Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

die Voranstellung des von dem nachgestellten Substantiv regierten Nomens (6a tt t tou öv Ötöaxjg) eine hier „sehr störende Trajection” nennt, so hat er übersehen, dass auf Buttouáv der Nachdruck ruhet (lasset uns nicht nochmals Grund legen mit Unterricht über Taufen, deren Sinn und Bedeutung bei dem ersten christl. Elementarunterrichte erörtert wird) und dass diese Stelle S. 177 unter Anm. 4 hätte aufgeführt werden sollen. – Dass Äußguáoua in der Bibel etwas Anderes, als bei den Profanschriftstellern bedeute, hätte nicht behauptet werden sollen. Es soll nach Hn. Dr. Br. 1) ÄußguuäoGai ty irasci alicui, animo valde commoto alicui aliquid interdicere heissen. Diess ist sehr wahr und dem griech. Sprachgebrauche gemäss. Vom Zorne (einem zürnen) steht das Verbum Marc. 14, 5 und von der Aeusserung des Zorns durch Dräuen (jemanden bedrohen, ernstlich bedeuten ) Matth. 9, 30. Mr. 1, 45, Symm. Jes. 17, 13. Aber Hr. Dr. Br. fügt hinzu: 2) AußgtuäoGa to tvstuart Joh. 11, 33 et éuß9. év Favrs ibid. v. 38. animo graviter move or, de indignantibus, item de dolen tibus (?): moerore per cellor. Der Vf, hat nicht gesagt, ob das Verbum in den Johanneischen Stellen nach seiner Meinung auf Zorn, oder Traurigkeit zu beziehen sey, aber doch für Äußgtuáouuu, die Bedeutung traurig seyn angenommen. Ueberall drückt Egium mit seinen zahlreichen Derivaten (fotóoua , Goudoua, ußgtadouat, oßgurua, uéguyog, 7gogogogotáouat u. s. w.) Zorn, nirgends Traurigkeit aus. Dass aus der Uebersetzung der LXX von 2 S: Genes. 40, 6 durch retagayuévot (cod. Aler. Äußgagoöuevo ) Erschütterte und E-D27 E":D Dan. 1 , 10 durch 7tgóotota ox v 3 gott d, worauf sich der Vs. wieder beruft, die Bedeutung traurig seyn für ÄußgtuäoGau nicht folgt, hat schon Dr. Luecke zum Joh. II, 387 gut bemerkt, aber sich zur Feststellung jener Bedeutung vergeblich darauf berufen, dass an im 0 fremere und erectum gaudio fremere gesagt werde. Denn man kann sowohl bei sich (intus), als auch ore Virg. Aen. I, 559 murmeln, und eben so gut aus Freude (Liv. 6, 6. 10, 14), als aus Indignation diess thun. Nur theologisches Vorurtheil hat für Äußgtuäoôat die Bedeutung traurig seyn und für unsfo3a die Bedeutung zornig seyn (s. Fritzsche ad Matth. p. 490) ersonnen, weil man nach theologischen Präsumtionen an manchen bibl. Stellen anstatt des Zorns Traurigkeit und an andern wieder anstatt der Traurigkeit Zorn haben musste!! Joh. 11, 33 ist zu übersetzen: Jesus nun, als er die Maria und die mit ihr gekommenen Juden

