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wenigstens nicht heuchelte, wo der Antrieb zur Heuchelei so nahe lag, und beweist, dass er nicht ein gemeiner Höfling ist, wie denn in diesem Drama grade das Hofleben in seinen Eigenheiten bei Seite gelassen ist. Ein eigentlicher Höfling, wie er in die Schilderung des Hoflebens nothwendig gehörte, würde dem Tasso, sobald er die hohe Gunst des Fürsten und der Prinzessin bethätigt sah, aufs freundlichste begegnet seyn, Neid und Aerger verbeissend, und bedacht, ihm hinterrücks durch feine Ränke Verderben zu bereiten. In der Scene, wo Tasso von der Prinzessin angetrieben Antonio's Freundschaft sucht, würde der Höfling, sobald er den Namen der Prinzessin als derjenigen, die ihn sandte, vernahm, die zärtlichste Freundschaft erheuchelt haben, und hätte er dabei vor verborgenem Ingrimm bersten mögen. Denn der Höfling macht es beim Namen der fürstlichen Personen, um mit Jean Paul zu reden, wie ein streng dressirter Hund, der mitten im Losfahren auf Jemand beim Zuruf: Wart' auf! sich auf die Hinterbeine setzt und, wenn auch grinsend, doch willig dem eingebläuten Befehl Folge leistet. Ja als der Fürst erscheint und den heftigen Auftritt an Tasso nicht ahnden möchte, treibt Antonio zur Bestrafung, so dass der Fürst, um dem Gesetz irgendwie zu genügen, eine wenn auch noch so geringfügige Strafe verhängen muss. Der Höfling hätte einen Fürsten nimmer so gedrängt. Antonio aber, als Mann von Selbstbeherrschung und ruhiger Hal– tung im Leben, heuchelt nicht, wenn er nach diesem Auftritt, bei welchem er sich rasch und ärgerlich gehandelt zu haben bewusst ist, gerne den gestörten Frieden des Hauses wieder herzustellen hilft. Dass Tasso durchaus dem Kreise erhalten werden solle, sah er und strebte nicht unklug dagegen, um so weniger als er die Störung, die er nicht als seiner würdig erkennen konnte, wieder gut zu machen hatte, was sich besonders in der Scene zeigt, wo Antonio dem Tasso Aussöhnung anbietet und ihm die Entfernung widerräth. Hr. L. meint, da in jedem Menschen etwas Gutes liege, was nicht so leicht ganz zerstört werden könne, sondern in irgend einer gegebenen Lage wieder einmal auftauche, so komme auch bei Antonio in der Schlussscene das Bessere Menschliche, was in ihm liege, zum Vorschein. Damit zeigt Hr. L. dass es ihm nicht gelungen ist diesen Charakter zu verstehen, wie ihn der Dichter gezeichnet hat. Denn ausser dem einzigen leiden

schaftlichen Ausbruch neidischen Aergers über die einem Andern zugewendete hohe Gunst - und Auszeichnung in einem Augenblick, wo er sich derselben nach glücklich vollbrachtem wichtigem Staatsgeschäft für würdiger hielt als einen Dichter, dessen wahren Werth und wahres Wesen der unpoétische Welt – und Geschäftsmann gar nicht würdigen kann, zeigt er sich besonnen, gebildet, in keiner Weise unedel, gemein oder kleinlich, sondern als achtbaren Mann. Die Prinzessin schätzt ihn, und ihr reiner, hoher edler Sinn würde sich nicht mit der Werthschätzung eines kleinlichen, zur Bosheit neigenden Höflings vertragen haben. Wenn ferner Hr. L. behauptet, es erscheine in Antonio die Bildung nach zwei Seiten, erstlich der praktischen durch Welt und Leben, zweitens der theoretischen durch Kunst und Wissenschaft seiner Zeit, so ist dies eine leere Phrase und hat nichts zu bedeuten. wenn er hinzufügt, in jener (der praktischen Bildung) sey er allen, selbst Leonoren überlegen, und beherrsche so den Gang der Handlung und die Schritte der Handelnden. Niemand beherrscht in dem Tasso den Gang der Handlung und die Schritte der Handelnden, da die Reizbarkeit des Dichters jeden Plan auf ihn und zu seinem Besten vereitelt. Am wenigsten aber, wenn jemand das Beherrschen der Handlung und der Schritte der Handelnden zugeschrieben werden könnte, würde es dem Antonio beizulegen seyn. Er richtet blos durch den Ausbruch seines Aergers eine Verwirrung an, wie er sie weder wollte noch voraussehen konnte, und bemüht sich hinterher ganz vergeblich die Sache wieder zum Frieden und zu einer leidlichen Ausgleichung hinzulenken. Von dem Fürsten Alphons meint Hr. L. er sey ohne bestimmten individuellen Charakter gezeichnet, und zwar mit Absicht, weil er keine durchgreifenden. Eigenschaften des Geistes oder des Herzens haben dürfe, wenn nicht die ganze Handlung eine andre werden sollte, und diese Nothwendigkeit sey, meint er, eine der schwächsten Seiten des Stücks, was dessen Anlage und Architektonik betreffe. Gegen Antonio betrage er sich, sagt Hr. L., schwach und nachgiebig. Da Hr. L. die in diesem Drama dargestellte Idee nicht erkannte und eine, nicht darin angedeutete, hineinzutragen sich entschloss, so folgte die

