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Abschnitten, wenn Rec. sich nicht verrechnet hat) behandelt und jedem einzelnen Abschnitte etwas Einleitendes über den Inhalt voraufgeschickt. Wir billigen dies ganz, sagen aber damit nicht, dass überall recht eingetheilt worden wäre. Vielmehr will es uns bedünken, dass manchmal Partien zusammengezogen worden sind, welche zu trennen waren. Dahin gehört es z. B., wenn die Ermahnung zur Wohlthätigkeit Kap. 11, 1–6 und die Ermunterung zu frohem Lebensgenusse Kap. 11, 7 – 12, 7 in Eins vereinigt worden; hier war zu trennen, wenn irgendwo. Desgleichen war es unpassend, die mehr theoretische Doktrin von der Schlechtigkeit der Weiber Kap. 7, 25 – 29 mit der praktischen Anweisung zu politisch-weisem Verhalten Kap. 8, 1 ff. zu einem Ganzen zu verbinden; die Verschiedenheit der Gegenstände verlangte sicher Trennung. Andrerseits ist auch Manches von seinem Zusammenhange losgerissen worden, z. B. Kap. 7, 23 – 24, welche beiden Verse bloss den Schluss zu Kap. 7, 1 – 22 bilden. Denn dass Fr-22 in Vers 23 nicht bloss auf das Nächstvorhergehende sich beziehe, wie am Natürlichsten angenommen wird, sondern auf alles Vorhergehende von Kap. 1, 14 an, war erst zu erweisen. Und so könnte und würde Rec. noch andre Beispiele anführen, wo ihm der Vf. ungehörig abgetheilt zu haben scheint, fürchtete er nicht, seinen Bericht über die gesteckten Grenzen hin auszudehnen.

Die Erklärung und Auslegung des Textes selbst anlangend, hat der Vf, welcher gute Kenntnisse und Scharfsinn besitzt, so wie Fleiss und Sorgfalt, – nur in Betreff der Gedankendarlegung wäre oft ein weiteres Eingehen nöthig gewesen – angewendet hat, nach gesunden Prinzipien interpretirt und dahe meistens das Rechte getroffen. Indessen scheint sein an sich lobenswerthes Streben nach Selbstständigkeit ihn hier und da verleitet zu haben, neue Wege einzuschlagen, wo die alten sicherer waren, so wie es ihm auch an der erforderlichen philologischen Durchbildung und an geübtem exegetischem Takte noch fehlt, weshalb denn viel Verfehltes mit untergelaufen ist. Jene Anerkennung mag man uns aufs Wort glauben; diese Ausstellung belegen wir mit einigen Beispielen, Kap. 1, 8 übersetzt Hr. H.: „Die Dinge mühen sich ab" d. h. streben unablässig nach Veräjderung und sind unersättlich, z. B. Auge und Ohr. Gewiss eine falsche Deutung, da sie den Zusammenhang mit dem Vorhergehenden gegen sich hat,