(v. 31) weinen sah, wurde unwillig im Geiste und (wodurch er äusserlich seinen Unwillen hervortreten liess) schüttelte sich und sprach: wo habt ihr ihn denn hingelegt?) und v. 38: Jesus nun (nachdem er das v. 37 zuletzt erwähnte Urtheil der ungläubigen Juden vernommen hatte ) ward wiederum zornig bei sich und kam zum Grabe. Worüber zürnet nun Jesus Joh. 11, 33? Ueber den in Thränen, durch welche man den Lazarus als einen wirklich von den Lebenden getrennten Todten, den der Thaumaturg nicht auferwecken könne, erklärte, sich äussernden Unglauben Marias und der Juden. Niemand, der mit unbefangenem Sinne die ganze Erzählung zu erwägen im Stande ist, wird diess in Abrede nchmen. Der 4te Evangelist zeichnet Jesum, den menschgewordenen Logos, als einen grossen Thaumaturgen, welcher unter der Voraussetzung, dass ihm tiotug entgegenkommt, die grössten Wunder zu verrichten vermag, aber sich auch im Bewusstseyn seiner göttlichen Majestät durch dottotia, durch den geringsten Zweifel an seiner Herrlichkeit und durch den entferntesten Schein eines Eingriffs in seine Hoheitsrechte stark verletzt fühlt. Weil ohne zaotug kein Wunder vollzogen werden kann, muss Martha vor allen Dingen bekennen, dass sie glaube, der Thaumaturg sey der Sohn Gottes (v. 25 – 27 ). Die Aeusserung: der Leichnam duftet schon; denn er ist vier Tage alt wird von Jesu v. 40 der Martha verwiesen, weil er änuotiav oder doch wenigstens schwache 7totuv zu verrathen scheint. So beleidigen Jesum auch v. 33. 34 die über den Tod des Lazarus von der Maria und den Juden vergossenen Thränen, weil sie entweder Misstrauen in Jesu Wunderkraft, oder mindestens Gedankenlosigkeit beurkunden, bei welcher man unbeachtet gelassen hat, dass eben der Sohn Gottes gegenwärtig sey, welcher den Lazarus auferwecken könne! Von Neuem wird Jesus v. 38 über das Urtheil der ungläubigen Juden v. 37 unwillig: konnte nicht dieser Mensch, welcher den Blinden sehend machte, auch diesen Todten vor dem Tode bewahren? Denn durch dasselbe wird Jesu thaumaturgische Thätigkeit geradezu bezweifelt und für Gauckelei ausgegeben; man vgl. noch Joh. 2, 4. 4, 48. 6, 61. 67 und Strauss L. J. II, 160 f. 3te Aufl. Durch nichtige Ausflüchte hat man den Zorn Jesu v. 33 und 38 in Schmerz und Wehmuth zu verkehren gesucht. So sagte man z. B. Joh. 11, 33. 38 könne von Zorn nicht die Rede seyn, weil der Dativ der Person fehle; denn man glaube bemerkt zu haben, dass, wenn Äußgtuäoda bestimmt zürnen bedeute, dann in der Regel der Dativ der Person, welcher man zürne, dabei stehe (durfte nicht Äußouäo3at, wie ögyi so Gat Ephes. 4, 26, absolute gesetzt werden? war die Angabe der Personen, auf welche Jesus zürnte und des Grundes,

[graphic]

