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- 157 Briefe, diesem Abschnitt angehängt, grösstentheils aus Rom, einige aus Frascati, Albano, Neapel oder aus den auf der Herreise berührten Städten, z. B. München, Venedig, Florenz, meistens an die Hensler, einige auch an Jacobi, Savigny und Perthes, einer an Moltke gerichtet, verbreiten sich weitläufig über alle in obiger Relation des elften Abschnittes erwähnten politischen, religiösen und litterärischen Gegenstände und Ereignisse; nur Nachrichten über die Denkmäler des Alterthums, einige Kleinigkeiten ausgenommen, werden darin vermisst. Es versteht sich, dass auch die Geheimnisse seiner politischen Verhandlungen nicht erwähnt werden, wenn auch einzelne Andeutungen sich finden; spärlich sind die Nachrichten über die Person des Papstes und der Römischen Grossen, – vielleicht traten hier hö– here Rücksichten der Mittheilung in den Weg. Interessant sind für den Historiker die Briefe an Savigny, welche ein helles Licht über die Veränderungen der römischen und italiänischen Städteverfassung beim Uebergange in das Mittelalter verbreiten. In anderen Briefen wird Goethe wegen seiner falschen Auffassung der Kunstdenkmäler und unrichtigen Beschreibung des römischen Carnevals scharf beurtheilt. – Auf S. 321 findet sich noch folgende beachtungswerthe Aeusserung: ,,Vollenden kann kein Le„ben der mein Werk und wahrscheinlich wird nie einer aufstehen, der es thäte.” Der dritte Band enthält nur einen und zwar den 12ten Abschnitt der eigentlichen Lebenserzählung; „Niebuhr's Rücktritt in das Privatleben, und gelehrtes Leben in Bonn, 1823 bis 1830.” Als dreizehnten kann man einen in der zweiten Hälfte des Bandes mitgetheilten Aufsatz ansehen: „ Ueber Niebuhr's Leben und Wirksamkeit in Bonn, nebst einer Wachricht von seinem Ende. Von einem Freunde M’s. Er bildet eine willkommene Ergänzung zu jenem, hält sich mehr im Allgemeinen, während jener auf das Besondere eingeht, verbreitet sich ausführlich über N's Wirksamkeit als akademischen Lehrers, und giebt über seine letzten Augenblicke ausführlichere Nachricht. Er hat einen andern Vf, als die früheren Abschnitte der Lebenserzählung. Hierauf folgen noch drei andere Aufsätze, über welche wir weiter unten berichten werden. Den Schluss bilden Briefe W's an den Grafen de Serre, während dem zwölften Abschnitte, wie gewöhnlich, eine bedeutende Zahl Briefe angehängt ist. Von Rom reiste N. über Bologna, Verona und Inspruck nach St. Gallen. Hier zeigte ihm der be

reitwillige Bibliothekar von Arx alle codices rescripti, die meist geistlichen Inhalts waren. Unter der kleinen Ausnahme entdeckte er bald die Lobgedichte des Merobaudes, welche er dort während eines Aufenthaltes von sechs Wochen bearbeitete, und dann über Tübingen, Stuttgart und Frankfurt nach Heidelberg ging, wo er Voss und Thibaut besuchte. Von dort begab er sich nach Bonn. Sein früherer Gedanke, diese Stadt, wo sein Freund Brandis als Professor angestellt war, und wo er literarischen Umgang und freundliche Verhältnisse zu finden hoffte , zum beständigen Wohnort zu wählen, reifte jetzt zum Entschlusse, um so mehr, als er einen Lehrer für seinen Markus in dem Sohne seines Freundes Göschen gefunden hatte. . Sehr unangenehm empfand er die Steinacker'sche Ausgabe der Bücher de republica mit dem bekannten Ausfalle gegen ihn; sie verleidete ihm gewissermassen den ersten Wiedereintritt in das Vaterland, und veranlasste ihn zu zwei kleinen Streitschriften. Indessen brachte ihm dieser Streit und die dadurch angestellte nähere Untersuchung mancher Punkte eine Aufklärung über den dritten Wendepunkt der Umbildung der römischen Verfassung. Diese Entdeckung bestimmte ihn, die lange unterbrochene Arbeit wieder aufzunehmen. Im folgenden Winter 1823 – 1824 ging er eifrig an's Werk, und brachte etwa die Hälfte des dritten Theiles so weit, dass er nur noch einer Ueberarbeitung bedurfte. Die Durchsicht der beiden ersten Bände, wovon er eine neue Ausgabe veranstalten wollte, zog ihn aber ganz auf diese hin, und vorläufig von jenem ab. Im Frühjahre 1824 gebar ihm seine Frau einen zweiten Sohn, wodurch, so wie durch eine neue Ausgabe des Merobaudes, seine Arbeiten eine Zeitlang unterbrochen wurden. Im Mai reiste er nach Berlin ab, besuchte unterwegs Hm. v. Stein, und hielt sich einen Tag in Göttingen auf. In Berlin stellte er sich dem Könige und dem Kronprinzen vor, welche ihn beide sehr gnädig aufnahmen, und sah viele liebe Freunde wicder. Die erbetene Entlassung von der römischen Gesandtschaft wurde ihm ertheilt, und der Gehalt, den er von derselben bezogen, als Wartegeld ihm zuerkannt. Erfreut über diese Veränderung seiner Verhältnisse kehrte er nach Bonn zurück, aber auch mit schwerem und bangem IIerzen wegen Erkrankung fast aller seiner Kinder, wovon das jüngste schon vor seiner Rückkehr gestorben war. Nachdem die Gefahr der übrigen gehoben war, und er sich von mannichfachen Gemüthsbewegungen erholt hatte, gelangte er zu einer heiteren Stimmung; das Missge

