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ALLGEMEINE LITERATUR - zEITUNG

- - Mai 1840.

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D as Buch begrüsst uns in seiner vorliegenden, nicht blos neuen, sondern zugleich bedeutend vermehrten, verbesserten und in seiner äussern Ausstattung verschönerten zweiten Auflage recht freundlich, wenn wir bedenken, dass es seit seinem ersten Daseyn schon recht viel Nutzen gestiftet hat. Es ist eigentlich dazu bestimmt, den angehenden praktischen Geognosten sehen zu lehren, seinen Blick zu erweitern und richtig zu leiten. Die dadurch dargebotenen zahlreichen, umsichtlich ausgewählten Fragen richten erst recht seine Aufmerksamkeit auf die Gegenstände, welche er beobachten soll, und wenn es auch in der Natur der Sache liegt, dass man eben so wenig alle Objekte der geognostischen Beobachtung in Fragen wie ein Beichtspiegel für die Sünden und ihre Modificationen im Voraus erschöpfen kann, so werden doch die Fragen, welche die Agenda geognostica in angemessener Gliederung aufstellt, den jungen Geognosten dahin führen, sich selbst noch viel mehr fragen zu können, sobald ihm einmal die Gegenstände der Beobachtung vor Augen sind. Die Fragen des Buchs werden dann viele andere, sich daran anschliessende oder dadurch hervorgerufene entwickeln, die sich zunächst aus der unmittelbar vorliegenden wirklichkeit ergeben. Das Fragen und namentlich das Fragen mit Umsicht und Verstand ist in der praktischen Geognosie oft schwieriger, als das Antworten, und deshalb muss jedes zweckmässige Erleichterungsmittel dazu für besonders werthvoll erachtet werden. Der angehende Geognost sieht häufig vor lauter Bäumen den Wald nicht; – ihm diess zu zeigen, ist die scheinbar sehr einfache, aber in der That nicht so leichte Aufgabe, welche sich der Vf. der Agenda geognostica gestellt und mit vielem Erfol

A. L. Z. 1840. Zweiter Band.

ge gelöst hat. Um die Nützlichkeit dieses Buchs recht zu erfassen, muss man in dem Falle gewesen seyn, in der Geognosie praktisch zu unterrichten, und aus solcher Stellung kann Rec. versichern, dass es den jungen Männern, welche es gelesen hatten, bei Gebirgsreisen und Excursionen immer auf die unverkennbarste Weise bedeutenden Gewinn brachte. Bekanntlich rührt die erste Idee zu einer Agenda geognostica von Saussure her, dem wir ein Büchlein gerade unter diesem Titel bereits aus dem letzten Decennium des vorigen Jahrhunderts verdanken. Die Wissenschaft vom Bau der Erde und seiner genetischen Deutung ist aber seitdem, man möchte sagen, erst als solche hervorgegangen und zu weit vorgeSchritten, als dass die Saussure'sche Arbeit noch den Anforderungen entsprechen konnte, welche die neuern Erfahrungen und Folgerungen erheischen. Diess veranlasste v. Leonhard, den erfolgvoll lehrenden und ünermüdet sammelnden, von dem Standpunkte der heutigen Zeit und Wissenschaft aus, Hand an ein neues Buch solcher Art zu legen, wozu er, neben der Saussure'schen Grundlage, auch die seitdem erSchienenen Arbeiten von gleicher und ähnlicher Tendenz von Brunner, Andre, Bruce, Pusch, Ramond, Hayden, Brard und Bourdet de la Nièvre benutzen konnte. So entstand die erste Auflage des vorliegenden Werks. Später noch behandelten Boué und de la Beche den Gegenstand in besondern Büchern, oder genauer, der erste übersetzte die v. Leonhardsche A. g. mit vielen weitern Ausführungen ins Französische, und diese Werke zog v. L. bei der Umarbeitung zur zweiten Auflage gleichfalls zu Rathe, benutzte mit kritischer Auswahl Vieles daraus und verwebte solches mit dem Ganzen in zweckmässiger Weise. Wenn Rec. aber so die Hauptquellen zu beiden Auflagen der A. g. aufzählt, so will er dadurch doch keineswegs andeuten, dass v. L. nur ausschliesslich diese benutzt und blos recht tüchtig compilirt habe, sondern er spricht es vielmehr gerne aus, dass das Buch ein völlig gerundetes Ganze, gleichsam aus einem Gusse Hervorgegangenes ist, welches nach Inhalt und Form eine glückliche Haltung bewährt und sich als eine eigene, eigenthümliche und werthvolle R.