warum er ihnen zürnte, da erforderlich, wo der Con

text schon Beides ergab?): die Frage v. 34 toi teGexars aöróv: sey nur im Tone der Wehmuth verständlich (sie lässt sich eben so gut als imperatorische Frage des entrüsteten Thaumaturgen auffassen, und ob sie in dieser oder jener Weise zu nehmen sey, ist theils nach dem Bilde, welches im 4ten Evangelio überhaupt vom Gottessohne entworfen wird, theils nach dem Geiste der ganzen Erzählung zu entscheiden): die Thränen, welche Jesus v. 35 vergiesset, schlössen den Unwillen aus. Aber 1. liegen zwischen Jesu Zorn v. 33 und seiner Wehmuth v. 35 gewiss mehrere Minuten; denn unwillig war er an dem Orte, wo mit ihm die Martha zusammengetroffen war, (v. 33, vgl. v. 29.30) und Thränen vergoss er auf dem Wege zu Lazarus Grabe v. 35. 38; 2. ist es nicht ausfallend, dass die Gefühle bei Jesu wechseln: entrü– stet ist er im Bewusstseyn seiner Herrlichkeit als der Gottessohn, an welche von denen, welche den verstorbenen Lazarus als einen dem Todtenreiche unwiederbringlich Anheimgefallenen beweinen, nicht gedacht wird, als Mensch weint er menschlich beim Andenken an den in der finstern Nacht des Todes sich eben befindenden Freund Joh. 11, 3. 11.36; 3. wird der mit dem Geiste und der Weise des 4ten Evangelisten hinlänglich Vertraute und dabei Unbefangene kaum verkennen, dass Jesu Thränen v. 35 dem Evangelisten die erwünschte Gelegenheit geben, die Juden theils Glauben, theils Unglauben äussern zu lassen: Jesus muss weinen v. 35, damit die Juden ihre Zuneigung zu ihm v. 36 und ihre Abneigung gegen ihn v, 37 auszusprechen Veranlassung haben. Es ist nämlich Manier des 4ten Evangelisten, bei merkwürdigen Aeusserungen oder Handlungen Jesu zu berichten, auf den einen Theil der Anwesenden hätten dieselben einen günstigen, auf den andern einen höchst ungünstigen Eindruck gemacht, vgl. z. B. 10, 20 f.; 11, 45 f. Endlich hat man noch gesagt, der sonst so milde Herr würde sehr hart erscheinen, wenn er der Maria und den Mitweinenden es übel genommen hätte, dass sie in ihrem Glauben an ihn und an das grosse Wunder seiner Macht nicht stärker und fertiger waren. Es ist nicht das Richtige, seine Vorurtheile über Jesu Gesinnung und Stimmung als Exeget dem Evangelisten aufzudringen, sondern man hat unbefangen das Bild von Jesu in sich aufzunehmen, welches der Evangelist von ihm entworfen hat. Es ist aber Jesus nach dem 4ten Evanglisten keineswegs der gemüthliche und menschlich milde Herr, dessen Bild man zur Erklärung des 4ten Evangelii mitbringt, um es diesem Evangelio als Erklärer aufzudrücken, sondern der sich seiner Herrlichkeit bewusste Gottessohn, welchen der

geringste Zweifel an seiner Majestät stark verletzt; vgl. oben. Wie weit sich übrigens theologisches Vorurtheil verirren kann, ist besonders daraus zu ersehen, dass man Joh. 11, 33, um nur Jesum in Wehmuth anstatt in Zorn zu versetzen, xa ?rägaševéavröv (und er schüttelte sich) der Sprache zum Trotz so viel als xa éragáxôm rztveüuat Joh. 13, 21 bedeuten licss!!

Auch nach dem verdienstlichen Werke des Hrn. D. Br. ist in der n. t. Lexicographie noch viel zu thun übrig. Die Fortschritte der classischen Philologie, von welcher die biblische immer abhängig bleibt, werden der n. t. Lexicographie auch in Zukunft zu gute kommen. Jemehr sichere Resultate die n. t. Kritik und Exegese im Einzelnen liefern wird, desto mehr werden sich die lexicalischen Zweifel mindern: je eifriger man fortfahren wird, Licht und Ordnung in das bei /Yetstein u. A. unkritisch aufgehäufte lexicalische Material zu bringen, die patristische Erklärung, welcher man zeither meist als einer untrüglichen Auctarität auch das Unglaubliche glaubte, einer philologisch-historischen Kritik zu unterwerfen, das, was theologisches Vorurtheil ersann, in seiner Grundlosigkeit darzustellen und die nicht ganz geringe Anzahl räthselhafter Wörter des N. T. aufzuklären (was, da in Handwörterbüchern kein Raum dazu ist, in Thesauris N. T. geschehen muss), desto Genaueres und Richtigeres werden unsere n. t. Lexica geben können, desto mehr Licht und Znsammmenhang wird in sie kommen, desto leichter wird den Anfängern die Erlernung des n. t. Idioms werden. Wenn man sich endlich noch mehr gewöhnen wird, als Lexicograph vor allen Dingen die ganze Geschichte des zu behandelnden Worts gründlich zu studiren, dann wird man die Bedeutungen der Worte in dem Zusammenhange darstellen, in welchem sie sich historisch auseinander entwickelt haben und von der Meinung zurückkommen, die richtige Anordnung der Bedeutungen sey nur Sache eines scharfen logischen Denkens, nicht aber des Studiums. Immer deutlicher werden gründliche historische Caposterioristische) Entwickelungen zeigen, wie weit jene aprioristischen sich von der Wahrheit entfernt hatten. Was in der n. t. Lexicographie noch zu leisten übrig ist, übersteigt weit die Kräfte des Einzelen; nur durch das Zusammenwirken Vieler kann das grosse Werk wesentlich gefördert werden, Jeder, auch der kleinere, Beitrag muss willkommen seyn; doppelt willkommen aber das tüchtige, aus gründlichen Studien hervorgegangene, Werk des ehrwürdigen Hn. Vfs. Möchte es ihm vergönnt seyn, die Früchte seiner fortgesetzten lexicalischen Studien nach einiger Zeit in einer neuen Aufl. seines Handwörterbuchs dem Publico mitzutheilen!

