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benheit verleihen *), als wenn diese Sendung eine wirkliche Thatsache gewesen wäre; in dieser Lehre selbst aber können wir kaum mehr sehen, als das Erzeugniss eines glücklich ausgestatteten Geistes, der theils aus seinem eigenen Innern, theils aus solchen äussern Hülfsquellen schöpfte, wie sie erwiesenermaassen im Bereiche Jesu lagen." Die eigenthümlichen Seiten aber, nach welchen sich die Lehre Jesu von andern Systemen der Sittenlehre unterscheide, stellen sich nach dem Vf, in folgenden 4 Punkten dar: Erstens: Geist der Frömmigkeit. „ Es findet im Christenthum eine stete Beziehung auf das höchste Wesen statt. Der Wille Gottes ist die Basis jeder Pflicht; Gottähnlich werden ihr Ziel." Nachdem nun der Vf, gezeigt hat, wie diese Lehre aus der Religion, der Geschichte und Stellung der Juden naturgemäss sich entwickeln konnte, fährt er sofort: „Allein die Sprache Jesu war nicht ein blosser Nachhall der Propheten, er stellt uns nicht unaufhörlich nur den Jehova der Heerschaaren dar, sondern hebt den väterlichen Charakter der Gottheit auf eine Weise hervor, dass jedes Herz davon angesprochen werden muss. Seine Anhänger heisst er, nicht weil sie Glieder des auserwählten Volkes sind, sondern auf den Grund ihrer allgemein menschlichen Rechte vor den Vater im Himmel treten." Das war die erste Bedingung der Universalität des Christenthums.

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rem ursprünglichen Sinn sich immer mehr hinauszuschieben und von Tag zu Tag unwahrscheinlicher zu werden schien, trat allmählich die mehr al

verstandene Lehre von einem künftigen Gericht an ihre“

Stelle. Dieser Uebergang geschah einfach und natürlieh, indem die Idee des Messias als des gerechten Königs der Menschheit sich ohne Schwierigkeit in die des allgemeinen Weltrichters umbilden konnte. So wurde durch die Vermittlung des Werkes Jesu ein tiefgewurzeltes jüdisches Nationalvorartheil das kräf-, tige Vehikel zur Verbreitung des Glaubens an ein jenseitiges Leben, der sich fortan unter den Völkern durch eigene Energie in frischer lebenskräftiger Entwick

lung erhielt, nachdem jene vorübergehende Stütze

längst unmächtig zusammengesunken war." ** Drittens: Einschärfung der Tugend(en) der Deu

muth und Selbstverleugnung. Auch hierin wurde

durch die Vermittlung Jesu die Geistesrichtung, wel

che sich unter den Leiden seiner Nation entwickelt

hatte, ein Gemeingut der Menschheit. -

Viertens: Vorschrift der unbedingten Liebe „Diess stimmt nicht mit dem Alten Testament zusammen. Wir haben den Grund dieses Zuges nur in dem individuellen Charakter Jesu zu suchen." Charakter wird im 5. Abschn. geschildert. Persönlicher Charakter Jesu. In den häuslichen und bürgerlichen Verhältnissen Jesu findet der Verf. Nichts, was ihm hätte Bedeutung verschaffen können, und auf die Frage nach dem Grunde jener tiefen Ehrfurcht und jenes unbedingten Gehorsams, der ihm von seinen Jüngern gezollt wurde, ist seine Antwort in Kurzem diese: Der Anspruch an die Würde eines göttlichen Gesandten, die geistige Ueberlegenheit, und das Interesse, das Jesus als Mensch und als Freund einzuflössen wusste, waren hinreichende Bande, um seine Jünger an ihn zu fesseln. Im Allgemeinen steht ihm Jesus da als das seltene Beispiel eines weisen und tugendhaften Mannes „der unter dem Einflusse gewisser Vorstellungen stand, welche, wenn sie auf gewöhnliche Naturen wirken, Schwärmer oder Fanatiker ärzeugen, - mit Intelligenz, Wohlwollen und natürlicher Feinheit verbunden, einen milden und philosophischen Enthusiasten abgeben musste."