Verschiebung der richtigen Gesichtspunkte für ihn von selbst.

C Der Beschluss folgt.)

Falsch aber ist es,

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A EST HETIK.

KöNIGsBERG, b. Unzer: Ueber Goethe's Torquato Tasso von Dr. Friedrich Lewitz u. s. w.

( Beschluss vom Nr. 74. )

Agen ist dargestellt als Fürst, dem seine Regirungsangelegenheiten, wie es sich gebührt, am Herzen liegen, welcher dabei höchst gebildet, wohlwollend und von edlen Gesinnungen beselt ist. Ausser seinem Fürstenthum liegt ihm das gemeinsame Vaterland wenigstens in soweit an, dass er an dessen Glanz sich freut, und ihn pflegen hilft. Er ist zwar keine dichterische Seele, was sich mit seinem Berufe auch schlecht vertragen würde, da die Weltgeschäfte unter dichterischen Träumen, Phantasien und Reizbarkeiten einen schlechten Gang nehmen müssten, wie denn der Kaiser, der die Laute schlug und, das Feuer singend, Bacchus einlud mit Roms Asche seinen Wein zu mischen, nach Platens trefflicher Ode, grade nicht der vorzüglichste Herrscher war. Alphons aber erkennt, dass ohne Kunst und Poesie Barbarei herrscht, und schätzt darum die Dichter, und pflegt sie. Freilich nimmt er dabei Rücksicht auf sich und möchte Ruhm für sich und sein Haus davon ärnten, was aber zu tadeln eine zu grosse Strenge wäre; denn wer edel wirkend im Staate, sich und seine Wirksamkeit vom Dichter gepriesen sehen möchte, ist dadurch weder ein Egoist noch ein eiteler Mensch, da die Liebe zum Ruhm zu den besseren Neigungen und Leidenschaften unseres Herzens gehört. Wie wir nun einerseits in moralischen Dingen keine Kameele verschlucken sollen, so gebührt es andrerseits, keine Mücken zu seihen, sondern die Forderungen an die menschliche Natur so zu stellen, dass Erfüllung erwartet werden darf. Tasso findet bei Alphons die freundlichste Aufnahme, die schönste Musse, vorzügliche Anerkennung, und der Fürst übt eine wahrhaft grossartige Geduld mit seinen arg– wöhnischen Launen und seiner schwermüthigen Reizbarkeit. Gegen Antonio zeigt er durchaus keine Schwäche, sondern behandelt ihn, wie ein edler Fürst einen mit Recht von ihm geschätzten tüchtigen, höchst brauchbaren Staatsmann behandeln wird, würA. L. Z. 1840. Erster Band.