Rostock. Dr. C. F. A. Fritzsche.

[graphic]

LITERATUR - zEITUNG

Junius 1840.

M E D 1 c 1 N. Brunnen- und Badeschriften.

Seit den Mittheilungen des Ref. in diesen Blättern (vgl. ALZ. 1839 May Nr.84–90) erschienen wieder eine Menge von Bade- und Brunnenschriften verschiedenen Gehaltes und Ref bemüht sich, unseren Lesern eine Analyse derselben zu geben.

I. Schriften allgemeinen Inhalts, Lehrbücher - Tl. S. W. 1) BERLIN, b. Förstner: Die Heilquellen Europas, mit vorzüglicher Berücksichtigung ihrer chemischen Zusammensetzung nach ihrem physikalischen und medicinischen Verhalten dargestellt von J. F. Simon, Dr. Philos. u. s. w. 1839. XXII u. 265 S. gr. Lex. Oct. (1 Rthl. 16 gGr.)

Für Aerzte, öhemiker und Pharmazeuten , die sich mit der Lage der Bäder, Zusammensetzung der Quellen, ihren physikalischen Eigenschaften und Wirkungen bekannt machen wollen, lieferte der Vf, wie er Sagt, einen nützlichen und gewiss willkommnen Beitrag. In einzelnen Klassen stellt er die Heilquellen der verschiedenen Länder tabellarisch zusammen. CFulda figurirt unter den Ländern! – Besser hätte der Verf. gethan, wenn er gar keine Seebadanstalten angegeben hätte, als so unvollkommen! Die freien Reichsstädte haben nicht eine, sondern 2; Holstein nicht 2 sondern 6 u. s. f. Frankreich soll nur 2 Secbäder und England, Schweden, Italien, Portugal, Spanien, Griechenland und Russland gar keine haben? Ref.) Dankenswerth ist die Reduction aller Analysen auf das Gewichtsverhältniss von 16 Unzen und Granen preuss. Medizinalgewichts. – Die analytischen Tabellen enthalten den Namen des Mineralwassers nach dem Alphabet, die geographische Lage, den Namen des Analytikers (ohne Jahreszahl der Analyse), das specifische Gewicht, die Temperatur (nach Réaumur), den Inhalt der Gase nach Kub. Zollen, die Summe der festen Bestandtheile und diese selbst. Von ihnen werden aufgeführt: schwefelsaures Natron, schweA1. L. Z. 1840. Zweiter Band.

fels. Magnesia, schwefels. Kalkerde, Chlornatrium, Chlormagnesium, Chlorcalcium, kohlensaures Natron, kohlens. Magnesia, kohlens. Kalkerde, kohlens. Eisenoxydul, kohlens. Manganoxydul, Kieselsäure, Humus und Extractivstoff. In den Anmerkungen findet sich die Klasse (der Vf, hat deren 7: 1) Thermen über + 159 R., 2) Schwefel –, 3) Jod – und Brom-, 4) Eisen-, 5) Kochsalzwasser, 6) Glauber – und Bittersalzquellen und 7) alkalische Mineralwasser und Säuerlinge), die geognostischen Verhältnisse der Umgegend, die physikalische Beschaffenheit der Quelle, die Bestandtheile, welche nicht in der Tabelle aufgeführt wurden und die Wirkung des Mineralwassers auf den menschlichen Körper angegeben.– Von allen Ländern ist Frankreich am schlechtesten weggekommen, indem dessen neueste Heilquellenliteratur gar nicht berücksichtigt wurde. Eine grosse Menge nicht unbedeutender franz. Badeorte fehlen ganz. Von deutschen Heilquellen hat Ref. keine vermisst, obschon sich bei einigen kleine Unrichtigkeiten eingeschlichen haben. Diese und die vielen Druckfehler mögen bei einer neuen Auflage berücksichtigt werden. –