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der fossilen Ueberreste der Mollusken; Univalven und Bivalven p.325; Federn und Dintensäcke vom lebenden und fossilen Loligop. 334 (Tab. 28–30); Nautiliten, Ammoniten etc. p.341(Tb.31–44); Belemnitenp.410. (Tab. 44 u. 44!); Nummuliten p. 423; Cap. XVI. Beweise einer Absicht im Bau fossiler Gliederthiere: Anmeliden p. 434; Trilobiten und verwandte lebende Thiere p. 437 (Tab. 45. 46); Spinnen, Scorpione und Insecten p.453 (Tab. 46 u. 46!); Cap. XVII. Beweise einer Absicht im Bau foss. Strahlthiere und Zoophyten: Echinodermen p. 465 (Tab. 47–53); Polypen und Infusorien p. 496 (Tab. 54); Cap. XVIII. Bew. einer Absicht im Bau foss. Pflanzen p. 509. Pflanzen der Uebergangsformation, der Flötzgebirge und der Tertiärgebilde und deren Vergleichung mit Gewächsen der gegenwärtigen Schöpfung p. 518 (Tab. 55–64); Cap. XIX. Beweise einer Absicht in der Ablagerung der Schichten der Steinkohlengruppe p. 588 (Tab. 65. 66); Cap. XX. Bew. einer Abs. in den Einwirkungen der zerrüttenden Kräfte auf die Erdschichten p. 603; Cap. XXL Vortheilhafte Einwirkung der zerrüttenden Kräfte auf die Bildung der Erzgänge p.611; Cap. XXII. Vorrichtungen in der Erde zur Bewässerung ihrer Oberfläche mittelst Quellen p. 622 (Tab. 67) Artesische Brunnen p. 627 (Tab. 68 u. 69); Cap. XXIII. Bew. einer Abs. in der Structur und Zusammensetzung der Mineralkörper p.637; Cap. XXIV. Schlussp.650 –666. – Den werthvollsten Theil des Werkes bilden die, durch vortreffliche Abbildungen erläuterten, schr ausführlichen Beschreibungen urweltlicher Geschöpfe und deren Vergleichung mit den, ihnen zunächst verwandten Organismen der jetzigen Schöpfung. Cap. XIV bis XVIII. Näher auf den Inhalt dieser Capp. einzugehen gestattet der Raum dieser Blätter nicht. Rec. verweist also auf das Buch selbst, und ist überzeugt, es werde dieser Theil mit den dazu ge

hörigen Abbildungen, jedem aufmerksamen Leser den

Beweis liefern, dass diese Schrift, trotz der bereits

angedeuteten Mängel, nicht nur für den Gebildeten überhaupt, sondern auch für den Mann vom Fach einen