devoll freundschaftlich. Als derselbe auf Bestrafung des Tasso dringt, war es keine Schwäche von Alphons dies zu thun, denn so gern er mit dem Geduld erfordernden Dichter auch alle nur mögliche Nachsicht üben wollte, so konnte er doch als Fürst ein so bestimmtes und nothwendiges Gesetz als das von Tasso verletzte, nicht ohne eine, wenn auch nur ganz geringe und beinahe nur scheinbare, Bestrafung übertreten lassen, da Handhabung der Gesetze ihm oblag, und die Nichtbestrafung Tasso's den Schein auf ihn werfen konnte, als handhabe er die Gesetze parteiisch und erlaube Lieblingen Uebertretungen derselben. Dass Alphons nicht mehr in diesem Drama voransteht, und einen weiteren Wirkungskreis hat, kann nicht von mangelhafter Anlage und Architektonik zeugen, denn in einem Drama kann ja keiner Person eine weitere Entwickelung ihres Charakters gegeben werden, als zur Verwirklichung der Idee des Ganzen passt. Da nun die Darstellung des Dichters in seinem reizbaren Wesen und seinem Conflicte mit der Welt die Idee dieses Drama ist, so ist Tasso überall die Hauptperson, und die zweite Stufe nehmen die ein, welche seine Stimmungen herbeiführen und zum Ausbruch bringen, so dass grade Alphons damit am wenigsten zu schaffen hat, was ihm als Fürsten am angemessensten ist. Soweit er Charakter zu zeigen hat, zeigt er ihn, und mehr zu fordern, kann nur für Mangel an Eindringen in dieses Schauspiel gelten. Von der Schlussscene sagt Hr. L., sie gehe über die gewöhnliche Anlage der Tragödie hinaus, deute auf ein Künftiges, und es trete aus ihr die Vorahnung eines Zustandes entgegen, der zwar seinen Grund in den Verhältnissen des Gegenwärtigen habe, über dieses jedoch hinaus die Aussicht in eine neue Entwickelung, gleichsam in die beginnende Wiedergeburt Tassos eröffne. Dies ist durchaus unmöglich, da der Charakter Tassos so klar geschildert ist, dass eine Täuschung über ihn nicht statt finden kann, und eine arge Täuschung ist es, zu meinen, ein solches Gemüth könne zur Ruhe gelangen, und eine solche Sele könne etwas von der Art Antonio's oder des Weltmanns bekommen. Dass er im letzten Augenblick sich dem Antonio hingibt, ist eine seiner wechF (4)

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selnden Stimmungen, welche nach kurzer Frist wieder einer andern Platz machen konnte. Um Tasso recht zu schildern, musste er bis zu der heftigen Scene dargestellt werden, welche jedoch als letzte Scene zu gewaltsam war. Die Schlussscene mildert, indem sie ihm Theilnahme zur Seite stellt, selbst dadurch, dass er andere Gefühle ausspricht, nachdem er zuerst ungerecht getobt, als die des gereizten Misstrauens. Er hatte scheiden wollen, jetzt ist er gewaltsam aus dem Kreise geschieden, und nun erkennt er, wie er an demselben hängt, und da es nur von ihm abhängt Vergessenheit des Geschehenen bei so edlen, ihn mit Geduld tragenden Mienschen zu erwerben, so ist ein Strahl der IHoffnung gegeben, es werde sich noch zum Guten wenden lassen. Das sogenannte Ideale im Tasso findet Hr. L. allein darin, dass sich die Handlung allein aus den Charakteren und deren Conflicten entwickele ohne etwas Stoffartiges zu haben, und dass die Begebenheiten durch das IIarmonirende und Desharmonirende der Charaktere entstehe. Auch sagt IHr. L. Goethe hape nicht wie Schiller und Shakespeare die geschichtlich gegebenen Personen in ihrer festgestellten Objectivität dargestellt, sondern sie bezeichneten vielmehr gewisse Stufen, gewisse Fortschritte in der Entwickelung des individuellen Dichtergeistes, und in diesem Sinne müsse der sehr geläufig gewordene Ausspruch, Goethe sey ein objectiver, Schiller ein subjectiver Dichter, mindestens sehr modificirt werden, um als Wahrheit zu gelten. Auch diese beiden Aussprüche zeigen, dass Hr. L. erst ernstliche Studien machen muss, ehe er über solche Gegenstände mit einiger Wahrheit und Sicherheit schreiben kann.

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zeichnetes vaterländisches Werk, wie das vorlie