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seiner Ansicht nicht, die er im Schlusskapitel noch besonders bespricht. Dass mit der Lehre von der Göttlichkeit und der Auferstehung Christi auch die kirchliche Lehre von der Sündenerlösung durch den

gleichbedeutende dafür zu setzen. -

*) Der Uebersetzer scheint mir hier nicht die passendsten Ausdrücke gewählt zu haben,

und ich erlaubte mir daher einige Der Ref.

Dabei verhehlt sich der Verf. die Consequenzen

Dieser . .

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miss.

Menschheit sichern, und seinen Geboten eine höhere Auctorität verleihen werde: „Jesus am Kreuze auf Golgatha ist mächtiger, als er auf dem Throne Israels gewesen wäre." " A Eine andere Consequenz ist diese, dass die Frage über ein künftiges Leben, über welche nach der Lehre des N.Test. durch eine Thatsache entschieden ist, nun nur ein Gegenstand der Speculation, statt unmittelbarer Gewissheit ist. Der Verf. vertraut auf die Fortschritte des Geistes auch in dieser Sphäre der Erkennt„Die Entkräftigung eines Beweises ist noch kein Gegenbeweis." Wenn uns aber auch nichts als der Beweis der Wahrscheinlichkeit bliebe, so schliesst der Vf, „dass Gewissheit über diese Frage dem Men

schen nicht nothwendig, ja nicht einmal wünschens

werth sey, und dass es den Zwecken seines Daseyns

in dieser Welt weit mehr entspreche, über die künf

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tige im Dunkeln, als im Klaren zu stehen." Man kann in diesen entschlossenen Consequenzen den sittlichen Ernst des Verf. unmöglich verkennen und wird ihn selbst bei entgegengesetzten Ansichten achten lernen. Dass er aber auf keine Weise den Reformator spielen will, giebt er deutlich genug zu verstehen, indem er Niemand zumuthet, seinen Christus sich auf gleiche Weise kritisch zu eruiren, und vielmehr zugibt, dass im Allgemeinen Jesus fortwährend als der Christus der vier Evangelien betrachtet werden muss, d. h. eine aus dem Individuum Jesus und den Gedanken und geistigen Interessen der christlichen Kirche combinirte Gestalt. „Indess auch ohne das Gefühl der Wahrheit zu verletzen, glaubt der Vf, können wir bei dem unvollkommen gezeichneten Bilde Jesu als Symbol sitticher Vollkommenheit stehen bleiben. Wenn wir ein vollendetes Bild menschlicher Tugend suchen, so wiszen wir von seiner auf dem Grundsatz der Menschen

ehe beruhenden Lehre, seiner anziehenden Persönlichkeit, seinen erhabenen Entwürfen gerade so viel, um unsern Blick auf den Propheten und Märtyrer von Galiläa zu richten."

Das Buch, als Werk eines Laien, mag Denen, die es anfeinden werden, beweisen, dass das Christenthum in seiner vernünftigen Auffassung gerade mächtig genug ist, auf sittliche Erhebung und Befreiung zu wirken; und denen, die eine unabhängige Ueberzeugung schätzen, wird es eine ebenso erfreuliche Erscheinung seyn, als es dem Ref war.

Schnitzer.

