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Was das nicht magnetisirte Baquet betrifft, so habe ich die Beobachtung gemacht, dass nicht alle Substanzen auf gleiche Weise, sondern auf verschie-dene Individuen verschieden wirken. So hatte Eisen und Wasser auf eine Kranke entschieden nachtheilige Wirkungen. Der dritte Band beginnt mit dem Hellsehen und der hellsehenden Vision. Der Vf, sagt S. 3: ,,Die magnetische Behandlung erzeugt, wenn sie anders Somnambulismus bewirkt, in der Regel zuerst blossen, bewusstlosen Schlaf, der Tage, Wochen und Monate lang auf dieser ersten Stufe stehen bleiben, oder auch wohl gar nicht bis zum somnambulen Erwachen fortschreiten kann. Nur magnetische Wunderthäter, wie van Gheert und hin und wieder ein Berichterstatter der französischen Gesellschaften für thierischen Magnetismus stellen das Schlafwachen als fast unfehlbare und augenblickliche Wirkung des Magnetismus dar u. s. w..“ – Hier thut der Vf. van Gheert und den französischen Berichterstattern Unrecht. Nach meinen Beobachtungen verhält sich die Sache durchaus nicht bei einer Somnambule wie bei der anderen. Ich habe deren gesehen, welche schon im ersten magnetischen Schlaf, sogleich nach dem Einschlafen, nachdem ich die Hand auf die Magengegend gelegt, somnambul erwachten und sprachen. Auch in den einzelnen Krisen tritt das Erwachen nicht immer erst nach Verlauf einiger Minuten ein und ich habe sclbst cine Somnambule beobachtet, welche unmittelbar nach dem Einschlafen auf blosses Anreden erwachte, ohne dass das Auflegen der Hand dazu erforderlich war. Sonderbar war es indessen, dass, wenn ich die Kranke im natürlichen Schlafe fand und sie nun magnetisirte, ich sie jedesmal erst durch Auflegen meiner Hand auf die Magengegend somnambul erwecken musste. Sehr richtig bemerkt der Vf, dass man sich sehr leicht von dem Nichtgebrauch des Gesichtsinnes bei Somnambulen überzeugen könne, wenn man zwischen die Augen derselben und den ihr vorgelegten Gegenstand einen Pappendeckel oder ein Bret schiebe. Ich bediente mich dazu einmal meiner Brieftasche und die Somnambule sah die Gegenstände, die ich ihr hinter die Brieftasche in die Gegend des Magens hielt, eben so gut, als zuvor, ja sie nahm solche auch wahr, als ich sie ihr vor den Hinterkopf hielt. Die merkwürdige Erscheinung, dass Somnambule gegen äussere Schmerzen unempfindlich sind, während sie doch gegen andere Einwirkungen eine erhöhte

Empfindlichkeit zeigen, erklärt der Vf. daraus, dass der Tastsinn in den Organen, worin er wachend empfindet, nämlich in den Nerven eingeschlafen ist und auch die Verzückungen in den Sevennen und die Convulsionen auf dem Grabe des Abbé Paris zu. Wenn er aber die fürchterlichen Schläge, die eine dieser Convulsionäre unbeschadet mit einem 25–30 Pfund schwerem Feuerbock auf die Herzgrube erhalten haben soll, für baare Wahrheit nimmt, und die Sache durch den dabei obwaltenden Krampfzustand erklärt, so contrastirt wenigstens diese Gläubigkeit auffallend mit der Zweifelsucht, die sich bei anderen Gelegenheiten, namentlich bei mehren von van Gheert und Nick beobachteten Erscheinungen kund giebt und es fragt sich, ob nicht den Aussagen dieser beiden Aerzte eben so viel Glauben beizumessen seyn möchte, als einer alten Chronik oder einem sonstigen Geschichtswerke einer dunkeln, abergläubischen Zeit. Dass die Seherin von Prevorst eine absichtliche, willkürliche und bewusste Betrügerin oder vielmehr Comödiantin gewesen sey, möchte ich dem Vf, nicht zugestehen; eher lässt sich annehmen, dass die ungeregelte magnetische Behandlung, der sie ausgesetzt war, zu einem Mittelzustand von somnambuler Exaltation und wirklicher Geistesverwirrung geführt habe. Die Basis der letzteren aber bleiben immer die üppig wuchernden Phantasiebilder, wie sie der somnambule Zustand hervortreibt, Phantasiebilder, die am Ende für Wirklichkeit genommen werden, wenn Verstand und Wille nicht kräftig genug sind, sie zu überwachen und zu zügeln. Eine meiner Somnambu

nämlich in der Haut selbst wache.