gende, in welchem der Ä viel

sicht und strenger Sichtung die Resultate seiner jährigen Forschungen und Untersuchungen im Gebiete der germanischen Pflanzenwelt dem botanischen Publikum mittheilt, aufmerksam zu machen, nachdem es nunmehr seit Erscheinung des Index generum, specierum et synonymorum in seiner Vollständigkeit vor uns liegt. In der That ist durch dasselbe einem gefühlten Bedürfnisse gründlich abgeholfen und jeder Botaniker, gleichviel ob Meister ode fänger, wird es mit Vergnügen in die Hand nehmen und nicht ohne Befriedigung wieder fortlegen. O e dass Rec. sich darauf einlässt, alle Einzelnheiten, durch welche das Buch vor andern ähnlichen ausgezeichnet ist, hier aufzuzählen, will er nur bemerken, dass dem Ganzen das Decandollesche natürliche system zum Grunde gelegt worden ist, die Charaktere der Familien und Gattungen mit Sorgfalt und Genauigkeit auseinander gesetzt sind und bei Bearbeitung der Species eine grosse Strenge hinsichtlich der bestimmt als solcher erkannten und der zweifelhaften Arten beobachtet, daneben aber auch eine vollkommen ausreichende Erläuterung der Synonymen vorgenommen worden ist. Um seinem Werke eine möglichst allgemeine Verbreitung zu verschaffen, hat der Vf, die Mühe nicht gescheut demselben eine dispositiogenerum florae Germanicae et Helveticae secundum systema sexuale Linneanum und eine tabula synoptica ordinum systematis naturalis ad floram nostram pertinentium mitzugeben, damit auf solche Weise Jedem, sey ihm das Bestimmen unbekannter Pflanzen nach dieser oder jener Methode geläufiger, gedient würde. Zu noch grösserer Bequemlichkeit sind in beiden Uebersichten auch die Seitenzahlen des Buches, wo die Charaktere der Gattungen und deren Arten zu finden sind, beigesetzt worden. Eine tabula comparativa giebt eine Uebersicht der Species, welche aus jeder natürlichen Familie in Deutschland und in der Schweiz allein, in Deutschland und der Schweiz zugleich, in Istrien und in Preussen allein vorkommen, wieviel wildwachsende Arten aus jeder Familie bis jetzt wirklich aufgefunden worden sind, und wieviel häufiger cultivirte Species in dem ganzen Floragebiete angetroffen werden. Das Resultat dieser Vergleichung ist, dass die Summe der wirklich unterschiedenen Arten des ganzen Floragebietes, dessen Grenzen in der Vorrede genauer bestimmt werden, 3210 sey, von welchen auf Deutschland allein 733, auf die Schweiz allein 126, auf Deutschland und die Schweiz 2173, auf Istrien allein 175 und auf Preussen 3 Arten kommen, während die

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Summe der allgemeiner angebauten Arten 79 beträgt.– Bei der Bearbeitung des speciellen Theiles beginnt der Vf, nach Decandolles Beispiel mit den Ranunculaceen und endigt mit den Gramineen, bewährt sich aber fast überall als der gründlichste Kenner der deutschen Flora auch in dieser Arbeit, wie er schon durch sein mit dem verstorbenen Mertens gemeinschaftlich bearbeitetes Werk, dessen Fortsetzung jeder deutsche Botaniker wohl sehnlich wünscht, seit Jahren dem botanischen Publikum auf die vortheilhafteste Weise bekannt ist. Wäre es dem Rec. gestattet, hier nur auf Einiges das wissenschaftliche Publikum aufmerksam zu machen, ohne der bekannten Bescheidenheit des geehrten Vfs. zu nahe zu treten, so möchte er unter Anderem nur auf die ausgezeichnete, wahrhaft meisterhafte Bear

beitung der Compositae, der Umbelliferae, wie der

Cyperaceae und Gramineae hinweisen. – Durch das beigegebene Verzeichniss der Gattungen, Arten und Synonyme hat das Ganze noch um Vieles an bequemer Benutzung gewonnen. Druck und Papier sind gut.

Sch.

ZüR1c, b. Schulthess: Die Flora der Schweiz von Dr. J. Hegetschweiler. 1838 u. 39. Liefer. 1 u. 2. gr. 12. (Complett 3 % Rthlr.)

Der Zweck des vorliegenden Werkes, welches nacli der Ankündigung der Verlagshandlung etwa 1000 Seiten stark werden dürfte, und schon am Ende des Jahres 1838 vollständig erscheinen sollte, ist der, eine möglichst vollständige Aufzählung und genaue Sichtung aller schweizerischen offenblühenden Pflanzenarten und Pflanzenformen in deutscher Sprache zu geben, wobei die gewöhnlichen Cultur – und Gartenpflanzen mit berücksichtigt werden sollen und auf den technischen und arzneilichen Gebrauch der– selben hingewiesen werden wird. Um die Zersplitterung vielformiger Arten, und das willkürliche Zusammenziehen sogenannter Species nach Möglichkeit zu vermeiden, hat der Vf, alle deutlich zu erkennenden, aus einer Stammart hervorgegangenen Formen unter Angabe der sie veranlassenden Ursachen gehörig gesondert und unter bestimmte, mit unveränderlichen Merkmalen versehene Racen vereinigt, wodurch auf der einen Seite ein vollständiges Bild aller ausgezeichneten Pflanzenphysiognomieen entsteht, auf der andern die Uebersicht und Kenntnissnahme ungemein erleichtert wird. Diese beiden ersten Lieferungen zählen die Pflanzenspecies der sechs ersten Linneischen Klassen auf, und in einer ausführlichen Vorrede sollen manche Verhältnisse der schweizerischen Flora, namentlich der Alpenpflanzen, näher beleuchtet werden, ein Ver