HAMBURG, b. Nestler u. Melle: Beurtheilung der historischen und dogmatischen Kritik von Dr. D. F. Strauss, und meine Kritik der Dogmatik, von Dr. C. Grapengiesser. 1839. XVI u. 174 S. 8. (12 gGr.) In dieser von Geist und philosophischer Bildung ihres Vfs. zeugenden Schrift lässt sich ein junger Mann aus der Fries de Wette'schen Schule über das schon so vielfach besprochene Leben Jesu von Strauss vernehmen, und sucht namentlich den Beweis zu führen, dass Str., indem er „nach Hegel'scher Logik" philosophirt, mit der wahren, d. h. mit der Logik der kritischen Philosophie, wie sie „durch Kant begründet und durch Kant's grössten Schüler, Fries, fortgebildct" sey, in die offenbarsten Widersprüche gerathe. Er ist, damit wir seinen Standpunkt sogleich näher bezeichnen, keineswegs gemeint, die Kritik, für welche ein Unterschied zwischen einer heiligen und einer profanen Geschichte nicht statt finde, in ihrer Anwendung auf die evangelische Geschichte irgendwie zu beschränken, verlangt aber von ihr, dass sie „wissenschaftlich verfahre" und sich namentlich damit begnüge, das Historische von dem Unhistorischen zu scheiden, und, wo ihr eine Erzählung in dem Lichte des Mythischen erscheint, auf dessen Auffindung sie durchaus nicht absichtlich ausgehen darf, die Annahme eines Mythus bloss als Hypothese aufstelle, da sie zu etwas Weiterem nicht berechtigt sey. Was aber die Dogmatik betrifft, so dürfe auf der einen Seite sie selbst der Wissenschaft, und hier insbesondere der historisch-kritischen Forschung, nicht hindernd in den Weg treten wollen, weil sie für eine Wissenschaft durchaus nicht gelten könne (?), in sofern sie, die Heilslehre zu ihrem Mittelpunkte machend (hier vermisst man nähere Erörterung) die Erscheinungen des sittlichen und des religiösen Lebens im Ganzen der Menschheit, wie im Einzelnen, nicht, wie die Geschichte, unter natürlichen Gesetzen, sondern unter den Principe der göttlichen Wirksamkeit betrachte; dürfe es sich auch die Wissenschaft eben so wenig anmaassen, das ihr zugehörige Gebiet überschrei

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und auf der andern Seite

tend(?), der erstern, der Dogmatik, etwas von ihrem Inhalte rauben zu wollen. Der Inhalt der Dogmatik sind nämlich nach der Ansicht des Vfs. blosse Bilder, aber nothwendige Bilder, in sofern sich die göttliche Wirksamkeit (warum ist immer blos von göttlicher Wirksamkeit die Rede?) nicht anders, als in der menschlichen Weise, vorstellig machen lässt. Indem daher jede positive Religion eine solche (bildliche) Anschauung der Geschichte unter dem Principe der göttlichen Wirksamkeit giebt, muss jede positive Glaubensdarstellung (jede Darstellung des Inhalts einer positiven Religion – Rec.) auch nothwendig eine bildliche und die ästhetische Wahrheit die ihr eigenthümliche seyn u. s. w. Nachdem wir hiermit den Standpunkt des Vfs., so gut es in der Kürze möglich war, bezeichnet haben, werden wir uns bei der speciellen Anzeige des Inhalts seiner Schrift kürzer fassen können. Der erste der drei Abschnitte, in welche dieselbe zerfällt (S. 1 – 31), beschäftigt sich mit „Strauss's speculativer Christologie", und thut überzeugend dar, dass Str. sich sehr täusche, wenn er meint, seine Christologie stimme nicht blos mit dem Kirchenglauben überein, sondern genüge auch der Wissenschaft: denn, was die orthodoxe Kirchenlehre betreffe, an welche man hier doch denken müsse, so verlange dieselbe einen persönlichen Christus und könne diesen in einer „blos poétischen Verstreuung der ihm beigelegten Prädikate" nicht finden; und was die Wissenschaft betreffe, so sey Str. unlogisch verfahren und habe überall die wichtigsten, von ihr bestimmt geschiedenen, Begriffe verwechselt und durcheinandergeworfen und suche sie mit einer bildlich unklaren Redeweise abzufinden, worüber viel Beachtenswerthes beigebracht wird.

In dem zweiten Abschnitte (S. 31 – 101 ) geht der Vf. über zu den „ Principien einer historischen und dogmatischen Kritik", und sucht durch Beurtheilung der Str.'schen auf „bestimmtere und logisch richtigere" zu kommen. Er zeigt hier zunächst, wie sehr Str. irre, wenn er von einem Kerne des christlichen Glaubens rede, welcher von seinen historisch-kritischen Untersuchungen völlig unabhängig sey, und darunter nicht philosophische Wahrheiten, sondern historische Sätze, wie von Christi übernatürlicher Geburt, von Christi Wundern, Auferstehung u. dgl. verstehe, und wie seltsam es sey, wenn er einestheils, statt zu untersuchen, ob die Ansprüche der einen Wissenschaft gegen die andere gerecht seyen, indem er sehe, dass das Resultat seiner historisch

I - C. Der Beschluss folgt.)

kritischen Forschungen der theologischen Dogmatik entgegentrete, „blindlings als ausgemacht annehme", dass die Dogmatik, ganz im Widerspruche mit der historischen Kritik, dieselben Gegenstände ihrer Betrachtung doch wieder als historisch anseheu dürfe, und anderntheils, indem er mit der grössten Begriffs

verwirrung den Gläubigen zum Kritiker und diesen

zum Gläubigen mache, die philosophische Wahrheit in Geschichte, und zwar in das Unding einer „in sich reflectirten Geschichte", umwandle. – Steht hier aber der Vf dem Dr. Str., dessen „speculative Christologie" wir übrigens auf keine Weise in Schutz nchmen, nicht viel näher, als er selbst es meint?