dass nunmehr die Seele entweder in den Nerven auf

ganz andere Weise, oder aber, dass sie in ganz andern Organen, welche an sich und ohne die Nerven gegen mechanische Eindrücke unempfindlich sind, Aber wir empfinden ja überhaupt nicht in den Nerven, sondern diese sind nur die Leiter, welche die Empfindung zum Gehirn fortleiten, die Haut kann daher so wenig mit als ohne Nerven empfinden, wenn daran das Sensorium keinen Theil nimmt. Wahrscheinlicher ist es daher, dass im obigen Falle entweder die Nerven gewisse Eindrücke nicht leiten, während sie anderen ossen stehen, oder dass die Stelle im Gehirn, nach der die Leitung geschieht, im somnambulen Zustande eine andere ist, als im wachen. Das IHellsehen durchläuft, dem Vf. zufolge, eine Reihe von Entwickelungsstufen, nämlich zwei Hauptstufen, welche indessen beide wieder in mehre untergeordnete Grade zerfallen. Der erste Anfang des Hellsehens kommt in dem sogenannten Halbschlafe vor, einem exaltirten Zustande, worin die Sinne bald getrübt und halb geschlossen, bald aber vollkommen offen und wach sind, jedoch eine krankhaft verschärfte Empfindlichkeit zeigen. Das eigentliche Hellsehen beginnt jedoch erst mit der somnambulen Umstimmung der gänzlich eingeschlafenen Sinne, die nur noch für einzelne Gegenstände und Personen, aber mit ausserordentlich verschärfter Empfindlichkeit wachen. Beide Zustände gehören dem Gehirnsomnambulismus an, der nur halb oder ganz eingeschlafen und innerhalb dieses Schlafes somnambul wieder erwacht ist. Sie bilden zusammen die erste Stufe des Hellschens oder des hellsehenden Gehirnsomnambulismus. Die zweite Stufe des Hellsehens besteht dagegen in einer Versetzung der Sinne auf die Herzgrube, an die Fingerspitzen und andere Körpertheile und wird von dem Vf. Sinnversetzung oder vegetativer Somnambulismus genannt, letzteres im Gegensatze des Gehirn – und Nervensomnambulismus, und weil die Sinnversetzung gänzlich innerhalb der Region der Lebensund Vegetationskraft und ihrer Organe spielt. Diese Stufe hat drei Grade, das Ferngefühl, die nahesehenden Blicke und das Fernesehen. Interessant sind die von dem Vf. besonders hervorgehobenen Eigenthümlichkeiten des Baquet – und Krampf-Somnambulismus. Dem letzteren zählt er

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len, ein sehr verständiges Mädchen, versicherte mir,

es koste ihr grosse Gewalt, die bei ihr im schlafwachen Zustande aufsteigenden Phantasiebilder nicht für Wahrheit zu nehmen, und ich glaube fast, dass, wenn ich daran ein besonderes Gefallen zu erkennen gege

ben haben würde, ich gleichfalls Reisen in Sonne,

Mond und Sterne u. dgl. hätte erleben können. Beachtenswerth ist, was der Vf. S. 243 von dem Ferngefühl und von analogen Zuständen im Wachen, z. B. bei Blinden u. s. w. sagt. Die Erklärung, dass der Einblick der Somnambulen in ihr Inneres keine wirkliche und unmittelbare Anschauung ihrer Eingeweide sey, sondern dass der Anschein der örtlichen Anschauung darauf beruhe, dass grade die Lebenskraft derjenigen Körperpartie, deren Eingeweide im Schaubilde erscheinen sollen, es ist, welche somnambul entbunden und visionär gestaltet wird, ist mir nicht klar. Entspricht das Geschaute der Wirklichkeit, so ist es mehr, als blosse Vision. Nun lässt sich zwar nie nachweisen, ob das, was die Somnambulen im Inneren ihres Körpers sehen,

