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oder Misstrauen den Rath der Herren Badeärzte umgehen, namentlich seinen Leidensgefährten, den Nierensteinkranken, gleichsam einen Compass in die Hände geben, mit dem sie den zuweilen sturmbewegten Fluthen des Badelebens sich entziehen und den sicheren Hafen der Rettung oder wenigstens der Verzögerung ihres Unterganges erreichen können. Er hat kein anderes Interesse im Auge, als das der lebendigen Entfaltung des bleibenden Rufes dieses Kurortes, so wie des Wohls der für ihn geeigneten Kranken, weshalb er auch bei Erörterungen der Trink- und Badekur, der Zeit des Aufenthaltes, sowie der diätetischen Vorsichtsmaassregeln länger als gewöhnlich verweilt. – Bei der Beurtheilung der Wirksamkeit der Heilquellen entscheiden die prakt. Erfahrungen und nicht die chem. Analysen; überhaupt scheint dem Vf. nicht zweifelhaft, dass die durch den eigenthümlichen Brunnengeist bedingte innige Vermischung der Bestandtheile ein ganz neues Agens bilde, welches durch chemische Analyse nicht entdeckbar ist, vielleicht durch ihre Operation erst zerstört wird. Das Gefühl von Behaglichkeit, das sich nach längerem Gebrauche des Ragozi einfindet, wird durch die dicsem Wasser eigenthümliche, in ihm wohnende Seele bewirkt. (! Nach diesen Mittheilungen erwartet man ebenso phantastische Ansichten über die Anwendungsart – allein es geht dem Vf, wie manchem TheoretiIxer, am Krankenbette verschwindet die genialste Theorie und macht der nüchternen Praxis Platz.) Des Vfs. Ansichten stimmen mit den der bessern Brunnenärzte überein und also auch mit denen der Kissinger Aerzte. Zur Wohlfahrt Kissingens macht der Vf. mehrere Vorschläge und rügt die auch vom Ref angegebenen Mängel, deren Abhülfe gewiss nur durch grosse Indolenz verhindert wird. Ausser den 3 Brunnenärzten empfiehlt er noch einige anzustellen, da die Masse der Kurgäste (2000, von denen jedoch nach dem Vf. 500, nach Ref. 1000 keinen Arzt gebrauchen) zu gross ist, um von den dasigen Aerzten gehörig berücksichtigt werden zu können. Brückenau räth der Vf, bei Chlorosis, Leucorrhoea, Hysterie, Eng– brüstigkeit und uterischen Leiden der Frauen in der Decrepidität (auf Schwäche des Merv. pneumogastricus beruhend) an. Ueber Bocklet und die Nachkur in diesem und dem Bade zu Brückenau nach der Kissinger Kur finden wir das Bekannte.

30) WüRzBURG, in Commiss. der Stahel. Buchh.: Kissingen mit seinen Heilquellen und Bädern in mehreren Beziehungen dargestellt von Dr. H. C.