Will nicht auch er manche Ansicht der orthodoxen

Dogmatik, welcher die Kritik der Geschichte entgegentritt, wenn auch in anderer Weise, als Str., in einem gewissen Sinne wieder zu einer Art von Geltung bringen? Und wenn Str., wie der Vf. sagt, philosophische Wahrheiten zu einer „in sich reflectirten Geschichte" hat machen wollen, hat er sich dabei nicht vielleicht doch zuletzt blos in der Wahl des Ausdrucks vergriffen, und vielmehr nur der durch seine historisch-kritischen Forschungen erschütterten Geschichte eine allegorische Wahrheit vindiciren wollen, wie sie der Vf, mit vielen Andern der Erzählung von dem Sündenfalle unterlegt? – Zu einer

Verständigung über die wahren Principien zu gelan

gen, geht der Vf, nun auf eine Untersuchung über das „Geschäft der historischen Kritik" ein, und hierbei bezeichnet er, was wir nicht unbemerkt lassen wol

len, den Ausdruck „mythische Auffassungsweise der

Geschichte" als einen fehlerhaft von Str. gewählten, der sich zugleich durch wirkliche Verrückung des beabsichtigten Standpunktes gerächt habe; denn durch denselben sey Str. dazu verleitet worden, statt blos das Historische von dem Unhistorischen zu scheiden, die ganze Erzählung „vollständig zu erklären als sagenhaft entstanden" und auf Auffindung von Mythen förmlich auszugehen. Er unterwirft dann die von Str. (E. J. § 15) aufgestellten Kriterien der nichthistorischen und mythischen Erzählung einer

eindringenden Kritik, und gelangt zu dem Endresul

tate: „Vieles, was (in den Evangelien ) unhistorisch oder historisch unsicher erscheint, lässt sich erklären

als entstanden in sagenhafter Ausbildung schon vor

handener Vorstellungen oder durch sagenhafte Ueberlieferung. Doch bleibt dies immer nur Hypothese der Erklärung, und wie viel Historisches hier oder dort zu Grunde liegen möge, lässt sich keineswegs mit Si

cherheit bestimmen“ (S. 76).

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ALLGEMEINE LITERATUR - zEITUNG

Mai 1840.

S Y M BOL I K.

LEIPzrg, b. Klinkhardt: Collectio confessionum in

ecclesiis reformatis publicatarum. Edidit II. A.

Niemeyer. 1840. LXXXVIII u. 851 S. gr. 8. C2 Rthlr. 12 gGr.)

-- Nach der Regeneration, welche die Symbolik in

Planc's kleine Schrift „Abriss einer historischen und vergleichenden Darstellung der dogmatischen Systeme unserer christlichen Hauptparteien” die Bahn brach, und nach dem erhöheten Interesse, welches sodann für diese Wissenschaft durch die VerhandJungen über die Union angeregt ist, so wie durch die Möhler'sche Symbolik und den durch diese veranlassten Schriftwechsel, – endlich einmal-wieder einen gelehrten theologischen Streit, in welchem die ununterrichteten und blos gesprächigen Polemiker still zu schweigen verurtheilt sind,– hätte man längst erwarten sollen, dass bald für die Zusammenstellung der einzelnen zerstreuten und zum Theil seltenen,