fühl, die Kräfte für eine höhere politische Wirksamkeit, deren er sich bewusst war, ungebraucht zu sehen, wurde bald von dem freudigen Gedanken verdrängt, jetzt ganz den Wissenschaften leben zu können. Aber kaum in Bonn zur Ruhe gelangt rief ihn eine Königl. Kabinetsordre zu den Sitzungen des Staatsraths nach Berlin. Obgleich ungern in seinen Arbeiten unterbrochen, folgte er, wie natürlich, dem Befehl seines Monarchen, wenn er auch voraussah, dass die Verhandlungen, derentwegen er eigentlich berufen war (sie betrafen das Projekt einer zu errichtenden Nationalbank und das bäuerliche Eigenthumsrecht in Westphalen) lange Discussionen und vergebliche Kämpfe veranlassen würden. Nach einem Aufenthalte von 5 Monaten kehrte er im Mai 1825 nach Bonn zurück, wo er nun der Universität sich frei anschloss, und so den Lieblingswunsch seiner Jugend, nämlich die Wirksamkeit eines akademischen Lehrers, endlich erreichte. Er las während des Sommers publice die Geschichte der Griechen seit der Schlacht von Chäronea vor einem zahlreichen Auditorium. Daneben gab er seinem Sohne einige Stunden, und nahm, nach Göschen's Anstellung als Repetent in Göttingen, zum Lehrer desselben einen jungen Philologen, Hn. Grauert, an, der in dieser Stellung bis zu seiner Berufung als Professor an die Akademie zu Münster zur Zufriedenheit MW's wirkte. Ebenso wurde die Mutter in der Erziehung der Töchter durch ein junges Mädchen unterstützt. Die Kränklichkeit der Frau veranlasste für eine Zeit lang eine neue Trennung durch den ihr verordneten Gebrauch des Bades Burtscheid bei Aachen. – Im folgenden Winter las er römische Alterthümer, und nahm, um Inconvenienzen für die andern Universitätslehrer zu vermeiden, Honorar dafür, welches er theils zu Preisaufgaben, theils zu andern wissenschaftlichen Zwecken bestimmte. Auch verband er sich mit Böckh, Brandis und Hasse zur Herausgabe des rheinischen Museums, und als Böckh abtrat und die Redaktion der juristischen Abtheilung von der philologischen geschieden wurde, theilte er bis an seinen Tod sich mit Brandis in die letztere. – Im Sommer 1826 las er alte Geschichte; in der Theilnahme und dem zahlreichen Besuche dieser Vorlesungen glaubte er ein erfreuliches Zeichen einer höheren Befähigung zu erblicken, welche die Jugend zu gereifteren Männern aus Begierde nach höheren Kenntnissen hinziehe. Auch errichtete er mit Brandis und andern Philologen im Februar 1826 eine philologische Gesellschaft, im Sinne der früheren zu Berlin, weil mündliche Mittheilungen und Gespräche ihm Bedürfniss waren. In den Herbstferien 1826 machte er eine Reise nach Elberfeld und Düsseldorf, und begann nach seiner Rückkehr, mit neuen Erfahrungen aus dem Kreise des bürgerlichen Lebensbereichert, Vor

