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gen. Er hat vieles nach Conjectur verbessern müssen wegen Fehlerhaftigkeit der Handschrift. Die Lesart der letzteren steht meist am Rande unter dem Text, das Conjicirte aber im Texte selbst, wenn es sicher schien. In dieser Partie herrscht eine ausserordentliche Correctheit und Gewissenhaftigkeit, die sich auch auf geringere Kleinigkeiten erstreckt. Viele Conjecturen zeugen von Scharfsinn und kritischem Tact, alle wenigstens von umfassender und correcter Sprachkenntniss. Nur an ein paar Stellen möchte die Zweckmässigkeit der vorgeschlagenen Aenderungen fraglich seyn. So kann man zweifeln, ob das S. 9 vorgeschlagene es - für Cä2,2 am Platze wäre. Es herrscht zwar allerdings in der Paraphrase des Watwat oft ein sehr strenger Parallelismus der Satzglieder, aber doch nicht so durchgehends, dass dadurch jene kritische Operation hinreichend motivirt würde. Ferner S. 11 hat Hr. F. in den persischen Wersen des 11ten Spruches statt des e-,-...=-» der Handschrift E-„L« -» gesetzt; wir zweifeln nicht, dass vielmehr eL«s, die ursprüngliche Lesart seys. 15. Z. 2 ist - in den Text aufgenommen statt -, aber das continuative - in ex, so wäre hier wohl eben so passend wie S. 23. Z. 1, vgl. Lumsden's pers. Gramm. I. S. 85, und Goo U-2,=- 3 -“> heisst vielleicht auch ohne zo die Hand von der Begierde abziehn, sich von dieser entfernt halten, oder es hat in dem voraufgehenden, im Codex jedoch fehlenden Hemistich eine Wendung gelegen, die das zweite erklärt. Im 20sten Spr. liesse sich die Lesart des Weimar’schen Codex bei Stickel -, für z-F. “

vertheidigen, wenn man so Heuchler, schreiben wollte. Die Uebersetzung strebt nicht nach gespannter Wörtlichkeit, denn sie würde dann wegen der Breviloquenz solcher Sprüche leicht ebenso sehr einer Erklärung bedürfen als der Text selbst; sie geht vielmehr auf correcte und deutliche Darstellung des Sinnes aus und leistet in dieser Weise das Mögliche. Die angehängten Anmerkungen rechtfertigen die Uebersetzung in schwierigern oder früher missverstandenen Stellen und enthalten viele gute sprachliche Observationen. S. 92 rügt der Vf, den Fehler, dass Manche, z. B. auch Stickel, als Futurum von eG

schlafen -2,2 aufführen statt eug. Wir haben den

selben Fehler bereits in der oben citirten Anzeige des Stickel'schen Buchs berührt; er scheint aber aus de Sacy's Grammatik zu stammen, wo er (II. p. 260) zweimal in einem selbstgebildeten Beispiel vor

kommt. – Der erste Anhang „Perlenstreu“ C-SG 50

überschrieben, enthält dieselbe Spruchsammlung, welche bei van Waenen (Sententiae Ali. Oron. 1806) die erste Stelle einnimmt. Die meisten dieser Sprü– che finden sich auch schon in den von Golius edirten Proverbia quaedam Alis. Lugd. 1629. 8, und übersetzt im Anhange zu Ockley's Geschichte der Saracenen. Hr. F. hat sie aus dem nämlichen Dresdener Codex genommen, wie die 100 Sprüche Ali's, hat

sie häufigst richtiger übersetzt, als seine Vorgänger,

und in den Noten namentlich van Waenen's Lesarten und Erklärungen ausdrücklich kritisirt. Nr. 27 wäre vielleicht genauer zu übersetzen: Versuche (JLL) dein Glück, so erlangst du es, statt: Glaub'

an dein Glück. Nr. 31 möchte doch wohl Ä ZU.