2) LEIPzIG, b. Barth: Allgemeine und specielle Heilquellenlehre (,) oder hydrologische und balneographische Tabellen von G. W. Schwartze, der Phil. und Med. Dr., prakt. Arzte zu Leipzig und mehrerer gelehrten (r) Gesellschaften Mitgliede. Erste Abtheilung. Allgemeine Heilquellenlehre (,) oder naturhistorische und physiologische Abhandlung über die Heilquellen im Allgemeinen, ihre Entstehung, Eintheilung, physikalischen, chemischen und dynamischen Beziehungen, künstlichen Nachbildungen, so wie über die bei dem Gebrauche derselben zu beobachtenden diätetischen Vorschriften. Zweite Abtheilung. Specielle Heilquellenlehre () oder systematisch geordnete Darstellung der Gesundbrunnen, Mineral-, See- und Moorbäder, ihrer topographischen, physikalischen und geognostischen Eigenschaften, chemischen Bestandtheile, Heilkräfte, ärztlichen Anwendung, Vorsichtsmaassregeln und Gegenanzeigen in tabellarischer Form. B b

[graphic]

Auch unter dem Titel:

Pharmakologische Tabellen (,) oder systema

tische Arzneimittellehre in tabellarischer Form. Zum Gebrauche für Aerzte, Wundärzte, Physici, Apotheker und Chemiker, wie auch zum Behufe akademischer Vorlesungen entworfen von G. W. Schwartze u. s. w. Zweiter Theil. 1839. fol. Erste Abtheilung XVI u. 220 S. und Zweite Abth. VIII und 339 S. (8 Rthl.) Der Verf. will mehr die eigentlich praktische Seite der Mineralquellen, d. h. ihre Einwirkung auf den Organismus, ihre Anwendung und Contraindicationen bearbeiten, besonders sich auf Osann's Werk (Aufl. I)

stützend. – Die allgemeine IIeilquellenlehre betrach

tet der Vf, vom physiographischen, chemischen, dynamischen und pharmakologischen Gesichtspunkte. Hinsichtlich der Definition der Heilquellen ist der Verf. nicht glücklicher als seine Vorgänger, weil Charlatanerie und Mode manche Quellen zu einer Zeit als Heilquellen aufführen, die es zu einer anderen, nüchterneren nicht sind. Ueber die physikalischen Eigenschaften, geographische Lage und Ursprungsformation, Entstehung, Bildung, qualitative Verschiedenheit, Temperatur und die von einigen Naturforschern (?) angenommene, höhere organische Natur der M. Q.theilt der Vf, die gangbaren Ansichten mit, indem er, sich auf Wetter stützend, mehr den nüchternen Naturbeobachtern folgt. Später verlässt er aber diese Bahn, indem er jedem Mineralwasser einen eigenthümlichen, nicht blos durch die Bestandtheile und die Temperatur des Wassers selbst, sondern auch durch klimatische, atmosphärische und tellurische Einflüsse (?) bedingten Charakter ertheilt. Indessen soll auch das quantitative und qualitative Verhältniss der einzelnen Bestandtheile der M. Q. zu gewissen Tages- und Jahreszeiten, durch atmosphärische und vulkanische Ereignisse mancherlei Veränderungen und Abweichungen erleiden, die jedoch dem Hauptcharakter keinen besonderen Eintrag thun und nur in ärztlicher und wissenschaftlicher Beziehung nicht ohne wissenschaftliches Interesse seyn sollen (!). – In der chemischen Abtheilung giebt der Vf, die einzelnen Bestandtheile der Mineralwasser an und klagt über die Unzuverlässigkeit der chemischen Analysen. Der dynamische Theil enthält Bruchstücke aus der Geschichte, die durch Wetter, Wichelhausen und Ritter ergänzt und berichtigt werden konnten, betrachtet Wasser und Luft in therapeutischer Beziehung, den Einfluss der Atmosphäre auf den Organismus, die Wirkung der Witterung, Temperatur und Jahreszeit bei Brunnenkuren

