änders scyn konnte, so glauben wir doch das Werkchen empfehlen zu können und sind überzeugt, dass es seinen Zweck zur Belehrung für jeden Gebildeten zu dienen vollkommen erfüllen wird. Der Druck ist sauber und grösstentheils correct, das Papier weiss und die hinzugefügten Holzstiche nett. Sie enthalten ein Porträt Gutenberg's, ein altes xylographisches Werk, eine Probe von chinesischem Tafeldruck, eine Buchdruckerwerkstatt aus älterer Zeit, eine Abbildung von Applegath's Druckmaschine und das Mainzer Gutenbergs – Denkmal nebst den Basreliefs. Für Alles dieses ist wahrlich der Preis des Buches gering.

6) HAMBURG, b. Meissner: Kurz gefasste Geschichte des Buchdrucks von C. M. Ed, Buchdrucker. VIII u. 130 S. in 8. (18 gGr.)

Dieses sauber und correct gedruckte Buch stimmt in Anordnung und Inhalt am meisten mit dem vorhergehenden überein, doch behandelt es auch einzelne Gegenstände, welche Hr. Schuls nicht mit in den Kreis seiner Erzählung gezogen hat, wie die ersten Druckhäuser in Mainz, gibt Betrachtungen über die den Buchdruck begünstigenden oder nachtheilig einwirkenden Umstände (Censur, Nachdruck, Trennung des Buchhandels und der Schriftgiesserei von der Buchdruckerei), bespricht die Gebräuche der Drucker, endlich die Zeitungen. Ueberall hat sich der Vf. als einen mit den besten Werken bekannten und für seinen Gegenstand begeisterten Mann gezeigt. Die Darstellung ist klar und lichtvoll und bewegt sich in behaglicher Breite, welche selbst Wiederholungen des bereits Gesagten nicht scheut. Der Vf. hatte vornemlich seine Kunstgenossen im Auge, denen die Benutzung der grösseren Werke nicht leicht zugänglich ist; aber nicht blos diesen verdient das Büchelchen empfohlen zu werden. Der Vf, ist ein Vertheidiger der Gutenbergischen Ansprüche und blickt auf Haarlem und Koster mit patriotischem Sinne etwas verächtlich; wenn er aber S. 2. sagt, dass die berühmtesten französischen Bibliographen Ebert's Meinung nicht theilen, so hat er freilich den Grafen Leon de Laborde noch nicht gekannt, welcher in mehreren jüngst erschienenen Schriften ganz auf die Seite der Holländer tritt und das Jahr 1423 für dasjenige hält, um welches Koster die beweglichen Typen (anfangs hölzerne, später auch die gegossenen) erfunden habe, welcher auch über die S. 29 erwähnten Indulgenzbriefe von 30 Zeilen in den nouvelles recherches sur l'origine de l'imprimerie (Paris 1840) und in dem Début de l'imprimerie à Strassbourg (1840) über den Strassburger Process neue Untersuchungen veröffentlicht hat, deren Resultat ist, dass jene Genossenschaft schon in Strassburg den Druck einer ganzen Bibel mit hölzernen beweglichen Lettern beabsichtigt, die Sache aber nach Vollendung weniger Bogen wegen der grossen Schwierigkeiten liegen gelassen habe. Wenn S. 7. das Lobgedicht auf die Erfindung dem A. Bergellanus zugeschrieben wird, so musste dieser lateinische Name nach Schaab (I. S. 102.), dem der Vf. versichert vorzüglich gefolgt zu seyn, in Joh. Arnold Bergel geändert werden. Der S. 50. erwähnte jüngere Bruder von Johannes Schösser hiess Peter und legte die Druckerei zu Worms 1529 an; sein erster Venediger Druck ist von 1542. S. 57. wird als das erste Jahr, in welchem England die Kunst erhielt, 1472 genannt und in der Note Oxford als derjenige Ort bezeichnet, an welchem noch früher gedruckt sei; auch Dibdin führt die expositio Jeronymi in simbolum apostolorum von 1468 an, so wie denn überhaupt die Benutzung der Bibliotheca Spenceriana schätzbare Notizen dargeboten und besonders über die Orthographie der Namen, die sehr willkürlich von dem Vf, gestaltet sind, belehrt haben würde. Dass nach S. 65. Berlin 1540 die erste Officin erhalten habe, möchte auf einem Irrthum beruhen und vielleicht zwanzig Jahre früher anzusetzen seyn. S. 86. wird ein Eisleber Buchdrucker Urban Glaubisch genannt; er hiess Gaubisch oder Kaupisch (lateinisch Gubisius) und druckte bereits 1557. auf dem Graben zu Eisleben. Sonst sind die chronologischen Nachrichten über berühmte Typographen richtig, mit Ausnahme des von Baskerville und Didot Erzählten, worüber Ref. auf die Anzeige von Nr. 5. verweist.