in der Wirklickheit so besteht, wie sie es sehen, allein es lässt sich von anderen Dingen ausserhalb ihres Körpers nachweisen; ist aber das Letztere möglich, so ist es mit eben dem Rechte auch das Erstere. Der Vf. sagt, wenn auch die Eingeweide zum Sitze und Organe des neuen somnambulen Bewusstseyns würden, so würde dieses dieselben so wenig selbst zur Anschauung bringen, als das Sehen das Auge oder irgend ein anderer Sinn sein eigenes Organ; denn das Sinnorgan nehme alles Andere eher wahr, als sich selbst. Dies ist ganz richtig, aber das Sehen der Somnambulen ist auch kein Sehen, analog dem mittelst des Auges, es ist auch kein Empfinden, denn auch dieses setzt Perception durch Sinnesorgane voraus. Die Sprache hat kein Wort dafür, weil auch die Sache keinem im wachen Zustande vorhandenen Vermögen entspricht. Das Schauen der Somnambulen in der Nähe und in die Ferne, nach innen und nach Aussen, in die Vergangenheit und in die Zukunft beruht, meiner Ansicht zufolge auf einer und derselben unbekannten Fähigkeit und ist etwas Anderes, als ihre Visionen. Die Somnambule, von der ich oben berichtete, dass sie sich Gewalt anthun musste, die Gebilde ihrer Phantasie nicht für Wahrheit zu nehmen, wusste diese recht gut von solchen Eingebungen zu unterscheiden, welche der Wirklichkeit entsprachen.

Kommt unserem Körper aber ein solches, nicht an Raum und Zeit gebundenes, unbekanntes Vermö– gen unter der Form des Sehens zu, und stehen ihm, wie wir annehmen müssen, nicht ein sondern alle Organe zu Gebote, so wird es wohl eben so gut, als es in die Ferne und in die Zukunft zu blicken vermag, Wahrnehmungen zwischen einem und dem andern Organe vermitteln können.

Die Besessenheit bezeichnet der Vf, mit Recht als eine somnambule Verrückung der Persönlichkeit und weisst ihr im Kreise der magnetischen Zustände nur eine untergeordnete Stelle an. Die Kerner Eschenmayer'schen Geschichten kommen dabei stark ins Gedränge.

Obwohl ich dem Obigen zufolge, mit den Ansichten des Vfs. nicht allenthalben einverstanden bin, so kann ich mich doch nicht von seinem Buche trennen, ohne der manchfaltigen Belehrung und Anregung zu gedenken, die ich ihm danke, und ohne es allen denen, welche diesem interessanten Gegenstand ihre Aufmerksamkeit und ihr Nachdenken widmen, recht dringend zu empfehlen. Hbm.

Januar 1840.

GRIECHISCE LITERATUR.

LEIPzIG, b. Weigel: Euripidis tragoediae et fragmenta recensuit, interpretationem latinam correxit, scholia graeca e codicibus manuscriptis partim supplevit partim emendavit Augustus Matthiae. T. X. U. S. W".

C Fortsetzung von Nr. 8.)

P. 67 hätte nicht sowohl ovs3góg aus Alcmaeon Fr. 5, sondern vielmehr das Adverbium oxsogdög angeführt werden sollen. Auch hätte Hr. K., wenn er einmal die neuern Forschungen über Euripides berücksichtigen wollte, sich nicht auf das, was der Zufall ihm gerade darbot, beschränken sollen, während jetzt oft gerade das Unbedeutende erwähnt ist, das Wichtige übergangen wird; so hätte unter ößlotog wohl bemerkt werden können, dass Elmsley im Hippolytus v. 803 äßorog rözn und ebend. v. 816 äßiotog xataxová vorgeschlagen habe und diese Form an beiden Orten durch das Metrum sicher gestellt werde. Unter äorpov hätte vor allen auf das Scholion zu Phoeniss. v. 1 verwiesen werden sollen, so wie p. 40 unter xäga auf den Scholiasten zu demselben Stücke. 1166. Zu bedauern ist nur, dass das Wortregister durch sehr viele bedeutende Druckfehler entstellt ist, wodurch sogar der Brauchbarkeit desselben oft Eintrag geschieht, so z. B. unter Agyóag findet sich Phisthenes statt Pl– sthenes, p. 37 wird unter yut gesagt Dindorf habe überall is ua herstellen wollen, während doch dicses gerade die überlieferte Schreibart ist, wofür Dindorf mit Recht?s ua verbessert. P. 44 ist xg «v – 3 Eig für xga v3 Eig gedruckt, und so liesse sich das in der Vorrede mitgetheilte Verzeichniss von Druckfehlern noch um ein Bedeutendes vermehren. Auf den Index Verborum folgt von p. 82 an ein Index Rerum, der in gleicher Weise das Historische und Grammatische umfasst, was theils in den Scholien, theils in Matthiae's Commentaren sich findet; auch hier sind zuweilen eigene Bemerkungen mitgetheilt, 4. L. Z. 1840. Erster Band,