für neue vollständige Ausgaben und Sammlungen aller Symbole der kirchlichen Hauptparteien werde gesorgt werden. Auch fehlte es katholischer und lutherischer Seits nicht an Ausgaben und Abdrücken der sämmtlichen oder einzelner Symbole dieser Fractionen der Kirche. Weniger aber ist hier für die , übrigen, und besonders für die bei weitem bedeutendste unter diesen übrigen, für die reformirte Kirche, geschehen. Freilich rühmen manche Theologen derselben es ihr als einen Vorzug nach, dass die Symbole in ihr niemals in dem Maasse, wie in den übrigen Kirchenparteien, zu einer drückenden Autorität geworden seyen, und allerdings mag sich schon aus der Verbreitung dieser Ansicht ein Theil der Gleichgültigkeit der Reformirten gegen ihre verschie

tung derselben erklären. Allein wenn nicht ein kirch

liches, so hätte doch schon ein gelehrtes und histo

risches Interesse die zahlreichen Theologen dieser in A. L. z. 1840. Zweiter Band.

unserm Jahrhunderte erfahren hat, und zu welcher

aber doch übersehbaren Quellen dieser Wissenschaft,

denen Bekenntnisse, und des Mangels an Bearbci

der Schweiz, England, Holland und Deutschland so verbreiteten Kirchenpartei antreiben sollen, sich auch ihrerseits dieser Arbeit anzunehmen. Oder vielmehr, Wenn es sich auch nur um den historisch bedeutenden Gegenstand, um höchst wichtige kirchenhistorische Urkunden und deren Sammlung gehandelt hätte, wenn auch in der Reformation, sofern sie ausging von dem erhöhten Kraftgefühl der germanischen Nationen, welche nicht mehr unter dem „Fluch des Gesetzes" ihres bisherigen römischen „Pädagogen" bleiben und nicht mehr seine Sprache reden wollten, die Tendenz zur Auflösung der allgemeinen lateinischen Kirche in Nationalkirchen lag, und wenn die hier angestrebte Particularität sich zwar am sichtbarsten in den meistentheils nationalen Symbolen der sog. reformirten Kirche darstellt, aber doch auch in den übrigen, so dass gerade die Zusammenstellung aller Symbole der lateinischen Kirche das vollständige Bild des Grundes geben würde, auf welchem die neueren Nationalkirchen des Abendlandes sich neben einander einzurichten und aufzubauen noch fortwährend beschäftigt sind: so war auch für die Theologen anderer Parteien kein Grund, hier einen so wichtigen Theil des Ganzen, wie die verschiedenen reformirten Symbole gerade hierbei ausmachen, weniger zu beachten und zu bearbeiten. Einiges freilich ist neuerlich auch hier geschehen. Zwei deutsche Bearbeitungen der bedeutendsten reformirten Bekenntnisse sind, die eine von Joh. Jac. Mess (Neuwied 1828 – 30, 2 Bde. ) und die andere von Beck (Neustadt 1830, 2 Bde.) herausgegeben. Schon vorher aber erschienen die meisten auch im Originale in Augusti's Corpus librorum symbolicorum, qui in ecclesia reformatorum auctoritatem publicam obtinue

- runk. CElberfeld 1827. ) Allein auch hier waren be

deutende Schriften, wie Zwinglis 67 Artikel, dessen fidei ratio et erpositio, die Berner Artikel, der consensus Tgurinus und Genevensis, weggelassen, auch die oft so charakteristischen Einleitungen, Zugaben, Unterschriften u. dgl. waren grösstentheils nicht aufgenommen, die Anordnung war nicht so gewählt, dass sie den historischen Entwickelungsgang D

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Desto erfreulicher nun, dass Hr. Prof. Wiemeyer in Halle trotz der Menge und Ungleichartigkeit der Geschäfte, welche ihm seit zwölf Jahren die vom Vater auf ihn übergegangene Direction der Franckischen Stiftungen verursacht (S. XIV), sich dennoch zu einer ebenso mühsamen als verdienstlichen Arbeit entschloss, und dass er sie auf eine so umfassende und preiswürdige Weise vollendet hat. Schon der zu früh verstorbene Moritz Rödiger, dessen ungemeine Akribie für solche Arbeiten aus seinen Zusätzen und Emendationen zum Bretschneiderschen Corpus Reformatorum (Bd. 3) und aus seinen Bemühungen für die späteren Bähde desselben rühmlichst bekannt ist, und daher vorzüglich für dies Geschäft berufen gewesen wäre, hatte sich dazu entschlossen, und bereits einen Plan und Vorarbeiten dazu gemacht. Und so war es besonders auf die Bitte seiner Hinterbliebenen, dass Hr. Dr. Niemeyer die Arbeit dieses seines Jugendfreundes aufnahm; die Vorarbeiten freilich, z. B. Sammlungen von Varianten (s. z. B. S. 3, die Note, S. L – LI u. a.) welche ihm übergeben werden konnten, waren nur gering; hier musste vielmehr Hr. Dr. N. fast alles noch selbst thun, (er rühmt dabei die Hülfe des Candidaten Wichmann im Abschreiben der Texte und im Corrigiren), aber den Plan, den Rödiger entworfen, hat Hr. Dr. M. im Ganzen beibehalten.