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den, brachten ihm angenehme Stunden, so sehr auch

der Besuch mancher neugierigen Reisenden, besonders Engländer, ihn störte. Das Ableben von J. H. Voss betrübte ihn sehr. – Im Winter 1826 auf 1827 begann er die Umarbeitung des zweiten Theiles seiner Römischen Geschichte, und entwarf für den Buchhändler Weber in Bonn den Plan zu einer neuen Ausgabe der byzantinischen Schriftsteller, wovon er selbst den Agathias bearbeitete. (Dieses Unternehmen wird bekanntlich auch jetzt fortgesetzt.) Für die westphälischen Stände arbeitete er ein von densclben erbetenes Gutachten über die Errichtung eines von ihnen beabsichtigten Geldinstitutes aus. – In den Osterferien 1827 machte er mit Brandis eine kleine Reise nach Trier, und las im folgenden Sommer wieder über römische Alterthümer. Im Spätsommer erfreute ihn der Besuch eines vieljährigen Freundes, des Prof. Twesten aus Kiel mit dessen Gemahlin, einer Verwandten der seinigen. Er besorgte um diese Zeit auch die dritte Auflage des ersten Bandes sei

ner Geschichte, da die zweite bereits vergriffen war;

sie wurde mit manchen Zusätzen bereichert. Der Winter 1827 auf 1828 verging in stillem häuslichem Leben, öftere Besuche bei der damals in Bonn lebenden Kurfürstin von Hessen abgerechnet. Eine Veränderung hatte der häusliche Kreis durch Hn. Grauerts Berufung nach Münster, im Herbst 1827, erfahren; Hr. Classen, jetzt Professor am Gymnasium zu Lübeck, trat an seine Stelle, und blieb darin bis zum Tode N's. Als Mitarbeiter an den Byzantinern und Herausgeber des dritten Bandes der römischen Geschichte, vor dessen Vollendung N. der Tod dahinraffte, hat Hr. Classen sich um MW's Andenken verdient gemacht, wie er dem Sohne NW's auch nach dem

Tode des Vaters noch mehrere Jahre seine Liebe und

Fürsorge zuwandte. – In demselben Semester las MW. über alte Länder – und Völkerkunde, gab den ersten Band seiner kleinen historischen und philologiSchen Schriften heraus, und verband sich mit J. Beker für den nächsten Sommer zu einer Bearbeitung des Polybius, deren Ausführung aber durch die in demselben Sommer erfolgte, ihm und seiner kranken Frau So nothwendige, Erholungsreise nach Holstein unterblieb. Von Theilnahme an den Sitzungen des Staats

raths in Berlin hatte er wegen seiner zu haltenden Vorlesungen sich wiederholte Dispensation ausge

wirkt. –

C Der Beschluss folgt.)

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Jahr 1817 bis auf die neueste Zeit herab, um nicht zweifelhaft zu seyn, auf welcher Seite die Schuld zu suchen sey. Auch der hier zu besprechende Streit ist ein grösstentheils persönlicher und durch einen persönlichen Angriff auf Dr. Schulz hervorgerufen, aber er hat dadurch ein allgemeineres Interesse gewonnen, dass Hr. S., um die Natur dieses Angriffes ins Licht zu stellen, in Nr. 1 eine Charakteristik des ganzen literärischen Instituts, von welchem sie ausgegangen, versucht, wogegen der Herausgeber in Nr. 2 sein Institut und sich zu vertheidigen sucht. Die nächste Veranlassung zu Nr. 1 gab nämlich eine Anklage des IIn.S. in der Evang. Kirchenz. 1838. Nr. 35 ff. von ähnlicher Richtung, wie mehrere frü– here, jedoch, um den Schein zu meiden, in eine Recension zweier seiner Schriften, nämlich »vom Glauben" (1834) und „von den Geistesgaben der Christen" (1836) eingekleidet, in welcher, während der eigentlich wissenschaftliche Gehalt beider Schriften ganz unerörtert bleibt, blos darauf eingegangen wird, die gelegentlichen Aeusserungen des Dr. Schulz über die stillstehende Theologie als Anatheme zusammenzustellen, sodann die Ansichten desselben von den Hauptsymbolen der Kirche und ihrem gegenseitigen Verhältniss zu prüfen, und endlich zu behaupten, A. L. Z. 1840. Erster Band.