Hier nämlich lehrt Koheleth gerade, dass die Dinge (Sonne, Wind, Flüsse) unaufhörlich und unermüdlich denselben Kreislauf machen; wie konnte er denn gleich hinterher die an sich sonderbare und sonst nicht bei ihm vorkommende Behauptung aussprechen, dass die Dinge durch ihren Lauf ermüdet würden. Auch die Unersättlichkeit des Auges und Ohrs, wenn wir diese letzteren mit zu jenen Dingen rechnen, steht entgegen, sofern Ermüdung keine Eigenschaft unersättlichen Strebens ist. Indessen stellt KohelethAuge und Ohr gar nicht in die Reihe jener Dinge, sondern führt sie bloss als Organe für die Wahrnehmung der Dinge an, hätte also, falls von jenen, doch noch nicht von ihnen Ermüdung behauptet, Die Uebersetzung von Kap. 1, 15: „Krummes kann nicht grade werden", wird Rec. so lange für falsch halten, bis erhärtet seyn wird, dass pro s. v. a. grade seyn heisst. Es ist zu übersetzen: Verkehrtes kann nicht recht werden, wofür auch die LXX: ötsorgauuévov oö Övvjoera ZrtuxoouyGjvat. Wenn ferner Hr. II. Kap. 2, 12 gibt: „Denn was ist der Mensch, der hinter dem Könige kommen wird? das, was man längst gethan hat”, so bürdet er Koheleth eine grosse Inconcinnität auf. Wollte er in der Frage ein „ist” ergänzen, so musste er in der Antwort ein „gewesen ist" haben. Nun hat aber die Antwort den Begriff „thun", folglich gehört in die Frage, wo einmal ergänzt werden muss, auch dieser Begriff, eine Ergänzung, welche nicht die geringste Schwierigkeit hat. Kap. 10, 3. übersetzt der Vf.: Der Thor „sagt zu Allen, dass er ein Thor ist". Aber das thut der Thor gerade nicht, indem er vielmehr sich für gescheidt hält. Warum also nicht die sichere und allein passende Ueberträgung: er spricht zu Allem: das ist thöricht! Wenn, endlich Hr. H. Kap. 11, 8. der Mensch mache sich Freude in seinem ganzen Leben „und bedenke, dass der Tage der Finsterniss viel seyn werden" unter den Tagen der Finsterniss die Unglückstage im Leben des Einzelnen, besonders des Greises, versteht, so schiebt er seinem Autor wiederum etwas Unpassendes zu. Denn Koheletl konnte nicht so ganz allgemein jedem Menschen viel Unglück androhen. Offenbar ist also mit den finsterh Tagen der ewige Aufent« halt des Menschen in der finstern Unterwelt, ents gegengesetzt der kurzen Wallfahrt auf der heiteren Oberwelt, gemeint. Darauf weisen auch die fol

genden Worte: Alles, was kommt, ist nichtig.

(Der Beschluss forgt.) : . . .

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ALLGEMEINE LITERATUR - zEITUNG

JuniuS 1840.

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Um das vorher ausgesprochene Urtheil weiter zu rechtfertigen, mögen noch einige philologische Fehlschüsse angeführt werden, welche der Vf, gethan hat. Ein solcher Fehlschuss ist es, wenn Ero Kap. 8, 11 nach einer Rad. »np="no auslegen s. v. a. Deutung, Auslegung bedeuten soll und gar durch „Strafe" übersetzt wird, denn a) ist jene Rad. fingirt; 5) gibt es keine Stelle, wo das Wort die angenommene Bedeutung hätte; c) kommt es von Edicten vor, welche keine Auslegungen sind, z. B. Esth. 1, 20, wo es gleichbedeutend mit -2ro- 2 Reichsgesetz V. 19 steht. Eine ähnliche Bewandtniss hat es mit nT2 Ruhe, welches Kap. 4, 6 s. v. a. „ruhiger Erwerb" heissen soll. Rec. hält dies für unmöglich. Denn wenn auch klar ist, wie bei 52: Mühe die Bedeutung Erwerb (eigentl. das Gemühte, Ermühte) sich anschliesst, so ist doch nicht begreiflich, wie aus dem Begriffe ruhen der Begriff erwerben werden kann. Verfehlt ist die Ableitung des Wortes Esro plötzlich von "ro hö– richt, unvorsichtig, wonach jenes Adv. „unversehems" bedeuten soll. Denn niemals geht das Wort auf Diejenigen, welchen etwas unversehens kommt, sondern gehört als Adv. immer zum Verbum, wel– ches das unerwartete Kommen ausdrückt, kann darum aber ursprünglich nicht höricht, unvorsich– tig bedeuten. Mit TT: Kap. 4, 2. macht sich der Vf, unnöthige Mühe, wenn er ein Wun epenth. hineinbringt. Das Wort ist einfach zusammengezo– gen aus FT -2 und vermöge dieser Contraction hat sich Zere in Segol verkürzt. Unerweisbar und unerwiesen endich lässt Hr. H. Kap. 9, 1 :-) „bestimmen" und Kap. 4,14 E- - 22 „arm werden." (!) bedeuten und gibt auch damit ziemliche Blössen.