Welsch, Arzt in Bad–Kissingen. 1839. XIV u. 344 S. 8. (1/ Rthlr.) - Vorliegende Schrift bewegt sich hauptsächlich in dem Theoretischen der naturphilosophischen Schule, obschon sie das Spezielle für Praktiker nicht ganz ausschliesst; sie soll aber auch nur als eine Einleitung für einige nachfolgende, mehr praktische Erfahrungen und Beobachtungen enthaltenden Theile angesehen werden. Der Vf, widmet sie dem zeitkranken Publileum des ALY. Jahrhunderts. Die jetzigen chron. Entwicklungskrankheiten einiger Völker, besonders der deutschen (Hannoveraner?), englischen u. s. w. sind nach dem Vf, hauptsächlich chron. Leiden der Unterleibsorgane, Hämorrhoiden, Gicht, Skrofeln, IIysterie und IIypochondrie u. s. w. Es ist die Zeit des Alters der europäischen Völker, die Zeit des abnehmenden Mannesalters. Bei diesem Zurücktreten des Somatischen erhebt sich mehr das Psychische, die weitere Stufe der Entwickelung in höherer Richtung vollendend. Gegen die daherrührenden Krankheiten sind besonders die Quellen von Kissingen angezeigt. Die Entstehung der Mineralquellen und ihre Mischungsverhältnisse kennen wir nicht, da die von den Chemikern angegebenen Bestandtheile in ih– rer Trennung und Wiedervereinigung nicht mehr die sind, welche die lebendige Quelle enthielt. Ueberhaupt geht dem Vf. aus seinen Untersuchungen hervor, »dass irgend ein unsern Sinnen nicht mehr fassliches Agens, eine höhere Kraft oder höhere zu Kräften potenzirte (à la Hahnemann?) Stoffe, die diese Quelle als Lebendes durchdringen mehr und eher als das Wirksame überhaupt betrachtet werden können, als die Menge und Verbindung solcher Stoffe, die ohne belebende Kraft u. s. w. als mechanisch zu einander gehäuft daliegen." (Wie genau des Vfs. Un– tersuchungen gewesen seyn müssen, geht schon daraus hervor, dass er das Wesen der Kohlensäure in dem Soolensprudel von dem derselben in dem Ragozi u. s. w. verschieden fand!! Ref.) Recht gut ist der Abschnitt über die Wirksamkeit der Heilquellen im Allgemeinen und die Ursachen ihres Steigens und Fallens im Rufe. Der Vf, betrachtet dann Kissingen in seinen Verhältnissen als Wohn- und Badeort und die Heilquellen daselbst in geognost., phys. und chem. IIinsicht. Er schildert ferner die Wirkung der Trinkkur des Ragozi auf den gesunden menschl. Organismus und schliesst nach Art der Homöopathen von derselben auf ihre Anzeige in krankhaften Zuständen. (Ref. wünscht, dass es dem Vf. gefallen möge, genau anzugeben, mit wie vielen und welchen Gesunden, mit welcher Quantität des Ragozi und wie lange u. s. w. er Versuche angestellt habe, um daraus die von ihm beschriebenen drei Wirkungsgrade beurtheilen zu können. Ref. gesteht aufrichtig, dass ihm dieser Abschnitt vom Studirtische ausgegangen zu seyn scheint.) Der Ragozi wirkt nach dem Vf, wohlthätig in den Zeitkrankheiten, die sich vorzugsweise im Venen – und Nervensysteme, besonders des Unterleibs, entwickeln oder ausbreiten; der Pandur ist mehr geeignet für Krankheiten, die sich im Arteriellen, Irritablen entwickeln, die Soole mehr für die Leiden im Lymphatischen u. s. w. – Die Vorschriften zum Quellengebrauche, die Diät und Nachrichten politischen und öconomischen Inhalts für Kurgäste beschliessen das schwerlich für letztere verständliche Buch.

WI. Thermen. a) alkalische Thermen. 31) TüBINGEN, Verl. von Osiander: Das Wildbad im Königreich Würtemberg. Nebst Nachrichten über die benachbarten IIeilquellen Liebenzell und Teinach und das Kloster Hirsau von Dr. J. Kerner. Vierte, verbess. und vermehrte Auflage. 1839. XIV, 215 und 5 nicht pag. S. 12. (% Rthlr.)

Seit 1811 hat diese Badeschrift des berühmten Dichters und Arztes vier Auflagen erlebt und jedesmal erschien sie nicht ohne Bereicherun – gen und Erläuterungen. Viel Gewicht legt der Vf. auf die dem Badenden so zusagende Temperatur der Thermen in Wildbad (eben recht wie das Wildbad! ist ein würtemb. Sprichwort) welche »ungetödtet, jugendlich, in lebendigen Strömungen den Kranken berühren, der, gleichsam im Schoosse der Felsen, ob der geheimnissvollen Werkstätte, mit frommem Glauben sich diesen grossen, einfachen und milden Kräften der Natur anheimstellt", – vertheidigt mit scharfen Waffen gegen Löwig und Wetter die Eristenz des Brunnengeistes, und theilt die Beobachtungen des »sinnigen, für Wildbads Quelle warm und wahrfühlenden Granville, gegen dessen Empfindungen allerdings die des kalten Herrn Wetters aus Berlin sehr weit abstehn,” mit. Würtemberg, und vorzüglich Wildbad, hat aber auch alle Ursache mit Granville zufrieden zu seyn und ihn mit seinem Orden zu schmücken; denn er, der Consulent der für Deutschlands Bäder sich eignenden Engländer in London, schickt bei seiner Vorliebe für Wildbads Therme, die er der zu Baden-Baden vorzieht, jährlich eine nicht