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7) GLoGAU, b. Flemming: Gedrängte Geschichte der Buchdruckerkunst von ihrer Erfindung bis auf

unsere Tage. Bearbeitet von Dr. L. Kiesewetter. IV u. 85 S. in 8. (8 gGr.) - *

Mit der Herbeischaffung der Materialien hat es sich Hr. Kiesewetter, der sich auf dem Titel „Bearbeiter", auf dem Umschlage», Herausgeber" nennt, sehr bequem gemacht. Zwar versichert er in der Vorrede zumeist Schaab's Forschungen gefolgt zu seyn, das kann sich aber höchstens auf die Erfindungsgeschichte beziehen; das Andere hat er aus Ed's Schrift abgeschrieben oder compilirt, ohne dieselbe mit Ausnahme einer einzigen Stelle zu nennen. Man vergleiche nur S. 48. mit Ed's S. 66., S. 49– 54. mit 87 – 105., S. 54 – 55. mit 122 – 124. und beinahe die ganze Geschichte einzelner Typographen und man wird erstaunen über die grosse Aehnlichkeit oder vielmehr völlige Gleichheit beider Erzählungen. Bei solcher Unredlichkeit des Verfahrens wollen wir bei dem Buche uns nicht aufhalten, auch uns nicht die Mühe geben, die Quellen aufzusuchen, aus denen etwa das Wenige, was nicht bei Ed steht, geschöpft worden ist und nur noch hinzufügen, dass eine bedeutende Anzahl von Fehlern in den Namen Zeugniss ablegt für die Flüchtigkeit des Abschreibers oder auch für die Eile des Druckers, der dieses Machwerk noch zeitig genug auf den Markt bringen wollte. Eine schlechte Lithographie des Thorwaldsenschen Denkmals wird mit dem Buche verkauft, dessen geringer Preis bei der geringen Mühe des Herausgebers und bei dem grauen Papiere nicht auffallend erscheinen wird. - o

8) STUTTGART, b. Metzler: Kurze Geschichte der Buchdruckerkunst seit ihrer Erfindung bis auf die neueste Zeit nebst den Biographien einiger der berühmtesten Buchdrucker. Aus den sichersten Quellen geschöpft von Karl Stänglen. 1840. 18 S. in 8. (3 gGr.)

Der Vf. des Schriftchens erhielt den Auftrag „in gedrängter Kürze eine Zusammenstellung der wichtigsten Thatsachen seit der Erfindung dieser Kunst bis auf die neueste Zeit” zu liefern – für Laien natürlich und für wenige Groschen. Kurz ist die Arbeit allerdings, sie füllt vierzehn Seiten; wohlfeil auch, denn sie kostet drei Groschen – aber mit den ,, sichersten Quellen", aus denen Hr. St. geschöpft hat, sieht es misslich aus.

C Der Beschluss folgt, ),

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Deutschland sich zeigte.

Gleich der

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ALLGEMEINE LITERATUR - zEIT

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Erster Artikel.

8) STUTTGART, b. Metzler: Kurze Geschichte der Buchdruckerkunst Von Karl Stänglen U1, S. W.