. Von seinem kritischen Talente und Takte hat der Vf, in dem, was er gegen die vom Rec. für A. L. Z. 1840. Zweiter Band.

die Unechtheit des Epilogs Kap. 12, 9–14 aufgestellten Argumente vorgebracht hat, keine ausgezeichnete Probe gegeben. Rec. hatte, um nur Eins anzuführen, Folgendes geltend gemacht. Koheleths ganze Moral läuft auf den Satz hinaus, dass man das Leben sich bequem machen und heiter geniessen solle. Dieser Satz kehrt am Schlusse der einzelnen Abschnitte oft wieder und beschliesst zuletzt in gehobener Rede und mit kräftiger Motivirung das ganze Buch; er ist deshalb Hauptsatz in der Lebensweisheitslehre Koheleths. Dagegen bezeichnet der Epilog Gottesfurcht und Befolgung der göttlichen Gebote d. i. Religiosität in Gesinnung und Wandel als das Höchste. Wem nun Religiosität und sinnlicher Lebensgenuss nicht als Synonyme gel– ten, der muss zwischen dem Buche und dem Epiloge einen Widerspruch finden und auf Verschiedenheit der Vf, schliessen. Und wie widerlegt Hr. H. diesen Schluss? Mit nichts, als mit dieser Unwahrheit: „Dass die Gottesfurcht an die Spitze gestellt wurde, ist nichts Neues, sondern schon 11, 9 mit genügsamer Energie geschehen". Diese Stelle aber lautet nach Hn. Hs. selbsteigener Uebersetzung also: „ Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend, und lass dein Herz dir gütlich thun in den Tagen deines Jünglingsalters, und wandele, wohin dein Herz geht und deine Augen sehen; wisse aber,– dass über ales dieses Gott dich in das Gericht führen wird". Hier ist nun a) sonnenklar, dass in der Stelle von Gottesfurcht d.i. Religiosität gar nicht die Rede ist, sondern bloss von den natürlichen Folgen der Ausschweifung, welche Koheleth als göttliche Strafe ansieht; und b) ist ebenso einleuchtend, dass, wenn der zweite Theil wirklich eine Ermahnung zur Gottesfurcht d. i. Religiosität enthielte, diese nicht obenan stände, sondern der Ermunterung zu frohem Lebensgenusse untergeordnet wäre, sonst müsste die ganze Paränese so lauten: Vor Allem fürchte Gott, dabei aber freue dich auch des Lebens! So lange daher nichts Haltbareres eingewendet wird, als Hr. H. einwendet, wird Rec. den Epilog für einen unechten Zusatz halten. X

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Die Uebersetzung, deren Anfertigung bei Ko

heleth nicht grade schwierig ist, schliesst sich ziem-

lich genau und treu an den Urtext an und darf im Ganzen wohlgelungen genannt werden. Indessen fehlt es im Einzelnen auch nicht an Ungenauigkeiten, z. B. Kap. 1, 9: „und nichts Neues gibt es unter der Sonne" für: und gar nichts Neues u. s. w. V. 16: „als irgend Einer, der vor mir war" für: als Alle, die vor mir waren; Kap. 7, 24: fern bleibt, was fern war und tief das Tiefe, wer kann es auffinden?" für: das, was fern ist und sehr tief, wer kann es finden? Kap. 12, 3: „ mächtige Herren" für: Männer der Kraft d. i. die Kräftigen, womit die Beine bezeichnet sind. Wie kämen doch diese zu der pompösen Benennung: mächtige Herren? Doch das sind Klcinigkeiten. Mehr Gewicht legen wir darauf, dass der Vf. von der Einfachheit des Originals zu viel abgewichen ist und eine Menge kleiner Flickwörter in seine Uebersetzung aufgenommen hat, welche im Urtexte nichts Entsprechendes haben, z. B. aber, doch, zwar, nur, nun, gar, sogar, also, nämlich, sondern, dass, auch, entweder oder, schon, mithin, sonst, einst, bisher, diess, darin u. a. Alle diese Verdeutlichungswörtchen waren ganz entbehrlich; Koheleth kann ohne sie übersetzt werden, ohne dass darum die Uebersetzung steif und unverständlich wird. - IIiermit glauben wir dem Vf, bewiesen zu haben, dass wir seine Schrift mit gewissenhafter Aufmerksamkeit und Sorgfalt durchgelesen haben, und wünschen, dass ihm unsre Beurtheilung derselben ebenso wenig Spleen machen möge, als uns seine, freilich oft unnöthige, Bestreitung seiner Vorgänger gemacht hat. A. Knobel.