unbeträchtliche Menge dieser Insulaner nach dem Wildbade, das bisher allen Ideen zu Verschönerungen und Verbesserungen kräftigen Widerstand leistete. –

32) STUTTGART, im Lit. Compt.: Wildbad dans le Royaume de Wurtemberg et ses eaux thermales. Traité topographique et médical par le Prof. F. Heim, Dr. Med. etc. Traduit du manuscrit allemand par le Prof. J. M. Gérard, Bachelier dès lettres etc. Orné de V gravures et d'une Carte des environs de Wildbad. XIIu.570S. 8. (3 Rthlr)

Der Vf, dessen geschwächte Gesundheit Wildbad von Neuem stärkte, wurde bei Abfassung dieser Schrift vielfach von seinen Collegen unterstützt. Er beschreibt Lage, Stadt, Umgebungen (Flora), Gesundheitsund Temperaturzustände der Stadt, die phys. und chem. Eigenschaften der Quellen und besonders die vielfachen Verschönerungen der Badanstalten, die zum Theil ausgeführt sind oder noch ausgeführt werden sollen (Wenn nur das den alten Brunnengeist nicht erzürnt!). – Eine Hauptwirkung der Wildbad-Therme ist dem Vf, die den Krankheitsstoff und verborgene Ursachen erweckende und die fremden Körper, Secretionsproducte, Knochenstücke u. s. w. entfernende, welche sich indessen nicht auf stürmische Weise, sondern durch mässige Erregung kund giebt. Ferner beschreibt der Vf, sich auf älterer und neuester Beobachter Erfahrungen stützend, die ausgezeichneten Wirkungen der Thermalbäder bei Gicht und Rheumatismus und den Krankheiten, die aus diesen Leiden hervorgehen, bei Krankheiten des Rückenmarkes, Lähmungen, die aus diesen, aus Apoplexien, Arsenikvergiftung oder localen Nervenkrankheiten entstanden sind, bei Gelenk-, Knochen- und Hautleiden, bei Skrofeln und mehrern, sich deshalb so häufig in Wildbad einfindenden Frauenzimmerkrankheiten. (Ref. erinnert an die oben angezeigte Schrift Heyfelder's, der die Reihe dieser Krankheiten mit Recht kürzte.)–Die Heil-Wirkung der seit 1836 gebrauchten Trinkquelle, welche noch nicht 4 Grane Salze, darunter fast 2 Gr. Kochsalz, aber keine Spur von Jod oder Brom enthält, sucht der Vf, in ihrer eigenthümlichen Wärme + 16,5“ R. (!). Sie wird zur Unterstützung der Badekur angerathen. Die Vorschriften zu beiden Kurarten in der Sommer – und Wintersaison, welche letztere sich immer mehr auszubilden scheint, sind zweckmässig. Die 5 Stahlstiche und die Karte der Umgegend sind eine angenehme Zugabe zu dieser typographisch prachtvoll ausgestatteten Badeschrift. –

( Die Fortsetzung folgt.)

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ALLGEMEINE

LITERATUR - ZEITUNG

Junius 1840.

M E DIC IN.

Brunnen- und Badeschriften. C Fortsetzung von Nr. 105.)