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dass „das Dringen auf Trennung der Symbolgläubigen von der bestehenden evangelischen Kirche in geradem Widerspruch mit den Erklärungen und Maassregeln der geistlichen Behörden des Preussischen Staats stehe, denen Hr. Schulz selbst als Consistorialrath zugehöre.“ „Die neue Agende, heisst es dann weiter, hat nicht blos die Symbole der alten apostolischen Kirche aufgenommen und anerkannt, in deren Anerkennung beide Evangelische Schwesterkirchen von jeher einig waren, sondern es ist auch die fortwährende Geltung der Confessionen der Evangelischen Kirche, so viel Rec. weiss, nirgends in Zweifel gestellt, sondern vielmehr durch den bekannten Allerhöchsten Erlass Sr. Majestät vom 28. Februar 1834 ausdrücklich versichert worden. In vorliegender Schrift nun giebt ein Königl. Preuss. Consistorialrath denen, welche in dem sanktionirten Lehrbegriffe den Ausdruck ihrer evangelischen Ueberzeugung finden, den Rath sich von der Evangelischen Kirche zu trennen, weil sie ihr innerlich nicht wahrhaft mehr angehören sollen. Bei dieser Erklärung eines Kirchenbeamten können Unkundige, welche nicht wissen, dass die Aeusserung eines Mitgliedes einer Behörde dieser selbst ganz fremd seyn könne, nur voraussetzen, dass es mit den officiellen Versicherungen, als solle der alte evangelische Glaube noch gelten, nicht eben sehr ernstlich gemeint seyn könne; denn wenn die Bekenner des alten evangelischen Glaubens der gegenwärtigen Evangelischen Kirche nach der Behauptung des IIn. Schulz innerlich nicht wahrhaft mehr angehörten, so würde nothwendig folgen, dass die jetzige Evangelische Kirche ein anderes Bekenntniss habe, als die frühere. Es wird, so schliesst die Recension, durch diese und ähnliche Aeusserungen, so wie durch die Schmähungen, wodurch die treuen Glieder der Evangelischen Landeskirche natürlicher Weise nur verletzt werden können, nun auch erklärlich, warum gerade in Schlesien von symbolgläubigen Lutheranern der Anfang gemacht wurde, sich von der Evangelischen Kirche zu trennen, und wie sie in direktem Widerspruch mit den officiellen Bekanntmachungen der hohen und höchsten Behörden und dem Inhalte der dem Hn. Dr. Schulz, seinen obigen Aeusserungen zu Folge, viel zu orthodoxen und darum unliebsamen Agende behaupten Hll h

konnten, dass die Evangelische Kirche mit derselben ein neues Symbol erhalten habe, oder dass durch sie die frühere Confession aufgehoben und somit ein kirchlicher Indifferentismus begründet oder gar der Unglaube sanctionirt worden sey. Es wird so begreiflich, wie die leicht beunruhigten und irre geführten Separatisten ihre äusserliche Lossagung von der Evangelischen Kirche, welche Hr. Schulz den Symbolgläubigen anrathet, sogar, wie aus den Scheibel'schen Brochüren hervorgeht, durch Berufung auf die Ermahnung des Apostels rechtfertigen: Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen." Der Leser dieser Worte muss sofort erkennen, dass es dem unbekannten Schreiber darauf ankam, den Dr. Schulz nicht als Gelehrten, sondern als Beamten anzugreifen. Darum wird Alles übergangen, was die beiden Schriften des Dr. Schulz zu sehr bedeutenden Erscheinungen in der theologischen Literatur macht; darum nur das hervorgehoben, was sich leicht auf das praktische Gebiet der Kirche hinüberspielen lässt. Der Consistorialrath wird verdächtigt 1) in sofern sein Verfahren ganz geeignet. sey, den Gedanken zu erwecken, als ob es den Geistlichen Behörden im Preussischen mit der Versicherung, dass der alte Glaube noch gelten solle, eben nicht Ernst sey, und 2) in sofern, als er die Schuld des Schlesischen Separatismus trage. Und bei wem sollte diese Verdächtigung wirken? Hauptsächlich in den höheren Kreisen der Gesellschaft, wo die evangelische Kirchenzeitung die theilnehmendsten und gläubigsten Leser findet. Ein Versuch dieser Art durfte nach ähnlichen misslungenen schon wieder gewagt werden, zumal wenn man dabei vorsichtig zu Werke ging, und den Schein, als ob man blos in einer gelehrten Fehde begriffen sey, zu retten suchte. In diesem Sinne erklärt der Recensent S. 41: „Es ist in neueren wie in älteren Zeiten viel von Delationen und Denunciationen als einer schlechten Sache die Rede gewesen, während sie oft auch für Sache der Pflicht erklärt worden sind, wenn der Beruf oder die Gefährlichkeit des anzuzeigenden Beginnéns und Treibens gewisser Menschen dazu auffordern. Immer aber hat man unter Denunciation eine bei einer Behörde meist insgeheim gemachte Anzeige begangener Verbrechen oder gefährlicher Unternehmungen verstanden. Hr. Dr. David Schulz hat nun aber in einer kürzlich in der Leipziger Zeitung erschienenen Anzeige unerwarteter Weise eine Recension seiner neuesten Schriften für eine Denunciation erklärt, und so die Zahl der Denuncianten ausserordentlich vermehrt." ( Die Fortsetzung folgt.)