HAMBURG, b. Perthes: Weue kritische Untersuchungen über das Buch Daniel von Heinr. IHävernick, der Theol. Dr. und a. o. Professor an der Univ. Rostock. 1838. 104 S. 8. (14 gGr.) Eine Zugabe zu der im Jahr 1832 erschienenen Bearbeitung des Propheten Daniel von demselben Vf, welche nach S. 6 die Hauptpunkte der kritischen Streitfrage über das Buch Daniel „in das rechte Licht stellen" soll d. h. nichts Geringeres zur Aufgabe hat, als die Authentie des viel besprochenen Buches gegen die neuere Kritik, besonders gegen v. Lengerke (das Buch Daniel verdeutscht und ausgelegt 1835.), welcher vorzugsweise oder fast allein berücksichtigt wird, zu erhärten. Dass jedoch die Lösung dieser Aufgabe unter die Unmöglichkeiten gehört, beweisetauch des

Schrift, die zwar Belesenheit und Fleiss beurkundet und, wie wir gern zugestehen, manches Einzeln worin die Kritik zu weit gegangen Ä rückweiset oder wenigstens modificirt, im Ganzen aber die in der neueren Zeit gewonnenen Resultate so wenig erschüttert, als es des Vfs. früheres Werk gethan hat. Die Kritik hatte besonders den historischen Charakter des Buches Daniel in Anspruch genommen und eine beträchtliche Anzahl Unrichtigkeiten, Unwahrscheinlichkeiten und Unmöglichkeiten in der Erzählung aufgezeigt, daraus aber auf eine spätere Entstehung der Schrift lange nach Daniel geschlossen, also das Buch dem exilischen Weisen abgesprochen. Demgemäss bemüht sich der Vf, die durchgängige histo rische Glaubwürdigkeit des Erzählten zu erweisen und versucht dies S. 19 ff. zuvörderst an der historischen Existenz eines exilischen Daniel, welche von Einigen in Zweifel gezogen worden war. Er macht dafür besonders geltend, dass das Buch, enthielte es nur Erdichtetes, schwerlich so bald hohes Ansehen erlangt haben und in den Kanon aufgenommen, vielmehr als erdichtetes Machwerk, welches sich an keine Ueberlieferung anschloss und seinen Inhalt vor dem Volke auf keine Weise rechtfertigen konnte, abgewiesen worden seyn würde. Rec. wili dieses nicht bestreiten, wenn er auch die sonstigen Ansichten des Vfs. über die Abschliessung des Kanons z. B. über die Strenge, mit welcher dabei verfahren worden seyn soll, nicht theilt. Entschieden aber muss er widersprechen, wenn Hr. H. S. 24 ff. die historische Pxistenz Daniels anders als mit dem Buche Daniel begründen zu können glaubt und sich zu diesem Zwecke auf die Stellen Ezech. 14, 14 ff. 28, 3. beruft, wo ein Daniel in Verbindung mit Noah und Hiob als ausgezeichnet Weise und fromm gerühmt wird. Dieser Daniel kann mit dem Daniel unsers Buches nicht eine und dieselbe Person Seyn. Denn die erste der beiden angezogenen Stellen gehört nach Ezech. 8, 1. und 20, 1. etwa in das Jahr 594 vor Chr., also in eine Zeit, wo Daniel, welcher als Knabe deportirt worden war, schwerlich schon einen solchen Ruf von ausgezeichneter Weisheit und Tugend hatte, dass Ä ihn, seine jüngern 8°"98sen, füglich als höchstes Muster hinstellen und gar mit den Patriarchalischen Personen Noah und ÄÄYeo and darauf hin, dass Ezechiel