33) WIEN, gedr. b. d. v. Gehlen. Erben: Andeutungen über Gastein und dessen Anstalten zu Wildbad und Hofgastein. Für Aerzte und Kurgäste von Rud. Edlen v. Vivenot, Indigena von Ungarn, Dr. Med. et Chir. u. s. w. 1839. 49 und 2 nicht pag. S. gr. 8. (8 gGr.)

Seit einiger Zeit herrscht, besonders in Wien, eine Furcht vor dem Gebrauche der Gasteiner Thermen wegen deren oft zu heftigen Einwirkung auf den Or– ganismus. Einige Wiener Aerzte (ihnen ist jetzt Ischl das ultimum refugium und Modebad) hielten tödtliche Apoplexien und Stickflüsse, die 4 bis 5 Monate nach der Gasteiner Thermalkur eintraten, durch diese herbeigeführt (unter letzteren war auch der geniale P. Hartmann, der aus einem guten Theoretiker ein schlechter oder vielmehr unglücklicher Praktiker geworden war und gewiss nur der dadurch hervorgebrachten, moralischen Unruhe und den nächtlichen Anstrengungen, in Verbindung mit einer Erweiterung der grossen Herzgefässe und Verknöcherung der Kranzarterien, und nicht der Nachwirkung des Gasteiner Bades seinen nächtlichen Erstickungstod verdankte). Um diese Furcht und manche Zweifel über die identische Kraft und Wirkungsäusserungen der nach Hofgastein geleiteten Thermen zu verscheuchen und das noch beiden Heilanstalten Nöthige in Erinnerung zu bringen, vermehrte der Vf, seine schon aus der allg. Zeitung von Augsburg bekannte kleine Abhandlung. Er hielt sich vier Wochen lang in Gastein auf und bemerkte an sich selbst und anderen Badenden häufig ein Gefühl von Kälte, besonders am Rückgrathe (das sicherste Zeichen, dass man lange genug im Bade verweilte), und schon in den ersten 5 Minuten nach dem Bade einen, den ganzen Tag andauernden Drang zum Uriniren mit vermehrter Harnabsonderung, Wirkungen der Thermalbäder, welche während der ganzen Kur constant blieben. Nach dem 5. bis 15. A. L. Z. 1840. Zweiter Band.

Bade wird der wässrige Urin saturirt, dunkel geröthet und führt dann bei vielen Kurgästen eine ziemliche Menge rother Krystalle (Harnsäure? Ref.) mit sich. Der Stuhlgang regelt sich bald, der Puls wird langsamer und nur bei bervorstehenden Krisen wieder beschleunigt. Zahnschmerzen entstehen von den durch Erkältung, die Alpenluft u. s. w. hervorgerufenen Congestionen. Nicht selten treten die Badekrisen mit ziemlich ausgebildetem Fieber auf; aber nicht immer ist die 21tägige Badekur zur Heilung hinreichend, sondern oft ist es nöthig nach 8 bis 14 Tagen eine zweite zu beginnen. Interessant ist die Herstellung eines verlornen Gedächtnisses nach einer zweiten Badekur. Auf den innerlichen Gebrauch der Gast. Thermen legt der Vf, mit Recht keinen besondern Werth. – Hinsichtlich der Wiederholung der Gast. Badekur gilt, dass sie nicht, wie so viele wollen, auch nach hergestellter Gesundheit zur Erhaltung derselben nothwendig sey. – Die Wirkungsart dieser Heilquellen wird nach dem Vf, meistens dynamisch, durch das in den Thermen so überwiegend vorkommende elektro – magnetische Prinzip (?) bedingt. Doch ist ihm die Wirkungsweise nicht ganz klar, da ihm über die Bestandtheile des Gast. Wassers so wenig Positives zu Gebote steht. (Erst die Entdeckung der Endosmose und Erosmose, Erscheinungen, welche Dutrochet fälschlich auf Elektrizität basirt glaubte, giebt uns über die Wirkung der Bäder aus stoffarmem Wasser Aufschluss und Ref. kann nicht umhin., wiederholt zu Analysen des besonders von Gichtischen gebrauchten Badewassers in Gastein, Wildbad u. s. w. aufzufordern. Aus diesen physiologischen Erscheinungen erklärt sich auch, wie Gastein und dergleichen Thermen bei Zuständen nicht bewirkter Lösung, bei Infarcten und Anschoppungen, bei fortdauernden Naturbestrebungen krankhafte Stoffe auszuleeren u. s. w. nicht anzuwenden ist, sondern erst nach geschehenen Lösungen und Krisen so vorzüglich wirkt, jeden Krankheitsrest zu entfernen. Ref) Die berühmte Kräftigung des männlichen Sexualsystems entsteht erst als Nachwirkung der Badekur, während derselben fand der Vf, selbst bei jungen Männern, eher Gg