[blocks in formation]

Ausdünstung mitgerechnet, aufgenommen. Ref), folglich C?) in einem gewöhnlichen Soolbade ungefähr 4, Quentchen Kochsalz in die organische Mischung ge langen, beim innerlichen Gebrauche eines Mineralwassers ausserdem noch drei bis vier Pfunde durch die Verdauungsorgane, ohne die auf anderen Wegen namentlich durch die Lungen aufgenommnen Stoffe in Anschlag zu bringen; so lässt sich schon daraus auf die bedeutende Einwirkung schliessen, welche durch Anwendung von Bädern und Gesundbrunnen im thierischen Organismus hervorgebracht werden müssen." (Wie die Prämissen, so die Folgerungen!)– Hier sind auch die Brunnen – und Badekrisen besprochen. Die einfachsten physiologischen Verrichtungen des Organismus werden durchgenommen, um die physiologische Wirkung des innerlichen Gebrauchs der M. Q. auf einzelne Organe und Systeme zu erörtern. Dann kommen pathologische Erscheinungen an die Reihe, bei denen willkürliche Annahmen nicht selten sich finden. In den folgenden Paragraphen handelt der Verf. von den M. Q. als prophylactische Mittel, als Heilmittel und als Nachkur. – Die Eintheilung der M. Q. ist nach der ersten Ausgabe Osann's. – Ueber die Anwendung und Gebrauchsweise der Mineralwässer ist Vieles mitgetheilt, was nach Ref in den speciellen Theil gehört. Zweckmässig sind die Regeln zur Vorbereitungskur angegeben und ihre Befolgung wird häufig die Brunnenkur unnöthig machen. Sie rathen: „die Lebensweise zu regeln, damit die Gesetze der Natur in derselben nicht länger übertreten werden; die ersten Wege zu reinigen und überhaupt den Körper zur Aufnahme und Verdauung der mineral. Wasser zu stimmen.“ – Wie und an welchen Theilen des

[merged small][merged small][ocr errors]
[graphic]

Jahreszeit und verwirft die Ansicht Heyfelders, dass man mit der angezeigten Kur nicht zögern solle. Ref. ist immer dieser Ansicht gewesen und hat sich auch durch die Gründe des Verf's. von deren Schädlichkeit nicht überzeugen können. Des Vf's hauptsäch

"lichster Grund ist: dass der Einfluss der Witterung"

und Jahreszeit nicht ohne bedeutenden Einfluss auf die Natur und Beschaffenheit der Heilquellen selbst ist und dass zur Zeit des Frühlings und der wiedererwachenden Natur auch in den Tiefen der Erde Veränderungen vorgehen, welche sich zum Theil auch an den Mineralbrunnen beurkunden (?); ja der Vf, behauptet sogar, dass mehrere kohlensaure und eisenhaltige Gesundbrunnen, dergleichen auch die Bitterwasser erst im Frühjahre ihren vollkommen geistigen (?) Gehalt wieder gewinnen, welcher gegen den Herbst zu abnimmt und im Winter am wenigsten sich offenbart. Wo mag der Vf, diese Beobachtungen gemacht haben? – Wie verhält sich der geistige Gehalt der natürlichen Mineralwasser zu dem der künstlich bereiteten, von denen der Vf. sagt, dass sie im Wesentlichen mit jenen nicht nur gleiche Wirkung, sondern sogar noch (10 angegebene) Vorzüge vor den natürlichen haben? – Die Angabe der Diät bei Brunnen- und Badekuren beschliesst die erste Abtheilung. – Der II. Theil zerfällt in einzelne Spalten. Die erste giebt den Namen; die 2te, der physiographische Theil: die geographische Lage, die sinnlichen Eigenschaften, die natürliche Beschaffenheit; die dritte, der chemische Theil: die Qualität und Mischungsverhältnisse der darin enthaltenen Bestandtheile; die vierte, der dynamische Theil: die Wirkungsart, Heilkräfte, specielle Anwendung, Vorsichtsmassregeln und Gegenanzeigen, und die fünfte, der katagraphologische Theil; die Gebrauchsweise, verschiedenartige Form, Zumischungen u. s. w. – Die Bearbeitung ist sehr ungleich, so ist z. B. über Baden-Baden weniger gesagt, als über so manchen höchst unbedeutenden Badeort. Die Literatur reicht im Texte bis zum Jahre 1837 (bei Wiesbaden noch nicht einmal), während sie bei den ohne Ordnung gegebenen Nachträgen bis in das J. 1838 und in den Anmerkungen zu dem sehr guten Register, ohne welches der specielle Theil kaum zu gebrauchen wäre, zuweilen in das J. 1839 eindringt. - Man kann dem Verf. nicht den Sammlerfleiss absprechen, aber durchaus den Sinn für Sichtung und Ordnung. Daher die häufigen Wiederholungen, desshalb die ebenso häufigen Widersprüche im ersten Theile. Der Hr. Verf. hätte mehr arbeiten und weniger sammeln sollen.