hohen Werth besitzt und einer recht grossen Verbrei

tung werth ist. Dagegen liefert gleich Cap. II. einen

weitläufigen Beweis für das, was Rec. als die schwa

che Seite dieses Werks zu bezeichnen sich genöthigt sah. Der Vf, müht sich darin vergeblich ab, die geologischen Thatsachen mit der Mosaischen Schöpfungsgeschichte auf die Weise in Einklang zu bringen, dass er annimmt, 1 Mos. 1, 1. werde ganz allgemein von Erschaffung des Weltalls überhaupt gesprochen, vs. 2 u. folg, aber speciell von der, vielleicht „Millionen Jahre" später erfolgten letzten Umbildung der Erde. Ohne auf diese, gewiss ganz unhaltbare, aber selbst, wenn man sie als richtig annehmen wollte, keineswegs zur Beseitigung der Widersprüche ausreichende Erklärung hier näher eingehen zu wollen, erlaubt sich Rec. einige Worte über diesen Gegenstand im Allgemeinen hinzuzufügen, weil es auch in Deutschland: noch Geognosten gibt – aber freilich solche, die nicht zugleich Theologen oder wenigstens nicht Exegeten sind – welche sich darin gefallen, in der Geschichte der Erde 6, den mosaischen Schöpfungstagen entsprechende Perioden zu finden. Die Aengstlichkeit, womit so viele englische Geologen, eben so wie der Vf. dieses Werks, die Uebereinstimmung der geol. ThatSachen mit den Aussprüchen der Bibel und namentlich mit der mos. Schöpfungsgeschichte darzuthun suchen, erklärt sich nach der Ansicht des Rec. keineswegs (– wie der Uebersetzer p. 37 not. annimmt –) daraus, dass die ausgezeichnetsten englischen Geologen selbst Theologen sind, sondern nur daraus, dass diese Theologen sich von der Erklärung der h. Schrift, wie sie die orthodoxe Kirche vorschreibt, nicht entfernen können, wollen oder dürfen. In Deutschland würden gerade die mit der heil. Schrift vertrauten Theologen, (vorausgesetzt, dass sie nicht zu denen gehören, welche alle Vernunft gefangen geben unter die Gewalt des Glaubens, und bei denen also von einer vernunftmässigen Schrifterklärung keine Rede seyn kann) wenn sie zugleich Geologen wären, am wenigsten solche Widersprüche finden. Diese sind nämlich überzeugt, dass die mos. Schöpfungsgeschichte schon darum keine eigentliche Offenbarung Gottes (im strengeren Sinne) seyn könne, weil sie, wie sich jeder Vorurtheilsfreie schon beim Lesen der lutherischen Uebersetzung überzeugen kann, mit sich selbst nicht übereinstimmt, und dass deshalb die Erzählung 1 Mos. 1, 1. bis c. 2. v. 3. em anderen Vf, herrühre, als die folgende 4 sq.; dass die eine wie die andere, eine nach amaligen Begriffen, ausgebildete geogenetische Hypothese sey, wodurch zugleich jeder dieser beiden Werf einen anderen praktischen Zweck zu erreichen suchte, der eine nämlich 1 Mos. 1, 1. 2, 3. die Heiligdes Sabbaths, der andere 1 Mos. 2,4sq. die Heieit der Ehe seinem Volke darthun wollte. Diese, Rec. glaubt, zuerst von Eichhorn beachtete, jetzt ber von jedem kundigen und unbefangenen Leser des betreffenden Buches wohl nicht bezweifelte Thatsache, verweist diese Schöpfungsgeschichten in den Bereich der menschlichen Philosophenme, welche auch der frömmste und gläubigste Christ ohne Bedenken aufgeben kann, sobald sie durch später entdeckte Thatsachen als irrig erwiesen werden. Das ist nach des Rec. Ansicht der einzige (aber auch von dem geistreichen Uebersetzer, vergl. dessen Anmerk. p. 37 sq., nicht beachtete) Gesischtspunkt, aus welchem dieser Gegenstand betrachtet werden kann, wenn man sich nicht in unendliche und, unlösbare Schwierigkeiten verwikkeln will, welche keineswegs gehoben sind, wenn man 1 Mos. 1, 2sq. blos von der letzten Umwandlung der Erde zur Zeit der Erschaffung des Menschengeschlechts versteht. Wem sein Gewissen nicht erlaubt jene Schöpfungsgeschichte für etwas anderes als Gottes eignen Ausspruch – eine Offenbarung im strengeren Sinne – zu halten, der darf entweder nicht Geologie (aber auch nicht Physik, Chemie, Anatomie, Physiologie etc.) studiren, oder er muss glauben, was dort geschrieben steht, und das was er mit Augen sieht und mit Händen greifen kann für unwahr halten. Zur weiteren Begründung des oben ausgesprochenen Urtheils führt Rec. hier Beispielsweise aus Cap. XIII.