C Beschluss von Nr. 113.)

erste Satz, dass Marco Polo gegen Ende des 13ten Jahrhunderts die Form- und Holzschneidekunst aus China nach Italien gebracht habe, ist unbegründet, im Gegentheil Heller hebt es als auffallend hervor, dass Polo nichts von gedruckten Zeugen und Schriften in den von ihm besuchten Ländern des Orients erwähnt; der zweite, dass Deutschland seit dem Anfang des 14ten Jahrhunderts Spielkarten – und Heiligenbilder hatte, enthält eine

falsche Zeitangabe, da erst im Anfange des 15ten Jahrh. oder höchstens in der zweiten Hälfte des 14ten

Jahrh. die Xylographie in den Niederlanden und Immer crässer werden die Irrthümer im Verlauf und auf S. 11. finden wir als ausgezeichnete Buchdrucker Joh. Ferbenius, Joh. Ammerbach, Jodocus Bodius zu Leyden (statt Jod. Badius Ascensius zu Paris), Steph. Dotelus statt Doletus u. a. Die Reihe der berühmtesten Buchdrucker eröffnet, natürlich aus Patriotismus, Konrad Fyner, dessen erstes bekanntes Werk 1475 herauskam; „im nächsten Jahre (1474, so steht wirklich da) gab er Thomas v. Aquino expositio Jobi heraus.” S. 15. ist Baskerville zu Waverley statt zu Wolverley geboren; unter Bodoni's prachtvollsten Werken ist auch der Horaz aufgezählt, der doch ganz abgesehen von dem sehr mittelmässigen Textc weder in Druck noch in Papier etwas Ausgezeichnetes hat. Uebrigens findet man die biographischen Notizen in jedem Conversationslexicon besser. Das ganze Büchelchen scheint blosse Speculation; – es ist ohne Werth.

9) MANNHEIM, b. Hoff: Jubiläums Büchlein, oder Geschichte, wie die Buchdruckerkunst in Deutschland erfunden worden ist, nebst Ander'm , Was

dazu gehört. Erzählt für's Volk und für Freunde des Volks. 48 S. in kl. 8. (4 gGr.) Eine Schrift für's Volk, von deren dreizehn Kapiteln sechs der Erfindungsgeschichte, eins der Beurtheilung der holländischen Ansprüche, eins der Ausbreitung der Kunst, zwei der Geschichte der Censur, eins der Pressfreiheit, zwei den Jubiläen und Denkmälern gewidmet sind. Censur und Pressfreiheit gehören eigentlich nicht hierher; überdies hat die ganze Darstellung eine starke liberale Färbung erhalten. Sonst sind uns grade keine Irrthümer aufgestossen; ausser dass die Erneuerung des Bundesbeschlusses über die Presse vom 20. Septbr. 1819 hier auf den 16.Aug. 1824 gesetzt ist, was, wenn anders Ref sich nicht irrt, den 24. Aug. heissen muss. Aber mit der Form kann sich Ref. nicht einverstanden erklären. Das Volk liebt einfache und kräftige Kost, nicht scharf gewürzte und gepfefferte. Wozu also die geschraubten und gesuchten Gleichnisse, wie das zwischen Kindern und Erfindungen, das sich gleich im Anfange über zwei Seiten hinzieht; oder S. 28. die Stelle über die Holländer: :: Es muss hier eines grossen Kriegs gedacht werden, welcher zwischen Holländern und Deutschen geführt wurde. Die Holländer hatten ihr Hauptquartier in Haarlem, wo die vielen Blumenzwiebeln wachsen und schossen von da rhein – aufwärts in die deutschen Gaue u. s. w.." bis zu dem Schlusse, dass nach Junius Erzählung Gutenbergs Erfindung eine holländische Blumenzwiebel und von ihm ein bischen spitzbübisch und zum Nachtheil des guten Kosters in seinen Garten zu Mainz verpflanzt worden sei"; oder S. 48. die kühne Metapher, dass ein grosses Blumennetz der Freude über ganz Deutschland an denselben Tagen (des Festés nämlich) sich ziehe, oder der Humor, welcher „das Volk der Chinesen mit seinen wunderlichen Haarschwänzlein auf den geschorenen Häuptern und in seinen langen Seidenröcken" charakterisirt zu haben vermeint. Eine namentlich in den Füssen stark verzeichnete Abbildung des Gutenberg-Monuments ist dem Büchelchen vorgedruckt*).

*) Nachdem diese Anzeige niedergeschrieben ist, sind Ref. noch die schriftchen von Fritsch, Brückner, C. L. Se”

Dr. J. W. Schaefer, Herm. Wilh. Bödeker, H. Heinlein, H. Rudolph und F. A. Pischon zugekommen, über die in dem nach einiger Zeit folgenden zweiten Artikel berichtet werden soll.

A. L. z. 1840. Zweiter Band.

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