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C Beschluss von Nr. 53. )

Neugestärkt durch den Aufenthalt in der lieben Heimath und den Umgang mit seinen Verwandten kehrte er Anfangs October 1828 nach Bonn zurück, und fand dort einen früheren Bekannten, den römischen Prälaten Cappacini, der von seinem Hofe in geistlichen Angelegenheiten nach den Niederlanden versandt war; er schätzte in ihm einen Mann von ausgezeichnetem Verstande und Kenntnissen (vgl. Lieber's Erinnerungen S. 173 ff.); sehr erschütterte ihn aber um dieselbe Zeit die Nachricht von dem Tode seines leidend in Kiel zurückgelassenen Schwagers Behrens. – Im Winter 1828 auf 1829 las er wieder römische Geschichte, und begann die neue Ausgabe des zweiten Bandes, obgleich ein langwieriges Flechtenübel, welches ihn seit dem Beginne seines Aufenthalts in Bonn gequält hatte, auf seinen Nerven lastete. – Im Januar 1829 kaufte er sich ein hübsches geräumiges Haus, und bezog es um Ostern. – Im Sommer 1829 las er, von Vielen aufgefordert, über die neueste Geschichte von 1789 an. -- Den

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der Druck dieser interessanten mit so vielen nicht überall gekannten Thatsachen bereicherten Vorlesung wäre gewiss eine der interessantesten Erscheinungen der neuern historischen Literatur geworden. Der Andrang der Studirenden und vieler Nicht-Studirenden zu dieser Vorlesung war so stark wie nur jemals früher. Ausserdem las M. die Fortsetzung der im vorigen Semester nicht beendigten Römischen Geschichte, und zwar die Kaisergeschichte; zugleich besorgte er die Bearbeitung des Agathias und eine weitläufige literärische Correspondenz. – In den Herbstferien erfrischte er sich durch eine Reise über Frankfurt nach Mainz, wo er seinen Freund, den General v. Carlowitz besuchte. Durch eine Verfügung des Ministeriums entging er der unangenehmen Unterbrechung seiner Studien und Vorlesungen, als nunmehriger Hauseigenthümer im November bei dem Geschwornengericht in Köln erscheinen zu müssen. Auch der Wunsch des Kronprinzen, dass er den

Sitzungen des Staatsraths beiwohnen, und späterhin, dass er überhaupt seinen Aufenthalt in Berlin nehmen möchte, blieb ungeachtet angeknüpfter Unterhandlungen ohne Erfolg. – Mit dem Jahre 1830 sollten schwere Unglücksfälle für N. beginnen. Am 6. Februar um Mitternacht stand plötzlich sein Haus in Flammen, wahrscheinlich weil durch starkes Heizen in dem strengen Winter ein Riss im Schornstein entstanden war, und dieser das Feuer an einen nahe