lesen seyn. Nr. 61 scheint uns Xs, wenn auch

nicht foedus (mit van W., der den Spruch ganz falsch erklärt), doch Umgang, gesellige Verbindung zu bedeuten. Nr. 85 ist XS25 gewiss richtig durch Leckerbissen erklärt und passend Spr. Salom. 23,3 und Burckhardt, Prov. Nr. 682 verglichen. Nr. 107 würden wir übersetzen: „Den Freund besuchen frischt die Liebe an." In Nr. 230 ist wohl mit dem

Leidener und Pariser Codex xxo 55- zu lesen und im Dresdener hinter 80.> eine Lücke anzunehmen. –

Der zweite Anhang enthält noch 29 verschiedene Sprüche aus der Dresdener Handschrift, gleichfalls mit Uebersetzung und Anmerkungen. Zuletzt ist noch das doppelte – arabische und persische – Register zu rühmen, welches sehr fleissig gearbeitet ist und viele willkommene Zusätze zu den Wörterbüchern darbietet. Möchte Hr. F. nach Vollendung des Catalogs der arabischen, persischen und türkischen Handschriften der Leipziger Rathsbibliothek, womit er sich jetzt dem Vernehmen nach beschäftigt, zunächst sich seines früher gegebenen Versprechens der Herausgabe des Beidhawi'schen Commentar's zum Koran entledigen, zu welcher er so gründliche Vorarbeiten gemacht hat.

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1) LEIPzIG, b. Voss: Immanuel Kants sämmtliche Werke. Herausgegeben von Karl Rosenkranz u. Friedr. Wilh. Schubert. 12 Theile. Erster Theil. (Mit dem Nebentitel:) Immanuel Kant's kleine logisch-metaphysische Schriften. Herausg. v. K. R. 1838. XXXIX u. 661 S. gr. 8. (2 Thlr. 18 gGr.) Zweiter Theil. Imm. Kant's Kritik der reinen Vernunft. Herausg. v. K. R. 1838. XVIII u. 814 S. (3 Thlr. 6 gGr.) Dritter Theil. Imm. Kant's Prolegomena zu einer jeden künftigen Methaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können (,) und Logik. Herausg. v. K. R. 1838. XI u. 344 S. (1 Thlr. 10 gGr.) Vierter Theil. Imm. Kant's Kritik der Urtheilskraft (,) und Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen. Herausg. v. K. R. 1838. XIII u. 472 S. (2 Thlr.) Fünfter Theil. Imm. Kant's Schriften zur Philosophie der Natur. Herausg. von Fr. W. Schubert und K. Rosenkranz. 1839. XVI u. 437 S. (1 Thlr. 20 gGr.) Sechster Theil. Imm. Kant's Schriften zur physischen Geographie. Herausg. v. Fr. W. Sch. 1839. XI u. 808 S. (3 Thlr. 4 gGr.) Siebenten Theils er– ste Abthcilung. Imm. Kant's kleine anthropologisch-praktische Schriften. Herausg. v. F. W. Sch. 1838. XVIII u. 430 S. (1 Thlr. 18 gGr.) – Zweite Abtheilung. Imm. Kant's Anthropo– logie in pragmatischer Hinsicht. Herausg. v. F. W. Sch. 1838. 279 S. (1Thlr. 3 gGr.) Achter Theil. Imm. Kant's Grundlegung zur Methaphysik der Sitten (,) und Kritik der praktischen Vernunft. Herausg. v. K. R. 1838. VII u. 318 S. (1 Thlr. 6 gGr.) Neunter Theil. Imm. Kant's Metaphysik der Sitten in zwei Theilen (,) und Pädagogik. (Mit noch einem Nebentitel: Imm. K's Rechtslehre, Tugendlehre nud Erziehungslehre u. s.w.) Herausg. v. F. W.Sch. 1838. XVI u.440 S. (1 Thlr. 18 gGr.) Zehnter Theil. Imm. Kant's Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft (,) und Streit der Facultäten. Herausg. v. K. R. 1838. XI u. 388 S. (1 Thlr. 12 gGr.) A-L-Z. 1840. Erster Band.