"*eren, mythischen, sonst nicht weiter bekann

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lische Daniel des von denselben benannten Buches

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wohl zu unterscheiden ist. Wir sind also bei dem Beweise der historischen Existenz eines exilischen Daniel auf unser Buch beschränkt; aber das genügt auch, da dem letzteren eine geschichtliche Grundlage, welche doch immer am ehesten in der Hauptperson des Buches gefunden werden muss, mit zureichenden Gründen nicht abgesprochen werden kann. Diese historische Grundlage erkennen wir auch in dem Darius Medus d. i. Cyaxares II an, dessen historische Existenz Hr. H. S. 74 ff. mit Recht in Schutz nimmt. Besondere Mühe hat sich der Vf. gegeben, die einzelnen historischen Unrichtigkeiten und Unwahrscheinlichkeiten, welche man im Buche Daniel entdeckt hatte, als vollkommen richtige Angaben zu erweisen und in der That ist es ihm hier und da gelungen, die Kraft der entgegenstehenden Argumente zu schwächen. Am wenigsten jedoch hat er dies S. 61 ff. bei dem Datum Dan. 1, 1 vermocht. Denn es ist und bleibt ein Irrthum, dass Nebukadnezar schon im 3. Jahre des Jojakim Jerusalem belagert und Judäer gefangen weggeführt habe. Nämlich nach der Schlacht bei Megiddo im J.611 war Pharao Necho Herr in Vorderasien und er blieb es bis zur Schlacht bei Circcsium im J. 607, wo cr von Nebukadnezar aufs Haupt geschlagen wurde. Vor dieser Schlacht kann Nebukadnezar nicht nach Palästina vorgedrungen seyn, weil, wenn er es gethan hätte, er einen mächtigen Feind im Rücken gehabt, somit eine Thorheit begangen haben würde, die dem gefeierten Kriegshelden unmöglich zugetraut werden kann. Zuvor musste er nothwendig die Aegypter aus Syrien treiben und erst dann konnte er nach Palästina und weiterhin vorrücken. Rein aus der Luft gegriffen ist die Annahme des Vfs., dass Jojakim schon im 2. Jahre seiner Regierung dem Nebukadnezar unterthan geworden sey. Die Geschichte C2 Kön. 24, 1 ff.) berichtet bloss, er sey dem Könige der Chaldäer 3 Jahre unterthan gewesen, dann jedoch von ihm abtrünnig geworden. Dieser Abfall aber gehört in das Todesjahr des Jojakim (600), wie nachgewiesen (Prophetism. d. Hebr. II. S. 229 f.) und von Hrn. II. nicht widerlegt worden ist. Demnach kann Nebukadnezar Juda nicht früher als 604 oder 603 mit Krieg überzogen haben. Die Berufung auf Jer. 36, wo ein in das 4. und 5. Jahr Jojakims gehörender Vorgang erzählt wird, nützt dem Vf. gar nichts. Allerdings zwar will Jojakim von der Androhung der Chaldäer nichts wissen, aber nicht desshalb, weil er damals eben von den Chaldäern abgefallen war, – daruuf führt keine Sylbe in dem ganzen Stücke – sondern darum, weil er sich ihnen überhaupt nicht unterweisen will und weil er an die Drohung nicht glaubt

Dieses Stück zeugt eher gegen, als für Hrn. II. Dein der Prophet kündigt V. 29 die Chaldäer an, ohne an eine frühere Invasion derselben zu erinnern; gewiss aber hätte er dies gethan, wäre eine solche damals bereits geschehen gewesen, und zwar um so mehr, als er dadurch seiner Drohung entscheidendes Gewicht gegeben und den ungläubigen König am ehesten zum Glauben gebracht haben würde. Nicht minder unglücklich ist der Vf, in der Rechtfertigung der von der Kritik nachgewiesenen Unwahrscheinlichkeiten gewesen. Man hatte z. B. die Angabe des Buches unwahrscheinlich gefunden, dass Juden von den Babyloniern zum Götzendienste gezwungen und bei Widersetzlichkeit grausam gestraft worden wären, indem die Babylonier blosse Eroberer