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Stelle, p. 151 sq. wörtlich an, um dadurch zugleich eine Probe der Schreibart etc. zu geben: „Die Sterblichkeit ist die allgemeine Bedingung, unter welcher es dem Schöpfer gefiel, alle um uns lebenden Wesen ins Daseyn zu rufen; demnach war es eine Anordnung seiner Güte, dass das Lebensende eines jeden Individuums so leicht als möglich würde. Der leichteste Tod ist aber sprichwörtlich der unerwartete, und wenn wir selbst aus moralischen, auf unser Geschlecht allein anwendbaren Gründen, kein plötzliches Ende unseres sterblichen Lebens wünschen, so ist doch für alle niederen Thiere ein solches Ende offenbar das wünschenswertheste. Die Beschwerden der Krankheit und die Schwächen des Alters sind die gewöhnlichen Vorboten des Todes. Bei dem Menschen allein sind diese

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(vom Zweck und Nutzen der Raubthiere) folgende

einer Milderung durch Hoffnung und inneren Trost fähig, während sie zugleich zu den höchsten Aeusserungen der Nächstenliebe und den zartesten Mitgefühlen Anlass geben. In der ganzen Schöpfung der niederen Thiere existiren aber keine solchen Sympathien; hier findet keine Rücksicht für Schwäche oder Alter, keine liebevolle Theilnahme für den Kranken statt, so dass die Ausdehnung des Lebens über die beschwerlichen Stufen der Schwäche und des hohen Alters für jedes Individuum in eine Quelle von Elend sich verwandeln würde. Die Welt würde unter solchen Umständen zu einem Schauplatz täglichen Jammers, der alle Lebensgenüsse weit überwiegen würde. Bei der bestehenden Ordnung plötzlicher Zerstörung (durch die Raubthiere) und rascher Aufeinanderfolge wird der Schwache und Hülflose schnell von seinen Leiden erlöst, und die Welt bleibt immerfort mit Myriaden fühlenden und glücklichen Wesen bevölkert; und wenn auch manchem nur ein kurzes Daseyn beschieden ist, so ist es doch gewöhnlich eine Periode ununterbrochenen Genusses, mit welchem der augenblickliche Schmerz eines raschen und unerwarteten Todes in keinem Verhältniss steht." Ganz abgesehen davon dass – wie auch der Uebers. in einer Note bemerkt – die Raubthiere keineswegs vorzugsweise alte und schwache Thiere sangen und verzehren, tödten sie dieselben nicht immer schnell, sondern manche martern ihre Beute langsam zu Tode. Die Beobach tung einer Katze, welche eine Maüs gefangen hat, und diese oft stundenlang quält, ehe sie dieselbe tödtet, würde den Vf. augenblicklich von der Unhaltbarkeit seiner, so weitläufig ausgeführten Ansicht überzeugt haben. – Auch wenn man (Cap. XIX.) liest, dass es bei Ablagerung der Steinkohlen, wenn auch nicht der einzige und Hauptzweck, doch mindestens ein wichtiger Nebenzweck war, die Wohlhabenheit der heutigen Engländer zu begründen, ihre Hochöfen und Dampfmaschinen zu speisen, ja dass die beckenförmigen Ablagerungen der Kohlenlager, so wie die später erfolgten Hebungen und Senkungen der Erdschichten (vgl. Cap. XX. p. 605) den Zweck hatten, den Herren Engländern die Gewinnung der Kohlen und nutzbaren Mineralien möglichst zu erleichtern, sowerden sich die meisten deutschen Leser eines Lächelns nicht enthalten können etc. etc. – Wollte man auch manche dieser Mängel damit entschuldigen, dass das Buch ursprünglich als Bridgewater-Treatise geschrieben wurde, und also möglichst populär gehalten werden musste, so steht doch damit ein grosser Theil seines Inhaltes, welcher eine Menge der verschieden