wie z. B. p. 96 unter interpunctio, p. 99 eine Verbesserung im Schol. des Orestes v. 1640 u. s. f. Daran schliesst sich von p. 106 – 114 ein Ver

zeichniss der Stellen von alten Schriftstellern, die

in den Scholien citirt werden, jedoch auch mit Berücksichtigung der von Matthiae in den Noten behandelten Stellen. Auf den folgenden Seiten ist ein kurzes Verzeichniss der Druckfehler und Irrthümer in den frühern Bänden der Matthiae'schen Ausgabe enthalten, was aber keineswegs auf Vollständigkeit Anspruch machen darf. Der Sweite Theil dieses Bandes enthält die Scholien zu den Troades und zum ihesus, die bisher der Matthiae'schen Ausgabe noch nicht einverleibt waren. Diese Scholien finden sich in einer Handschrift des Vatican in Rom (N. 909), die ausser den sieben ersten Tragödien, die am häufigsten gelesen wurden, auch die Trojanerinnen und den Rhesus enthält, und zwar beide Stücke mit vielen Scholien theils am Rande theils zwischen den Zeilen; die um so wichtiger sind, da bisher blos zu jenen sieben Tragödien Scholien bekannt waren. Elmsley, der während seines Aufenthaltes in Rom die Handschrift verglich, hatte leider nicht Zeit, auch jene Scholien abzuschreiben, (siehe zur Medea p. V ed. Lips), dieses geschah erst später von dem bekannten Hieronymus Amati, nach dessen Abschrift sie der im Jahre 1821 zu Glasgow erschienenen Ausgabe des Euripides beigefügt wurden, woraus Dindorf sie in seiner Ausgabe (Leipz. 1825) ohne alle Veränderung abdrucken liess, in den Anmerkungen jedoch viele sehr schätzenswerthe Verbesserungen hinzufügte. Später 1833theilte G. Hermann in einem Programm (Defragmentis poetarum in Scholiis Vaticanis ad Euripidis Troadas et Rhesum dissertatio) mehrere geistreiche und oft glückliche Verbesserungen zu diesen sehr verdorbenen Scholien mit: die genannte Abhandlung findet sich in den Opusculis T. V. p. 182 ff. wieder abgedruckt. Während nun Hr. Hermann vorzüglich die Dichterstellen, welche grösstentheils hier zum ersten Male zum Vorschein kommen, kritisch behandelt, Hr. Dindorf I : - -

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otzá heisst. Aber es lässt sich nicht absehen, wie dort des Ereignisses, was dem Trojanischen Sagenkreise angehörte, gedacht werden konnte; offenbar ist, worauf auch Hermann schon hindeutete, röv t» zt ego Ö« oder vollständiger töv tv 'I lov negoióa asnotyxóra zu schreiben; diese Flexion findet sich so häufig, dass sie nicht länger in Zweifel gezogen wer– den kann, z. B. Athenaeus XIII. p. 610. C: Zx rg Saxüóu toö Agyeiov IAiov tagoiôog. Pausanias X. 26: Xtnoxogog év Tiov togoiô. und ebendas. c. 25: Aéozsog ó AtoxvAjvov IIvggafog év IAiov tégoiôt. Da nun nach der eben angeführten Stelle des Pausanias in der Ilischen Zerstörung des Lesches, Demophon und Acamas nur ihre Mutter Aethra zurück erhielten, was auch vom Scholiasten des Euripides als die gewöhnliche Sage angeführt wird, dagegen in den von Lysimachus benutzten Versen die Thesiden von Agamemnon mit Geschenken belohnt werden (däga zögev), so ist un

A

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