3) LEIPzIG, b. Kummer: Die Mineralquellen in der Matur und in Dr. Strure's Anstalten, das gewöhnliche Trinkwasser und mehrere Arzneistoffe. Zur Vermittelung der Extreme in der Heilkunde für Aerzte und Nichtärzte von Th. Stürmer, Med. u. Chir. Dr., russ. Militärarzte in Warschau, Ritter u. s. w. 1839. XVI u. 188 S. gr. 8. (1 Rthl.) Der unseren Lesern bekannte Hr. Vf. wünscht von der Warschauer mcd. Gesellschaft sich als Brunnenarzt an der Struve'schen Trinkanstalt zu Warschau bestätigt zu sehen, weil die Hausärzte selten Zeit und auch wohl nicht die Kenntnisse besitzen, eine Brunnenkur ihrer Kranken zu leiten. Die Gesellschaft soll die Krankengeschichten sammeln und die Kuren selbst mit controliren. – In der ersten Abtheilung seiner Schrift giebt der Vf, die Bedingungen zum glücklichen Erfolge der Brunnenkuren (mit natürlichen und künstlichen Mineralwassern, die sich nicht unterscheiden) an und zeigt die Nachtheile der unzweckmässigen Einrichtungen an Brunnenorten für die Kranken und deren oft zweckwidriges Verhalten. Dass es bei solchen Schilderungen über Brunnenärzte und schlechte Aerzte hergeht, wird jeder, der den Verf. aus seiner frü–

heren Schrift kennt, auch ohne Versicherung des Ref.

glauben. Das Bild eines guten Brunnenarztes und der folgsamen Brunnengäste wird wie deren verschiedenartige Krankheiten skizzirt; ja er giebt den Kranken 10 unumgänglich wichtige Gebote, die aber schwerer gehalten werden können als die 10 des Moses. In zierlicher Redeform entwirft der Verf. das Bild eines Tages der Brunnen – und Badekur mit seinen Abschnitten und Vergnügungen in Warschau. – Die zweite Abtheilung beschäftigt sich besonders mit der Wahl des Kurortes für einen Kranken. Häufig bemerkt man, dass der Vf, unter Worten seine Ungewissheit und sein Schwanken zu verstecken sucht. Er hat aber auch eigenthümliche Ansichten von den M. Q. z. B. sind nach ihm in Europa mehr als 100 Quellen, die ähnliche Kräfte wie Karlsbad, Pyrmont und Aachen besitzen u. s. w. Was sollen Laien für einen Trost haben, wenn der Vf, sagt: „Erst wenn die Kranken eine Zeit lang getrunken oder gebadet haben, nachdem sie und die Nebenumstände nach bester Einsicht vom Arzte geleitet worden, nachdem sich eine bestimmte Wirkung zum Schlimmern oder Bessern offenbarte – erst dann (!) können wir mit einiger Sicherheit auftreten und einen Schluss ziehen, ob diese Methode fernerhin bei diesem Kranken sich heilsam erweisen, ob unser Unternehmen auch glücken wird. Nur die Struve'schen Institute lassen solche Versuche mit Menschen

[graphic]
« ZurückWeiter »