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Mangel an Geschlechtslust. – Originell ist die Idee des Vfs., jeden kranken Brunnengast zum Mitarbeiter des Brunnenarchivs zu machen. Er verspricht sich davon die schönste Ausbeute (die nach Ref der gleich kommen würde, welche Hahnemann durch die von Studenten vorgenommnenArzneiprüfungen gewann).– Immer noch steht Gastein mit seinen Badeeinrichtungen und Anlagen gegen ganz unbedeutende Badeorte im Nachtheil. Möchte auch etwas für die Bequemlichkeit der fast nur aus höhern Ständen sich in Gastein einfindenden Badegäste gethan werden!

34) CARLsRUHE, in d. Creuzbauer. Buch- u. Kunsthandl.: Rundgemälde von Baden-Baden (und) seinen näheren und ferneren Umgebungen. Ein Taschenbuch für Kurgäste und Reisende von W. v. Chézy. Zweite Aufl. mit 12 Stahlstichen. 1839. XII u. 174 S. 8. (1% Rthlr.)

35) Ebendas., in Ebenders.: Tableau de BadeBade et des environs par G. de Chézy. Traduit de l'allemand par M. Warnier; orné de 12 vues, dessinées et gravées par H. A. Payne. 136 S. 12. (1% Rthlr.) Der Vf, bietet dem Besucher des reizenden Oberbadens das, was er in einer Reihe von 7 Jahren als fusswandernder Jäger und Reisender zu Pferd und Wagen gesehen und beobachtet hat. Er schildert uns das, wohl auf dem höchsten Punkte der europäischen Bäder stehendé Baden (Von den fast 20,000 Fremden, die vom 15. Mai bis 25. Oktbr. 1839 daselbst eintrafen, waren 170 fürstliche Personen mit Gefol– ge, 211 Amerikaner, 86 Dänen und Schweden, 36 Spanier, 676 Russen, 62 Polen, 85 Italiener, 457 Schweizer, 475 Holländer, 231 Belgier, 4478 Franzosen, 3652 Engländer und mehr als 8000 Deutsche, ohne die in den Badelisten nicht ausgeführten Inländer. Mehrere Russen, Polen, Engländer und Franzosen blieben auch im Winter da. Ref.) mit seinen, aus dem Berge entspringenden, 16 heissen Quellen, seinen drei Kirchen (in der Spitalkirche wird Sonntags zuerst von einem katholischen, dann von einem protestantischen und endlich noch von einem anglikanischen Geistlichen Gottesdienst gehalten), seiner weltberühmten Promenade und dem das grosse Spiel beherbergenden Conversationshause, zeigt die nächsten Umgebungen, das alte Schloss, die Ebernsteinburg u. S. w., macht dann mit uns Ausflüge nach dem reizenden Murgthale (anderthalb Stunden von Baden bei Rothenfels kam man am 6. Septbr. 1839 beim Bohren nach Steinkohlen in einer Tiefe von 355 F.