Elfter Theil. (Fehlt noch; wird enthalten die Biographie Kant's, Briefe und Nachlass. Herausg. v. Schubert.) Zwölfter Theil. Geschichte der Kant'schen Philosophie. Von Karl Rosenkranz. 1840. 498 S. (2 Thlr.) [Die elf bis jetzt erschienenen Theile zusammen: 22 Thlr. 1 gGr.]

2) LEIPZIG, b. Modes u. Baumann: Immanuel

Kant's Werke, sorgfältig revidirte Gesammtaus– gabe in zehn Bänden. 1838. 1839. (13 Thlr. 12 gGr.) – Erster Band. Mit einer Vorrede von G. Hartenstein, ordentl. Prof. d. Philos. an d. Univers. zu Leipzig. (Mit dem Nebentitel:) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie im Allgemeinen und zur Logik. 1838. XXXIV u. 487 S. gr. 8. Zweiter Band. Imm. K's Kritik der reinen Vernunft. 1838. (ohne Vorrede.) Inhaltsanzeige X, Text 698 S. Dritter Band. Imm. K's kleinere metaphysische Schriften. 1838. XVI u. 499 S. Vierter Band. Imm. K's Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Kritik der praktischen Vernunft, nebst den Abhandlungen zur Philosophie der Geschichte. 1838. XVI u. 358. S. Fünfter Band. Imm. Kt's Metaphysik der Sitten in zwei Theilen, Rechtslehre, Tugendlehre. Nebst den kleineren Abhandlungen Tour Moral und Politik. 1838. XVI u. 484 S. Sechster Band. Imm. Kt's Schriften zur Philosophie der Religion. 1839. XVI u. 408 S. Siebenter Band. Imm. Kt's Kritik der Urtheilskraft. – Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen. 1839. XVI u. 439 S. Achter Band. Imm. Kt's Schriften zur Naturwissenschaft. Erste Abtheilung. Mit drei Kupfertafeln. 1838. XXIV u. 568 S. Meunter Band. Imm. Kt's Schriften zur Naturwissenschaft. Zweite Abtheilung. Zur physischen Geographie. 1839. XVIII u. 466 S. Zehnter Band. Imm. Kt's Schriften zur Anthropologie und Pädagogik. Nebst einer Sammlung von Briefen und öffentlichen Erklärungen und einem chronologischen VerZeichnisse sämmtlicher Schriften Kant's. 1839. XXX U. 610 S. D dd

De Werke des tiefsten Denkers des 18ten Jahrhunderts in einer Gesammtausgabe vollständig zu besitzen, war schon seit längerer Zeit ein lebhaft gefühltes Bedürfniss. Aus der Kantischen Philosophie sind die neueren Systeme in einer historisch und logisch höchst merkwürdigen Folge hervorgegangen; und ob sie gleich grösstentheils sich von ihrer Quelle nach Form und Inhalt weit entfernt haben, so weisen sie doch alle auf dieselbe zurück. Man kann keines derselben gründlich verstehen, ohne auch in die Kant'sche Philosophie eingedrungen zu seyn; ja die Wahrheit derer, welche von der Kant. Phil. am entschiedensten abweichen, beruht auf der Richtigkeit ihrer Widerlegung der letzteren. Ueberdiess sind die Anhänger Kants und der Resultate seines Kriticismus noch nicht verschwunden; die Hegel'sche Schule selbst hat deren Mehrere wider Willen erzogen; auf der andern Seite giebt es auch Manche, welche in den kritischen Werken Kants den Keim zu einer eigenthümlich Kantischen, wiewohl von ihm selbst nicht ausgeführten, der speculativen Richtung der neuesten Schule aber diametralisch entgegengesetzten, Entwickelung finden. Nun beginnen aber einzelne Werke des Königsberger Weisen bereits selten zu werden; bei dem einen Hauptwerke, der Kritik der reinen Vernunft, ist es nicht gleichgültig, ob es nach der ersten oder nach einer der folgenden Ausgaben studirt wird; viele der kleineren Schriften sind zum Verständniss des Ganzen nicht wohl entbehrlich, auch, abgesehen hievon, höchst anziehend an und für sich; und zuletzt – keine derselben verloren gehen zu lassen, fordert schon die Pietät gegen ihren Urheber und die Ehre der Nation. Sonach mag das Bedürfniss einer Gesammtausgabe der Werke wohl ein allseitiges genannt werden.