liegenden Balken geführt hatte. Der obere Theil des

Hauses wurde durch die Flammen ganz vernichtet, der übrige unbewohnbar gemacht. Das Meiste seiner Effekten wurde gerettet, aber Vieles beschädigt, besonders die Bücher; viele Papiere, unter ihnen die Briefe an seine Eltern, verbrannten; ein von ihm sehr geschätzter Abguss der kapitolinischen Wölfin wurde zertrümmert; von dem fast fertigen Manuscripte zur 2ten Aufl. des 2ten Bandes seiner Geschichte gingen nur einige Blätter verloren, die er später wieder ersetzte. Mit Fassung und Ergebenheit trugen M. und seine Frau das Unglück; im Hause des Prof. Hollweg fanden sie gastfreundliche Aufnahme; später bezogen sie eine gemiethete Wohnung. Das Haus wurde aber wieder hergestellt, ein neues Stockwerk aufgesetzt, und im October wieder bezogen. – Die Juli-Revolution und ihre Folgen erschütterten M. gewaltig, um so mehr, da sie ganz gegen seine Erwartung war. Seine politischen Ueberzeugungen stimmten freilich mit keiner von beiden Parteien; doch war ihm der oberflächliche moderne Liberalismus im höchsten Grade zuwider, und im Wege der Revolution konnte nach seiner innigen Ueberzeugung das Ziel wünschenswerther Verbesserungen nie erreicht werden. Mit Ernst und Würde warnte er deswegen, als er gleich nach erhaltener Nachricht in das Auditorium trat, seine Zuhörer vor Theilnahme an den verderblichen Richtungen der Zeit. Einige im Texte mitgetheilte Briefe enthalten Näheres über NW's trübe Stimmung und seine Ansichten über die Zeitereignisse; auch der im Spätherbst 1830 erschienene zweite Band seiner Geschichte theilt Aehnliches in der Vorrede mit; zu grosse Aengstlichkeit lässt sich darin nicht verkennen, obgleich leider schon jetzt so Manches von dieser Vorhersagung sich verwirklicht hat. – Es kam anders, als er erwartet hatte: die Kriegsgefahr zog glücklich vorüber; aber für ihn sollte keine neue Periode heiteren Lebensgenusses mehr folgen. Schon lange angegriffen und überspannt durch Arbeiten und Sorge über die Kriegsunruhen erkältete er sich am ersten Weihnachtstage Abends beim Ausgehen, und legte

sich nieder, um nicht wieder aufzustehen. Bald zeigten sich Symptome einer Brustentzündung. Am dritten Tage ahnte er seinen Tod, und sprach diese Ahnung auch aus. Sein öfterer Ausspruch, dass ihm nicht über sieben Jahre an einem Orte zu leben vergönnt sey, sollte sich bestätigen; in der Nacht auf den 2. Januar 1831 etwas nach ein Uhr verliess die Seele ihre irdische Hülle. Seine Frau starb neun Tage nach ihm, am 11. Januar, an gebrochenem Herzen; denn sie rang vergebens nach Thränen für ihren Schmerz. Beide ruhen in einem Grabe; die Huld des Kronprinzen hat es mit einem Denkmale geschmückt; für die Kinder sorgt die Theilnahme liebender Verwandten und Freunde. – Eine englische Zeitschrift (vgl. Morgenblatt, 1831. Nr. 331) und die Hannöversche Zeitung vom 2. Febr. 1832 sprach sich mit wehmüthiger Anerkennung über W's Person und wissenschaftliche Leistungen aus, (die betreffenden Aeusserungen sind im Texte mitgetheilt); über sein fruchtbringendes Wirken an der Bonner Universität, vorzüglich über seine theilnehmende Aufmerksamkeit gegen die Studirenden, die Gediegenheit seiner Vorlesungen, die Kraft und Würde seines Vortrags, bei welchem der Mangel eines glatten Flusses der Rede durch den innern Gehalt vollständig ersetzt wurde, – über seine zurückgezogene häusliche Lebensweise und seine äussere Persönlichkeit, lesen wir in dem obenerwähnten dreizehnten Abschnitte vieles Anziehende. Dem zwölften Abschnitte ist eine bedeutende Anzahl Briefe (Nr. 469 bis 602) beigefügt. Diese Briefe reichen vom 11. Mai 1823 bis 19. Decbr. 1830, und stehen allen Ereignissen seines Lebens und Wirkens aus der damaligen Zeit Ä ZUll' Seite. Die meisten sind an die Hensler, aus Rom, aus den verschiedenen Städten der Herreise, aus Berlin, grösstentheils aus Bonn geschrieben. Sie verbreiten sich über die Begebenheiten der Reise, den künftigen Wohnort, den neuen Wirkungskreis und die dahin zielenden Verhandlungen mit dem Preussischen IIofe, über Familienangelegenheiten, über seine Studien und über die Begebenheiten der Zeit. Voll von treffenden Ansichten und neuen Ideen, ermüden sie nie auch bei Wiederholungen. Von den obengenannten drei andern Aufsätzen schildert der erste, von der Hand des Hn. Bunsen, MV. als Diplomaten in Rom, wie er treu ergeben dem Könige und Vaterlande, gewissenhafter Protestant und doch voll warmer Liebe gegen seine katholischen Glaubensgenossen, ordentlich in Geschäften, musterhaft in seinen Berichten gewesen; wenn einst jene diplo

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