Hiernach sind nun 28 Bekenntnisse aufgenommen und in zwei Hauptmassen abgetheilt: 1) funfzehn Hauptbekenntnisse, „ confessiones ac declarationes fidei, quibus consensus ecclesiarum reformatturum constitutus mutatusque probatur"; 2) dreizehn „confessiones ac declarationes fidei, quae sunt secundi ordinis." So ist schon ihrem Umfange nach diese Sammlung vorzüglicher, als eine der früheren, und namentlich als die von Augusti besorgte, des– sen Ausgabe nur achtzehn Bckerntnisse und diese nur nach den so eben bezeichneten Abkürzungen und nur in lateinischen Texten aufgenommen hat. Wie sie sich aber auch sonst vor den früheren aus

zeichne, wird eine Beschreibung des Verfahrens ih

res Herausgebers bei den einzelnen Bekenntnissen ergeben, welches dieser auch selbst in den lelir

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Judä ins Lateinische übersetzt wurden. Ueber die verschiedenen Ausgaben des deutschen Textes und der lateinischen Bearbeitung sind S.XVI bis XXII genaue Untersuchungen angestellt, aber einige Punkte noch unentschieden gelassen, deren Erledigung Hr. D. Wemeyer den schweizerischen Gelehrten überlässt (S. XXII). Er selbst hat den deutschen Text aus einer der Ausgaben abdrucken lassen, welche kurz nach der Disputation zusammen mit der Vorschrift des Rathes von Zürich an die Geistlichen, und mit dem „AbScheyd und Beschlusss uf obgemelte Artickcl und beschrieben Disputation von eim ersamen grosszen Rath Zürich, das Evangely frey on menschen Zusatz zu predigen," in Quart erschienen, und hat die Varianten, welche die Schuler – Schulthessische Ausgabe der Werke Zwinglis ergab, unter den Text gesetzt, und die lateinische Uebersetzung daneben gestellt, So wie diese 67 Artikel Zwinglis als eine nachher vom Staate adoptirte und unterstützte Erklärung hier aufgenommen zu werden verdienten, so auch und aus demselben Grunde 2) die Sehn Thesen, welche Berthold Haller und Franz Kolb für die vom Rathe zu Bern veranstaltete Disputation im Januar 1528 entwarfen, und welche schon vor dem Gespräch auf Zwinglis Betrieb in Zürich gedruckt, nachher in den unter öffentlicher Autorität herausgegebenen Acten der Disputation mit erschienen. Noch in J. 1549 verweigerten die Berner den Beitritt zum Consensus Tigurinus, weil Sie nach ihrer „Disputation" ein neues Bekenntniss entbehrlich fanden, s. S. XLIV. Hr. D. M. hat den deutschen Text aus der im April 1528 zu Züricherschienenen Ausgabe dieser Acten abdrucken lassen, und eine lateinische Uebersetzung derselben aus der von dem Berner Professor Christoph Luthard im Jahre 1560 zu Bern herausgegebenen Erklärung ünd Vertheidigung der Thesen daneben setzen lassen. Dann lässt er 3) die Fidei Ratio, welche Zc zur Zeit des Reichstages zu Augsburg unterm 3. Juli 1530 an den Kaiser Karl V. richtete , und 4) Zwinglis Fidei Brpositio, welche dem König Franz I. von Frankreich bestimmt war, ebenfalls vom Jahre 1530 9 fogen. Erstere wurde noch im J. 1530 gedruckt, und später öster, und namentlich in der Ausgabe der Wer

und welche nachher wenigstens grösstentheils von Leu

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