Die Befriedigung desselben aber war zugleich auch sehr schwierig. Es kam nicht blos darauf an, sich in den Besitz sämmtlicher Schriften zu setzen und sie zweckmässig zu ordnen; sondern bei der Ungleichheit der früheren Ausgaben, und bei der häufig bemerkbaren Nachlässigkeit in der Anordnung und Ausführung des Druckes derselben, war es auch nö– thig philologische Kritik anzuwenden, um das, was gegeben werden sollte, correct und authentisch zu geben. Diess führte weiter die Nothwendigkeit mancher Fingerzeige herbei, nicht um den Lesern das Verständniss des Inhalts zu erleichtern, welches jedenfalls ihnen selbst überlassen bleiben musste, sondern nur um die nächste Veranlassung, die Haupt

tendenz der einzelnen Schriften, ihren historischen oder sachlichen Zusammenhang unter einander, kurz zu bezeichnen. Die Herausgeber beider vorliegenden Sammlungen der Werke haben diese Zwecke und Erfordernisse vor Augen gehabt, und haben sich ihre Arbeit nicht leicht gemacht. In welcher Art ein Jeder seine Pflicht am besten zu erfüllen geglaubt hat, wird sich aus dem Nachfolgenden abnehmen lassen. Zuerst brachte in Königsberg der dritte Nachfolger Kants, Herr Prof. Rosenkranz, als Mitglied einer Gesellschaft welche den Geburtstag Kants festlich zu begehen pflegt, in einer bei dieser Gelegenheit i. J. 1836 gehaltenen Rede eine Gesammtausgabe der Werke des Philosophen in Anregung. Diese Rede, zu einem Aufsatze umgeformt, wurde nachher abgedruckt in den »Dioskuren von Dr. Th. Mundt," Bd. 2, 1837, S. 18. ff. – Bald darauf wandte sich der nachherige Verleger an Hrn. Rkz. mit dem Antrage, gemeinschaftlich mit ihm sich der Herausgabe, welche schon seit längerer Zeit ein Gegenstand auch seiner Wünsche gewesen, zu unterziehen. Hr. Rkz. war geneigt dazu, fühlte aber, noch eines Theilnehmers zu bedürfen. Er fand diesen bald und unter begünstigenden Umständen in dem Prof. der Staatswissenschaften zu Königsberg, Hrn. Fr. W. Schubert, welcher eben als ihm der Antrag gemacht wurde, mit der Vollendung eines Aufsatzes: „ Immanuel Kant und seine Stellung zur Politik in der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts,” beschäftiget war, (abgedruckt in Fr. v. Raumer's historischem Taschenbuche, 1838, Jahrg. IX, S. 525 ff.) worin er, zu Ende, auch seiner Seits den Gedanken aussprach, dass jetzt vielleicht die rechte Zeit für eine Gesammtausgabe der Kantischen Schriften gekommen sey. So wurde von beiden Männern der Moment mit Enthusiasmus ergriffen, man einigte sich bald mit dem gleichfalls für das Unternehmen begeisterten Verleger, und die Ankündigung der Herausgabe konnte schon im Monat Julius 1837 ausgegeben werden; auch die zwei Vorreden zum ersten Theile, worin das Vorstehende berichtet ist, wurden vom Monat December desselben Jahres datirt. Die zweite Sammlung der Werke Kants, bei Modes und Baumann, war ebenfalls früher, und vielleicht schon seit längerer Zeit als die von L. Voss verlegte, beabsichtigt und vorbereitet worden. Ob die frühere Ankündigung jener zu der schnelleren Ausführung des gefassten Vorsatzes mitgewirkt hat, lässt sich nicht bestimmen. Die Ankündigung der letztern, blos von den Verlegern unterzeichnet, ist vom Monat December 1837. Der erste Theil beider

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Ausgaben hat auf dem Titel die Jahrzahl 1838. Die