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sprechen, dessen Realisirung wohl jetzt nach dem Tode des Vfs: ungewiss ist, so erwünscht es auch gewiss den meisten Botanikern wäre. Während die neueste „Synopsis florae Helveticae von Gaudin" (opus posthumum continuatum et editum a J. P. Monnard. Turici, 1836) nur 2313 Arten enthält, wird dieses Werk gegen 3000 Species in sich aufnehmen. Die Beschreibungen der Arten in den uns vorliegenden Lieferungen sind meist sehr gedrängt, aber bezeichnend, in sofern der Vf. durchaus alles Unwesentliche mit Sorgfalt in denselben vermieden hat, so dass Ref. sich auch gedrungen fühlt, das Werk allen Botanikern, denen es um eine gründliche Kenntniss der Schweizer – Flora zu thun ist, angelegentlichst zu empfehlen.

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In alphabetischer Reihefolge zählt der Vf, die in die neueste Preussische Pharmakopöe aufgenommenen Arzneikörper auf, und fügt denselben auch diejenigen noch hinzu, welche nicht selten von dem Publico gewünscht werden, die aber vorräthig zu halten, den Apothekern nicht gesetzlich geboten ist, und erläutert dieselben im Ganzen mit ziemlich guter Sachkenntniss, ohne dabei gerade in dem Sinne, wie es unsere Zeit und der Standpunkt der wissenschaftlichen Pharmacie fordert, wissenschaftlich zu Werke zu gehen. Er hat bei seiner Arbeit, wie er selbst sagt, viel mehr Anfänger und solche, welche sich mit Leichtigkeit über Arzneikörper und deren Benutzung unterrichten wollen, ins Auge gefasst, als Männer von umfassender wissenschaftlicher Bildung auf diesem Gebiete. Das hatte dann freilich, wie es dem Ref scheinen will, zur Folge, dass der Vf, glaubte, es könne hier auch eine gewisse Oberflächlichkeit, die nicht zu verkennen ist, genügen. Allein dieser Meinung kann Ref. nicht seyn, vielmehr theilt er ganz die Ueberzeugung derer, welche behaupten, es müssten die pharmaceutischen Werke mit möglichster Wissenschaftlichkeit bearbeitet werden, um dadurch in denen, die oft nur zu sehr der mehr mechanischen Beschäftigung, welche aus unsern Apotheken keinesweges zu entfernen ist, sich ganz überlassen, eine gewisse wissenschaftliche Richtung, einen mehr wissenschaftlichen Sinn zu erzeugen, durch welchen sie zu einer geistigen Thätigkeit erhoben und geneigt werden. Aus diesem Grunde will es dem Ref. auch scheinen, als wenn der Vf, seinen Zweck besser erreicht haben würde, wenn er, wie Winkler in seinem Real – Lexikon der medicinisch – pharmaceutischen Naturgeschichte und Rohwaarenkunde es gethan, auf wissenschaftliche Beschreibung der verschiedenen Arzeneikörper, auf systematische Stellung derselben, wie auf ihr Verhalten zu andern Naturgegenständen überhaupt, etwas mehr Rücksicht genommen hätte. Um aber nicht missverstanden zu werden, muss Res. noch erklären, dass in obiger Bemerkung nicht etwa ein so positiver Tadel ausgesprochen werden soll, als entspreche das Lehrbuch seinem Zwecke gar nicht; vielmehr soll damit nur ein Wink für den Vf, gegeben werden, den er bei einer etwanigen zweiten Aufl., welche gewiss nicht ausbleiben wird, da es an Werken dieser Art immer noch sehr mangelt, gütigst benutzen wolle. Sch.