auf eine heisse Quelle, die sprudelnd und dampfend, einem artesischen Brunnen gleich, 16. Fdss hoch sprang. Nach der später vom Bergrathe Dr. Walchmer vorgenommenen Untersuchung, hat das Wasser + 16° R. und in Quantität und Qualität grosse Aehnlichkeit mit dem Wasser zu Kissingen (mit welchem?). Man wird, da die Quelle gefasst und Einrichtungen zu Trink- und Badkuren vom Markgrafen Wilhelm zu Baden gemacht worden sind, die Saison eröffnen und die schon durch glückliche Kuren gekrönten Versuche mit dem neuen Heilwasser weiter fortsetzen. Ref), nach dem westlichen Abhange des Gebirges, dem Rhein – und dem Albthale und fordert zu kleinen Reisen nach Rippoldsau und dem Renchthale auf. – Eine blühende Sprache, nette Stahlstiche und elegante typograph. Ausstattung empfohlen die kleine Schrift. –

36) CARLSRUHE, in d. Creuzbauer. Buch – u. Kunsthandl.: Die Badegäste zu Baden-Baden. Eine Federzeichnung aus dem Skizzenbuche eines Weltmannes. Erstes Heft: Die deutschen Gäste. 1839. 76 S. 8. (14 gGr.)

Dem Weltmanne gefiel die Welt fast nur in dem reizenden Baden. Aus dem Badeleben daselbst will er wirkliche (?) Ereignisse skizziren, um ein Gemälde des Lebens und Treibens der Badegesellschaft aufzustellen. Die verschiedenen Nationen, welche diese repräsentiren, sollen im Tableau die einzelnen Gruppirungen ausmachen, einzeln skizzirt doch mannichfaltig verschlungen, wie das Leben in der Wirklichkeit zu Baden, werden sie endlich so in einander greifen, dass ein gemeinsames Ganzes daraus erwachsen wird. Der Vf. beginnt mit den Deutschen, denen die Engländer folgen sollen. Dem Ref. scheint, als wenn der Vf. von jenen eine bessere und charakteristischere Gruppirung hätte machen können. Die Schrift gehört zu der leichten Badelectüre, die für ein, dem dolce far niente gewidmetes Stündchen berechnet ist. –

37) BERLIN, b. Enslin: Wiesbade, ses thermes et ses enviroms; ou Traité sur la topographie de cette ville, sur l'éffet et l'usage médical de ses eaux minérales et sur les règles diététiques, qui sont à observer. Par G. H. Richter Dr. etc. 1839. VIII u. 128 S. 12. (18 gGr.)

Der Zusammenfluss so vieler, der deutschen Spra-che nicht mächtiger Fremden in Wiesbaden war der Grund, dass der Vf, seine deutsche Schrift über die

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sen berühmten Kurort auch in franz. Sprache erscheinen liess. Wir verweisen, da wir in der franz. Ausgabe keine wesentlichen Veränderungen bemerkten, auf unser Urtheil über die deutsche in diesen BlätterI1. –

38) GRIMMA, Druck und Verl. des Verlags-Comptoirs: Bad Teplitz, wie es jetzt ist. Ein Handbuch für Kurgäste von Dr. H. Fischer. Nebst Abbildungen einiger seiner Hauptquellen und pittoresken Umgebungen. 1839. IV und 60 S. 8. (9 gGr.). – Teplitz (Tiflis mit seinen Bebutov'schen Bädern hiess früher Tepelis, als wegen seiner Schwefelthermen der georgische König Wagtany Gürg Aslan im V. Jahrhunderte seine Hauptstadt aus Mzchet dahin verlegte. Ref.) mit seinem Dorfe Schönau, das jedoch hinsichtlich seiner Lage und Gebäude die Stadt an Schönheit übertrifft, hat jetzt 8 Gemein- und 62 Spezialbäder, die, besonders das Stadtbad, seit einigen Jahren sehr verschönert sind und an dic alten römischen Badeinrichtungen erinnern. Vorliegende kleine Schrift enthält eigentlich nur Notizen, durch wel– che der Badegast nicht genügend belehrt wird. Besser ist die Beschreibung der Umgebungen und die Vorschläge zu kleinen Reisen um Teplitz herum. – Druck und Papier sind sehr schön, aber hässlich die vielen Druckfehler. –

39) PRAG, b. Kronbergers Wittwe und Weber: Geschichte von Karlsbad, in medizinischer, topographischer und geselliger Beziehung. Von Ed. Hlawaczek, Dr. d. Med. u. S. w., ausübendem Arzte in Karlsbad 1839. 188 u. 4 nicht pag. S. 8. (1% Rthlr.)