Vorrede des Herrn Prof. Hartenstein zum I. Bande

der Ausgabe bei Modes u. s. w., anscheinend erst nach dem Drucke des II. Bandes beendigt, ist ohne Datum,

und lässt auch die näheren Umstände, welche auf das

Unternehmen Einfluss hatten, unerwähnt. Allerdings

fühlten die Hn. Modes und Baumann, als die dermali

gen (wie es in der Ankündigung heisst) »rechtmässi

gen Verleger des grössten Theiles der Kantischen

Schriften," sich durch das Unternehmen der andern

Verlagshandlung verletzt. Wie dem aber auch sey,

Ref hält das gleichzeitige Erscheinen beider Ausga

ben für einen Gewinn für die Sache, und zweifelt nicht, dass beide nebeneinander bestehen werden. Die Gründe dafür werden sich alsbald weiter ergeben.*)

Das Format beider Ausgaben ist Median-Octav, fast gleich; das Papier ein gleichmässig starkes und schönes Maschinen-Druckpapier, bei R.Sch. von vorzüglicher Weisse und Güte. Zum Druck hat RSch. die lateimische Schrift vorgezogen, zur Erleichterung für nicht deutsche Leser; Hn. hat die deutsche Schrift beibehalten, mit welcher fast alle unsre Klassiker gedruckt worden sind. Der Preis der Ausgabe R.Sch. für alle zwölf Theile wird beinahe noch einmal so hoch seyn, als der der Ausgabe Hn., welcher so geblieben ist, wie er nach Bogenzahl angekündigt wurde. Die für manche Käufer nicht gleichgültige Wohlfeilheit der letzteren Ausgabe ist dadurch möglich geworden, dass die Zugaben des XI. und XII. Theiles nach R.Sch. hier fehlen, das Papier etwas geringer, und der Druck etwas raumsparender (jedoch durchaus deutlich und gefällig) ist; z. B. die Kritik der reinen Vernunft nimmt, bei völlig gleichem Texte, bei R.Sch. 814 Seiten ein, bei Iln. nur 698 Seiten; die Kr. d. Urtheilskraft nebst den Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen bei R.Sch. 463 S., bei HIn. 439 Seiten. – Der Abdruck ist im Ganzen bei Hn. correcter als bei R.Sch. Diese entschuldigen selbst die stehen gebliebenen, wiewohl meist unbedeutenden, Druckfehler mit der Entfernung der Herausgeber vom Druckorte. Die Ausg. IIn. ist zwar ebenfalls nicht völlig fehlerfrei, was sich auch kaum erwarten lässt; indessen ist die grössere, auf den Druck verwendete Sorgfalt bei Hn. nicht zu verkennen. Es kommen aber auch andere, zum Theil sinnstörende Errata und wesentliche Uebersehungen bei R.Sch. vor, welche dem Setzer und Corrector nicht zur Last fallen. Diese beruhen auf der Revision des Textes und Vergleichung der verschiedenen Lesarten der Origi