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sten Kenntnisse voraussetzt, in offenbarem Widerspruche. Hier zum Beweise nur eine, sich gerade darbietende Stelle p. 646: „Dagegen hat aber die Erfahrung bewiesen, dass die kristallinischen Mineralkörper nur eine bestimmte, genau begrenzte Zahl von äusseren Formen, secundäre genannt, annehmen, und dass diese sich nach einer Reihe von einfacheren, primären, Formen gestalten, wie diess ohne Hülfe der chemischen Analyse durch den einfachen Bruch und mechanische Zertheilung nachgewiesen wird. Die integrirenden Atome dieser primären Kristallformen sind gewöhnlich zusammengesetzte Körper, gebildet aus einer Reihe von constituirenden Atomen, d. h. den Atomen der, durch chemische Analyse erlangten Substanzen; und auch diese sind noch in vielen Fällen zusammengesetzte Körper, bestehend aus den unzertheilbaren oder Elementar-Atomen, welche die letzten Theilchen der Materie bilden." Hierzu daun noch eine lange Note in franz. Sprache aus dem Tabl. comp. des resultats de la cristallographie et de l'analyse chimique. Dergleichen sollte doch, mag man auch über den Werth dieser Ansichten denken wie man will, nicht in einer populären Schrift vorkommen, oder vielmehr: eine Schrift die dergleichen enthält, kann man nicht zu den populären rechnen. – Soviel über das Buch selbst. Was die Uebersetzung angeht, so heisst es in dem Vorworte des Ucbersetzers: „Zwei Gründe haben mich bewogen, Bucklands klassisches Werk über Geologie und Mineralogie zu übersetzen, erstens die Art der Darstellung, die hauptsächlich darauf hinausgeht, den organischen Zusammenhang der geologischen Erscheinungen hervortreten zu lassen, zweitens die mir durch die Gewogenheit des Vfs. zu Theil gewordene Möglichkeit, meiner Uebersetzung die engischen Originaltafeln beigeben zu können. Durch Noten habe ich gesucht einige Abschnitte zu vervollständigen, und wo es ohne Weitläufigkeit thunlich schien, meine Ansicht der des Vfs. gegenüber zu stellen; womit ich jedoch keine unbedingte Zustimmung in sämmtliche nicht annotirten Lehren aussprechen möchte. Ich bin namentlich um die theologisch-teleologische Auslegung mancher Thatsachen etwas verlegen; da aber solche Einzelnheiten den Eindruck der ganzen Bilder nicht schwächen können (??), liess ich sie ohne Widerrede. Meinem Freunde Hn. E. Desor bin ich für vielfache Bemühungen um diese Uebersetzung höchst verpflichtet." Rec. hält, aus den beiden angeführten Gründen, zwar eine Verpflanzung dieser Schrift auf deutschen Boden für wünschenswerth, aber dadurch noch keineswegs eine blosse Uebersetzung derselben gerechtfertigt. Hätte es dem berühmten, auch vom Rec. hochverehrten Uebersetzer gefallen, das eigentlich Klassische dieses Werks, von dem vielen nicht klassischen Inhalt zu sondern und entweder nach seinen Ansichten zu einem Ganzen zu verarbeiten, oder ihm seine Ansichten allenthalben, wo sie nicht damit übereinstimmen, gegenüberzustellen, so würde das Werk vielleicht auf die Hälfte seines