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BREsLAU, b. Grass, Barth u. Comp.: Ueber die geometrische Anordnung der Blätter und der Blü– thenstände, von L. u. A. Bravais. Mit einem zweifachen Anhange: Bericht über die Arbeiten der Hnn. Schimper, u. Braun über den nämlichen Gegenstand, von Ch. Martins u. A. Bravais, und Beobachtungen über die Auflösung der paarigen Blattstellung in die spiralige, von Dutrochet. Aus d. Franz. von W. G. Walpers. Mit einer Vorerinnerung von Dr. C. G. Mees von Esenbeck.

Mit 9 Steindrucktafeln. 1839. XII u. 258 S. Lexikonformat. (2 Rthlr.)

Es ist bekannt, dass die Lehre von der Stellung der Blätter und der Blüthentheile der Pflanzen in dem letzten Decennium eine überraschende Entwickelung erfahren hat, und dass die Pflanzenwelt das Gesetz ihrer Bildung bald unter einen mathematischen Ausdruck gebracht sehen wird. Vorliegendes Werkchen, welches eine Uebersetzung der zunächst nur in den Annales des sciences naturelles (1837) mitgetheilten Abhandlungen der Hnn. Bravais über die krummlinige Blattstellung und über die Blüthenstände giebt, liefert einen sehr schätzbaren Beitrag hierzu, so dass das botanische Publikum es dem Hn. Walpers Dank wissen muss, wenn er die Mühe der Uebertragung jener Arbeiten in unsere Muttersprache nicht scheute, um auf diese Weise die von den Gebrüdern Bravais gemachten Beobachtungen und in Folge derselben nicht grundlos aufgestellten Behauptungen einem grösseren Kreise zugänglicher zu machen, da dieselben in der Originalsprache in der That etwas schwierig zu ver

stehen sind. – Die Behandlung des Stoffes angehend, muss Ref. gestehen, dass er im Ganzen ei

angemessene Strenge, die der Wissenschaftlichkeit des Gegenstandes entspricht, nicht vermisste, wiewohl es ihm scheinen will, dass hier und da etwas zu gewagte Behauptungen aufgestellt worden sind. Die beiden Zugaben, welche der Titel gleichfalls nennt, sowie die Vorerinnerung von einem der Veteranen unserer Wissenschaft werden. Jedem, der sich für den behandelten Gegenstand interessirt, recht willkommen seyn. Sch.

BRAUNschwEIG, b. Vieweg u. Sohn: Die Krunkheiten und krankhaften Missbildungen der Gewächse, mit Angabe der Ursachen und der Heilung oder Verhütung derselben, sowie über einige den Gewächsen schädliche Thiere und deren Vertilgung. Ein Handbuch für Landwirtlie, Gärtner, Gartenliebhaber und Forstmänner. Von Dr. A. F. Wiegmann sen., Prof. in Braunschweig u. s. w. Mit einer Kupfertafel. 1839. XIIu. 176 S. 8. (22 gGr.) Der Vf., welcher unter den deutschen Gelehrten sich neben einigen Andern, wie Hartig, Meyen, Unger, wohl am meisten mit dem in dieser Schrift behandelten Gegenstande beschäftigt hat, giebt mit derselben einen verbesserten und durch einige neu Entdeckungen und Beobachtungen bereicherten, mindestens vervollkommneten Abdruck seines als Versuch einer Krankheitslehre der Gewächse in dem ersten, zweiten und dritten Bande der vom Prof. Sprengel redigirten land- und forstwissenschaftlichen Zeitschrift mitgetheilten Aufsatzes und hofft dadurch dem wiederholentlich gegen ihn geäusserten Wunsche, seine Bemerkungen und Mittheilungen über den in Rede stehenden Gegenstand in einer Brochüre zu mehrerer Verbreitung und bequemerer Benutzung vereint zu haben, nachgekommen zu seyn. Wie die Gewächse, obgleich ohne willkürliche Bewegung, bewusstlos sich ernährend und fortpflanzend, mit Lebenskraft begabte, organisirte Naturkörper sind, so ist auch ihr Lebensprocess unter dem Einflusse von Wärme und Kälte, Feuchtigkeit und Dürre, Dunkelheit oder zu starkem Lichte u. dgl. m., wie der eines jeden lebenden Körpers, mannichfaltigen Störungen unterworfen, die um so auffallender werden, je zarter der Bau ihres Innern ist und je weniger sie in Folge ihrer geringen Selbstständigkeit den Folgen schädlicher Einflüsse gehörig widerstehen kö oder Beschluss folgt)

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