Der Vf, zeigt durch Auszüge aus älteren und neuesten Schriften über das merkwürdige Karlsbad, wie sich die Kenntniss der dasigen Thermen in physikalisch – chemischer, pharmakodynamischer und therapeutischer Beziehung allmählig läuterte und erweiterte. Dankenswerth ist eine solche Zusammenstellung besonders deshalb, weil die älteren Schriften nicht leicht zugänglich sind und man häufig genug den Waizen mit vieler Spreu vermischt findet; aber auch noch in der Hinsicht, weil wir hierdurch nicht bloss die Vorschritte, sondern auch die Rückschritte, ja Rücksprünge, in naturhistorischen und medizinischen Ansichten vor unseren Augen haben. Ref. kann nicht in das Spezielle der gut geschriebenen Abhandlung eingehen, verspricht aber nicht bloss den

Aerzten, sondern auch dem gebildeten Kurgaste eine angenehme Unterhaltung durch das Lesen derselben. –

40) PRAG: Almanach de Carlsbad, ou mélanges médicaux etc. Par le Chev. J. de Carro, docteur en médecine etc. 9e Année. 1839. 246 S. 8.

Wie in den früheren Almanachen liefert der Vf. eine Uebersicht der Saison des J. 1838, in der er die merkwürdigsten Badegäste namentlich aufführt und die Liste der Schriften über Carlsbad fortsetzt. Die Ansichten Wendts über Kissingen und Karlsbad, wel– che derselbe in der Badeschrift: Die Heilquellen zu Kissingen u. s. w. 1837 mittheilte, begleitet er mit treffenden Bemerkungen, von denen besonders die über das Axiom des Plinius „Tales sunt aquae, qualis terra per quam fluunt" wichtig ist. Man hat diese Meinung so vielfach citirt, ohne dass irgend einer der Schriftsteller wohl den ganzen Satz nachsah. Dieser lautet: Neque aequalis amnium plerumque gustus est; magna alvei differentia. Quippe tales sunt aquae qualis terra, per quam fluunt; qualesque herbarum quas lavant succi. Ergo iidem amnes parte aliquá reperiumtur insalubres. C. Plin. Sec. Hist. nat. Lib. XXXI. Sect. 29. Man sieht, dass Plinius von dem Wasser der Flüsse und nicht von dem der Mineralquellen spricht. Auf ähnliche Weise soll nach Virey, die Meinung, dass die Schwalben den Winter auf dem Grunde der Gewässer zubrächten, entstanden seyn, weil Plautus, indem er von Blutegehn redet, gleichzeitig bald Hirudines, bald Hirundines gebraucht. – Was Casper in seiner Wochenschrift 1838 Nr. 8 über Karlsbad schrieb, wird vom Vf, wiedergegeben und des Vfs. interessante Mittheilungen über verschiedene Gegenstände der Kur meistens gebilligt und vorzüg– lich daran erinnert, dass Aerzte erst nach genauer Prü– fung ihre Kranken der Karlsbader Kur unterwerfen sollten. – Die Geschichte eines durch die Karlsbader Wasser geheilten Tic douloureux (The Narrative of a recovery from tic douloureux, by the Rev. C. E. Hutchinson vicar etc. London 1838), von dem Leidenden selbst beschrieben, so wie die Mittheilungen über den kranken Engländer, der vom 30. März bis zum 22. Juni 1838 die Reise von Bombay nach Karlsbad mach– te, aber ungeheilt später in Marienbad starb, sind von Interesse. Ein Brief von dem an Stein leidenden Jos. Frank meldet, dass ihm die Kur in Karlsbad grosse Erleichterungen verschafft habe; der eines engl. Geistlichen, dass die Kur in Teplitz nach der Karlsba

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