Umfangs zusammen geschmolzen und für die deutschen Leser von weit höherem Werthe seyn. Die vielen trefflichen Anmerkungen des Uebersetzers, welche jetzt als einzelne, abgerissene Bruchstücke dastehen, und so, den Ansichten Bucklands gegenüber, gar manche Leser mehr verwirren als aufklären dürften, kassen nur noch mehr bedauern, dass sich der Uebersetzer nicht zu einer solchen Umarbeitung entschloss. Auch scheint aus mehreren Noten, namentlich p. 124 u. 687 hervorzugehen, dass dem Uebersetzer diese Mängel sciner gegenwärtigen Arbeit nicht entgangen sind. An der ersten Stelle heisst es nämlich: „Bucklands Mineralogie und Geologie ist bekanntlich eins der Bridgewater – Treatises, was ich jedoch deshalb absichtlich auf dem Titel meiner Uebersetzung zu erwähnen unterlassen, weil ich eben nur Bucklands Arbeit und kein Bridgewater-'Treatise übersetzen mochte." Ob dadurch diese Auslassung auf dem Titel gerechtfertigt scy oder nicht, möge dahin gestellt bleiben, wohl aber hätte der Uebersetzer, wenn er sich schämte, der blosse Uebersetzer eines BridgewaterTreatise zu seyn, bedenken sollen, dass durch jene Weglassung dieses Namens auf dem Titel die Sache selbst nicht geändert wird. Dass übrigens das Werk von dem, was man in Deutschland unter Mineralogie zu verstehen pflegt, so gut wie gar nichts enthält, ergicbt sich schon so ziemlich aus dem mitgetheilten Inhalts – Verzeichnisse, und es braucht hier nur noch bemerkt zu werden, dass der Inhalt von Cap. XXIII, mit Ausnahme einer langen Note des Uebersetzers, recht gut = o gesetzt werden kann. – Was die Ucbersetzung selbst angeht, so kann Rec., da ihm das englische Original zu einer genaueren Vergleichung nicht zu Gebote steht, hier nur bemerken, dass ihm, mit Ausnahme vieler langen und schwerfälligen Perioden, nur wenige Spuren des englischen Ursprungs – wie z. B. Fossilen, fossileführenden u. dgl. – aufgefallen sind. Wohl aber glaubt er nicht selten Zeichen einer sehr flüchtigen Bearbeitung bemerkt zu haben.

Wenn man z. B. p. 87 Not. „Bückeberg im Herzogth.

Nassau" (st. Bückeburg im Fürstenth. Lippe) liest, so fällt das von einem Engländer nicht auf, aber der deutsche Uebersetzer durfte solche Verstösse nicht wiederholen. Eben so wird p. 263 Not, die Länge des Iquanodon von der Schnauze bis zum Schwanzende auf 70 die des Schwanzes allein auf 522“ angegeben, p.503 u. a. m. a. O. steht verkiest – unstreitig in der Bedeutung in Kiesel umgewandelt, während es bekanntlich in einer ganz anderen Bedeutung – in Kies oder Erz umgewandelt – gebräuchlich ist, also hier offenbar einen ganz falschen Sinn giebt. Abgesehen davon, dass ausser deh ziemlich vielen angezeigten Druckfehlern noch gar manche und darunter sinnentstellende (z. B. Muscheln st. Menschen p. 116 Not.; Bote st. Boot p. 397; Tab. LXVII st. LXVIII p.591 etc.) vorkommen, ist die Ausstattung des Wer

les sehr gut, der Preis aber auch (10 Äthl. netto) bedeutend hoch. –

ALLGEMEINE LITERATUR - zEITUNG

Mai 1840.

VERMISCHTE SCHRIFTEN.

ALToNA, b. Hammerich: Der Freihafen. Galerie von Unterhaltungsbildern aus den Kreisen der Literatur, Gesellschaft und Wissenschaft. Mit Beiträgen von K.A. Varnhagen von Ense, H. Koenig, C. G. Carus, K. Rosenkranz, Rosa Marie, Hol

- tei, A. Kahlert, Th. Mügge, Fr. von Heyden, Trorler, E. Willkomm, Th. Mundt u. A. Erster Band (1838) in vier Heften, zweiter Bd. (1839) in vier Heften. Dritten Bandes (1840) erstes Heft. 8. (Pr. des Heftes 1 Rthlr. 12 gGr.)