nalausgaben. Auch hierin scheint Hn. weit sorgsamer als RSch., wie die dahin gehörigen Verzeichnisse in den Anmerkungen unter den Vorreden der einzelnen Bände beweisen. Ref hat mehrere dieser Verzeichnisse durchgenommen, und die betreffenden Stellen in beiden Ausgaben nachgeschlagen; er könnte eine Menge Belege zu dem Gesagten hier mittheilen; es mag indessen nur Einiges folgen, was zum Theil in den Vorreden der Ausg. Iln. nicht angeführt ist. In der Kr. d. reinen V. fehlt bei R.Sch. die Angabe des Zusatzes, welcher in der II. Originalausgabe, Einl. S. 7, hinzugekommen ist, in den Worten: ,,Diese unvermeidlichen Aufgaben – die Ausführung übernimmt." In der Kr. d. Urtheilskraft fehlt, Einl. S. 22 fg. der Orig. Ausg. v. J. 1793, die ganze, zwei Seiten füllende Anmerkung Kants, welche die erste Orig. Ausgabe v. J. 1790 noch nicht hatte. Ebendaselbst, bei R.Sch. Seite 140, 205, 253, 297, 379, fehlen bald grössere bald kleinere Zusätze der zweiten Orig. Ausg., welche IIn. sorgfältig bemerkt. In den kleineren Schriften Kants sind aus der Tieftrunkischen Ausgabe nicht wenig falsche oder willkürliche Lesarten in RSch. übergegangen, welche bei besserer Aufmerksamkeit, oder auch schon durch Vergleichung der Ausgabe der kl. Schriften, Jena, b. Voigt 1797, hätten vermieden werden können. So z. B. bei R.Sch. Th. I, S. 232 Anm. „Die Theologen wünschen," statt: »Es wäre zu wünschen" Theil VI. S. 358, Z. 2, 3, Anwesenheit unsrer Voraussetzung," statt: ,,Angemessenheit" u. s. w. Ebds. S. 374, Z. 1, beweist ihre Hautfarbe,” statt: », beweist ihre Sprache, unabhängig von ihrer Hautfarbe." Ebds. S. 339 unten, fehlt der Schlusssatz, (den Prof. Reinhold betr.) welchen Tieftrunk ebenfalls weggelassen hatte. – Doch wir wollen die Leser nicht ermüden. – Uebrigens mögen wir nicht unbemerkt lassen, dass IIn. bei manchen Vorschlägen zur Berichtigung derjenigen Stellen, in welchen die Lesart nach den Originalausgaben zweifelhaft blieb, bisweilen zu ängstlich wird, auch hin und wieder sich geirrt zu haben scheint, namentlich wo die Eigenthümlichkeit der Kantischen Satzbildung eine Verbesserung der Originallesart zu fordern schien. Auf alle Weise bleibt es höchst wünschenswerth, dass dem gedachten Uebelstande in der Ausg. R.Sch. durch eine sorgfältige Superrevision in technischer und kritischer Hinsicht, wenigstens bei einer zweiten Auflage der einzelnen Theile, dafern es nicht auf anderm Wege geschehen kann, abgeholfen werde.

*) Wir bezeichnen forthin die Ausgabe bei L. Voss mit R.Sch., die bei Modes und Baumann mit Hn. -

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Gegen die Vollständigkeit beider Ausgaben wird kaum etwas von Belang zu erinnern Seyn. Es kann nicht getadelt werden, dass unter den nicht von Kant selbst öffentlich bekannt gemachten grössern und kleinern Schriften nur diejenigen aufgenommen worden sind, welche mit des Verfassers Willen und zum Theil unter seinen Augen erschienen; also nur die von G. B. Jäsche und Fr. Th. Rink herausgegebenen, wohin auch der von Kant an Jak. Sigism. Beck überlassene Aufsatz »über Philosophie überhaupt" gehört, (vergl. Beck's erläuternden Auszug aus den krit. Schriften des Hrn. Prof. Kant, Bd. 2, Vorrede;) nicht aber die von Pölitz, Starke und Vollmer bewirkten Ausgaben der Vorlesungen über Metaphysik, Religionslehre, Anthropologie und physische Geographie. Es sind auch die kürzeren Aufsätze Kants nicht weggelassen worden, welche zur Darstellung seiner Ansichten und seiner Denkart dienen konnten; die Ausgabe Hn. ist hierin noch etwas reicher als RSch.; wiewohl abzuwarten ist, wie viel hievon der noch nicht erschienene XI. Theil der letzteren nachbringen wird. Dasselbe gilt von den in Bd. X der Ausg. Hn. aufgenommenen Briefen Kants, unter welchen sich übrigens drei, hier zuerst aus Handschriften abgedruckte befinden (an Nicolai, Stäudlin und Selle, vergl. In. Bd. X, Vorr. S. 11, 15, 18, 19.). Dagegen verkennt IIn. selbst den Vorzug nicht, welchen die Ausgabe R.Sch. durch Mittheilung des Interessantesten aus dem handschriftlichen Nachlasse Kants, welcher sich bei der Königlichen Bibliothek zu Kö– nigsberg befindet, im XI. Theile erhalten wird (vergl. die Ankündigungen beider Ausgaben). – Für die Einsicht in die Echtheit des Textes, sowie in die Entstehung und den Inhalt der einzelnen Schriften, ist in beiden Ausgaben durch kurze Bemerkungen in den Vorreden und durch Inhaltsverzeichnisse zu den einzelnen Bänden und Werken mit fast gleicher Genauigkeit gesorgt. R.Sch. zeichnet sich durch geistvolle Bemerkungen und Winke aus, Hn. durch philologische Achtsamkeit und Treue. Besondere Aufmerksamkeit ist auch der grammatischen Correctheit, der Rechtschreibung und Interpunction gewidmet worden, worin Kant selbst bekanntlich theils fehlte, theils nicht immer sich gleich war. Die Vorreden zum I. Bande beider Ausgaben geben hierüber nähere Auskunft, und werden die Leser um so mehr zufrieden stellen, je mehr die Eigenthümlichkeiten Kants auch hiebei, so viel thunlich, geschont worden sind. – Eine schätzbare Zugabe bei Hn. Band X, ist noch ein vollständiges, chronologisch geordnetes Verzeichniss der sämmtlichen Schriften Kants, mit Angabe ihrer