und, soviel die Geschichte bezeuge, nicht intolerant

gewesen wären. Zur Rettung jener Angabe weiss Hr. H. S. 51 nichts vorzubringen, als die unerwiesene Behauptung: da die Juden intolerant gewesen wären, so würden es wohl die Babylonier auch gewesen seYiAllein mit solchen apriorischen Behauptungen war in dieser Sache nichts gethan; historische Belege mussten beigebracht und zugleich der Umstand erklärt werden, dass in den exilischen Schriften des A. T.» wieviel auch über die Leiden des Exils, z. B. über Spott und Hohn gegen die Jehovaverehrer, geklagt wird, doch niemals von einem eigentlichen Religionszwange die Rede ist, welchen die Babylonier gegen die Juden angewendet hätten. Ebenso hatte man es unwahrscheinlich gefunden, dass Nebukadnezar den Gott der Juden als wahren Gott anerkannt habe. Um diesem Einwurfe zu begegnen, berücksichtigt Hr. HS. 55 f. bloss die Stelle Dan. 4, 31 ff. und behauptet, Nebukadnezar (welcher indess Jehova deutlich genug als Herrn des Himmels und der Erde d. i. der Welt bezeichnet) habe sich nicht völlig zu Jehova bekehrt, sondern blos „die Ehre und Macht dieses Gottes anerkannt", übrigens aber sein», echt heidnisches Bewusstseyn der Verbindung der Gottheiten überhaupt zu einer Gesammtmacht” behalten. Aber warum nahm denn der Vf., wenn er die Resultate der Kritik sicher zu Wasser machen wollte, nicht auf die Stelle Dan. 3, 29 Rücksicht, wo derselbe Nebukadnezar ausdrücklich bekennt, dass es keinen andern Gott gebe, welcher zu retten vermöchte, wie dieser, näml. der Gott der Juden? Hier musste er sein Rhodus finden und zugleich die Frage gründlich beantworten, woher es doch komme, dass sämntliche exilische und nachexilische Schriften des A. T. ausser dem Buche Daniel von dieser angeblichen Anerkennung Jehovas von Sciten des mächtigsten Chaldäerkönigs und gröss

ten Widersachers des Jehovavolkes, einer glänzenden Erfüllung nationaler Hoffnungen, so gänzlich schweigen? dass z. B. der Vf. von Jes. 40–66, welcher für die Zukunft der Jehovaverehrung die kühnsten Erwartungen hegt und sich sogern auf die Vergangenheit beruft, gleichwohl doch niemals auf die Anerkennung Jehovas durch Nebukadnezar verweiset, obwohl er dadurch seine Leidensgenossen aufs Kräftigstc hätte trösten und für die Heimkehr, die ihm sehr am Herzen liegt, begeistern können? Das argumen+ dum a silento ist in diesem Falle so schlagend, dass es ganz allein sicher gegen die Angabe des Buches Daniel beweisct. :

Am Schwächsten aber ist ohne Zweifel die Rettung der Danielischen Wunder S. 80 ff. ausgefallen. Hier weiss sich IIr. H. nicht anders Rath, als mit der Schlussfolge: die Entlassung der Juden aus dem Exile sev ein unerklärliches und wunderbares Ereigniss, welchem andere Wunder vorangegangen seyn müssten; ein Wunder trage da das andre und es sey eine zusammenhängende Kette göttlicher Offenbarungen anzunehmen. Was für ein Nothbehelf kritischer Ohnmacht! Die Umstempelung jener Entlassung der Exulanten zu einem Wunder erscheint eben so neu als der geniale Schluss überraschend ist. Nach dieser Wunderlogik könnte man wohl auch also schliessen: Es war ein grosses Wunder, dass Jehova in einer Nacht 185.000 Assyrer tödteie, folglich geschahen in der nächsten Zeit vorher auch grosse Wunder; oder: die Zeit Christi war eine Zeit grosser Wunder, folglich war es die Zeit vorher auch u. s. w. So wenig aber dcr Vf. auch mit solchem Beweise beweiset, so ist er doch fast das Einzige, was er für die Wundererzählungen vorbringt und er hütet sich wohl, ins Einzelne einzugehen oder sich über die nicht abzuweisende Frage zu verbreiten, woher es doch zu erklären sey, dass die exilischen Schriftsteller, z. B. Ezechiel und Jes: 40–66, jene ausserordentlichen und darum erwähnenswerthen Ereignisse des Buches Daniel auch nicht mit einem Worte berühren und dass auch die späteren Schriftsteller des A. T., welche sich gern auf die Wunider der Vorzeit berufen, gänzlich davon schweigen. Das ist überhaupt ein grosser Mangel, dass der Vf. die übrigen exilischen und nachexilischen Bücher des A. T. gar nicht mit dem Buche Daniel zusammenhält und die Differenzen zwischen jenen und diesem nicht auszugleichen sucht. -