Unter einem neuen Namen ist die frühere Sammlung von verschiedenartigen Aufsätzen, welche Mundt im Literarischen Zodiacus begonnen hatte, hier fortgesetzt worden. „Der Freihafen, heisst es im Vorworte, bestimmt sich zur Aufnahme von Darstellungen jeder Art und Form, die mannigfaltige Bezüge zu dem fortlaufenden bewegten Leben haben sollen, aber sich in keiner von vorn herein zu bezeichnenden Tendenz absondern werden. Vielmehr soll das Tendenzartige unsrer Mittheilungen dem Persönlichen in diesen Blät– tern sich unterordnen, indem es hauptsächlich darauf abgesehen ist, für einen Kreis von Autoren, deren je– der ein eigenthümliches Ziel verfolgt, eine würdige Stellung zum Publikum zu behaupten und dadurch einen Theil der Literatur selbst gewissermassen ein Asyl gegen Vereinzelung und Vereinsamung der Kräfte zu gewähren. Der deutschen Literatur nach verschiedenen Seiten hin ein solches Relief zu geben, möchte mehr als je an der Zeit und im Interesse der Schriftsteller seyn, um in dem Gefühle der Gemeinsamkeit das Gefühl der Ehrenhaftigkeit des deutschen Literatenstandes zu stärken und zu beleben." Manchen der angesehenen Namen, die wir auf dem Titel genannt haben, gegenüber nehmen sich die angeführten Worte des anonymen, aber nicht unbekaunten Redacteurs fast komisch aus. Männer, wie Yarnhagen von Ense, Curus, Koenig und andre sollen im Freihafen ein Asyl (mirabile dictu) erhalten! Doch wir lassen die weitere Besprechung dieser Vornehmthuerei und bemerken vielmehr, dass der Freihafen A. I.. Z. 1840. Zweiter Dand.

eine der mehrfach in unsern Tagen hervorgetretenen Erscheinungen ist, wo betriebsame Autoren und junge Schriftsteller sich bestreben, gewissen Ansichten und Meinungen in solchen Monatsschriften ein Organ zu geben, weil sie sich einbilden, dass sie dadurch der Literatur ein Relief und den Autoren eine würdige Stellung zum Publikum verschaffen können. Das Publikum bewies ihnen aber gewöhnlich so geringe Theilnahme, dass sie nach einem, höchstens zwei Jahren ihre Unternehmung mussten einstellen. Ob nun der Freihafen ein ähnliches Schicksal bald haben werde, lassen wir jetzt unentschieden. Die uns vorliegenden Hefte enthalten manche sehr interessante Aufsätze von Carus, H. Koenig, Varnhagen von Ense, Rosa Marie, Rosenkranz, A. Kahlert, mehrere Stufen tiefer stehen die Aufsätze von Mügge, Mundt, Willkomm, Holte, Troxler, Fr. von Heyden, die übrigen Beiträge brauchen, da sie sich nur in der Mittelmässigkeit halten, nicht namhaft gemacht zu werden. Die mitunter gegebene Bücherschau ist unbedeutend und die Correspondenzen sind grösstentheils überflüssiges Geschwätz, das blos auf die flüchtige Lectüre in Caffe- und Wirthshäusern berechnet seyn kann, daher auch ausser dem Bereich unsrer Anzeige liegt. Wir werden nur ein Beispiel dieser Mittheilungen weiter unten geben. Schilderungen aus unsern Residenz – und Handelsstädten oder aus den deutschen Universitätsstädten missbilligen wir, wenn sie mit Geist, Umsicht und Sachkenntniss geschrieben sind, keinesweges, aber was wir hier im Freihafen finden, ist mit wenigen Ausnahmen blosse Klatscherei und gewöhnliches Zeitungs- Raisonnement. In Bezug auf die deutschen Universitäten liebt man hier, wie in einer andern Zeitschrift, auch nur die scandalösen Partien. Im ersten Hefte ist unstreitig der erste Aufsatz, überschrieben: Scheidewege. Tübingen 1808. 1809 von Varnhagen von Ense der vorzüglichste Beitrag. Seitdem hat der Vf, diess treffliche Genrebild auch in seine Denkwürdigkeiten aufgenommen. H. Koenigs „ Excommunication" ist ein schön und lebendig geschriebenes Bruchstück aus dem Leben eines jungen Katholiken, grade für die jetzige Zeit von vieler Bedeutung. S

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