verschiedenen Ausgaben, sowie der Sammlungen der kleinern Schriften, und der aus dessen Papieren und Vorlesungen herausgegebenen. -,

Was die Anordnung und Folge der Werke anlangt, so stimmen beide Ausgaben darin überein, dass sie die chronologische Ordnung nicht gewählt haben. Indessen auch eine nur sachliche, systematische Ordnung würde, wie R.Sch. Th. I, Vorr. 12, ausdrücklich bemerkt, pedantisch und gezwungen erschienen seyn. Es ist daher in beiden Ausgaben ein mittlerer Weg eingeschlagen worden. R.Sch. theilt die sämmtlichen Werke in drei Massen: die eine, welche sich auf die Logik und Metaphysik, die andere, welche sich auf die Naturwissenschaft, und die dritte, welche sich auf die Philosophie des Geistes, auf den Menschen überhaupt, auf Moral, Recht und Religion bezieht. In jeder dieser Gruppen wird dann, so viel thunlich, die Zeitfolge berücksichtigt. Sonach füllt die erste Reihe die vier ersten Theile, die zweite ist in Th. V und VI, die dritte in Th. VIIbis Xzufinden. – Etwas anders bei Hn. Hier werden zuerst ebenfalls drei Hauptgruppen unterschieden, deren Character durch die drei Hauptwerke, die Kritik der reinen, Kr. der praktischen Vernunft, und Kr. der Urtheilskraft bezeichnet seyn soll. Neben diesen aber unterscheiden sich noch zwei andre Complexe von Schriften, der eine, welcher sich auf Philosophie überhaupt, auf ihre Stellung zu andern Wissenschaften, ihre Methode, und somit namentlich auf die Logik bezieht; der andre, welcher das Interesse Kants an der Natur und dem Menschen, theils metaphysisch theils empirisch genommen, beurkundet. Diesem zufolge ist nun die Kritik der reinen Vernunft in die Mitte der ersten Reihe gestellt worden, und nimmt den II. Band ein; ihr voran gehen im I. Bande die vorzugsweise auf philosophische Methode und Denkart bezügiichen Abhandlungen, sowie das zur Logik Gehörige; ihr folgen im III. Bde. die Prolegomena zu jeder künftigen Metaphysik, und sämmtliche kleinere metaphysische Schriften. In die zweite Hauptreihe kommen, Band IV bis VI, die zur praktischen Philosophie gehörigen grösseren und kleineren Werke, bis zur Religion innerhalb d. Gr. d. blossen Vernunft. Endlich die dritte Reihe, Band VII bis X, wird mit der Kr. d. Urtheilskraft eröffnet; ihr folgen, nächst den Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen, die sämmtlichen na– turwissenschaftlichen Schriften, und den Beschluss macht das die Anthropologie und Pädagogik Betreffende, nebst den Briefen und einigen öffentlichen. Erklärungen Kants.

CD ie Fortsetzung folgt.)

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