Von S. 32 ff. bestreitet der Vf, dass das Buch Daniel Ansichten (dogmatische wie ethische) enthalte, welche in eine spätere Zeit als die exilische herunter

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führten. Allein auch hier kämpft er im Ganzen erfolglos. Denn um nur Einiges anzuführen, die Lehre des Buches Daniel von einem überirdischen Messias ist und bleibt eine Vorstellung, welche allen übrigen Propheten des A. T. fremd ist und als eine ungeheure Fortbildung der Messiasidee erscheint, mithin den Vf, weit hinter die alte Prophetenreihe stellt. Der Einwand, dass die Apokryphen des A. T. einen solchen und überhaupt einen persönlichen Messias nicht hätten, wie man doch, wenn das Buch Daniel ihnen der Zeit nach nahe stände, erwarten sollte, beweiset nur, dass jene sich an die Propheten hielten welche nur theokratische Hoffnungen im Allgemeinen, keine messianischen Erwartungen im Besonderen hatten, Pseudo – Daniel dagegen den Propheten, welche einen persönlichen Messias hatten, folgte und zwar so, dass, er die Messiasidee viel weiter entwickelte. Aehnlich verhält es sich mit der Angelologie. Hr. H. mag bei Ezechiel und Zacharia soviel als er will Engel aufzeigen, bei dem letzteren sogar Spuren von einer Rangordnung der Engel nachweisen können: es ist und bleibt ein grosser Fortschritt in der Ausbildung der Engellehre, wenn das Buch Daniel eigentliche Engelfürsten anführt und ihrer zwei, Gabriel und Michael, mit Namen bezeichnet, wozu es im ganzen hebr.A.T. keine Parallele gibt; erst das N. T. hat wieder Gabriel und Michael und nicht früher als in Apokryphen des A. T. kommen Raphael (B. Tobith) und Uriel (4 Esr.) vor. Dieser Umstand rückt das Buch Daniel ziemlich vom IIebraismus ab und in den späteren Judaismus hinein. Auch das dreimalige Beten des Tages ist und bleibt eine späte Sitte, welche im kanon.A.T. nicht mehr erwähnt wird. Zwar führt Hr. H. die Stelle Ps. 55, 18 an, wo es heisst: Abends und Morgens und Mittags seufz’ ich. Allein diese Zeitangabe ist im poet. Sprachgebrauch nur s. v. a. den ganzen Tag, unablässig. Denn wer möchte wohl aus einer Stelle wie Ps. 92, 3: es ist schön, zu verkündigen am Morgen deine Huld und deine Treue in den Nächten, folgern wollen, eben nur oder vorzugsweise am Morgen und des Nachts sey Jehova gepriesen worden? Oder wer möchte aus 1. Mos. 49, 27: am Morgen verzehrt Benjamin Raub und zu Abend vertheilt er Beute, beweisen wollen, es scy Sitte gewesen, am Abend Beüte zu vertheilen und am Morgen Beute zu verzehren? Die spätere Vorstellung Dan. 4, 24, dass man durch Almosengeben begangene Sünden sühnen könne, übergeht der Vf, ganz mit Stillschweigen. ( Der Beschluss folgt.)

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