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Correspondenz hindurchführt, die klaren und sichern Umrisse, die erst durch die genauen Mittheilungen der Briefe ihre vollständigere Ausführung enthalten. Ueberall spricht also P. selbst, es sind ganz authentische Nachrichten, an deren Wahrheit bei der bekannten ehrenwerthen Gesinnung des Schreibers zu zweifeln keine Veranlassung ist. Ref. will die einzelnen Theile des Buches zuerst besprechen und am Schlusse sein Urtheil über die Arbeit des Herausgebers in der Kürze hinzufügen. Wenden wir uns also zu dem ersten Abschnitte (S. 1–78), welcher die Jahre 1786–1804 umfasst, so müssen wir den Bericht des Präpositus E. Breem zu Gägelow bei Sternberg hauptsächlich darum hervorheben, weil er vollständige Nachrichten über die Knabenjahre P., über die bei seinem Unterrichte befolgte Methode, über seine erste geistige Entwickelung enthält – Mittheilungen, deren Werth wir um so höher anschlagen, je zweckmässigere Winke und Rathschläge für die Erziehung noch heut zu Tage daraus geschöpft werden können und je höher P. selbst den Einfluss jenes Lehrers seiner Jugend immer zu schätzen pflegte. P. war als erstgeborner Sohn der Liebling von Vater und Mutter, sehr zart und lebhaft und durch die freundlichen Umgebungen, welche die Anlagen in und um

Ludwigslust darboten, frühzeitig angeregt, schöne

Blumen, Schmetterlinge und andere Naturalien zu sammeln und zu ordnen. Zu grosse Aufmerksamkeit auf den Knaben hatte jedoch ein selbstgefälliges, verschlossenes und pedantisches Wesen veranlasst; bei dem mangelhaften und wenig strengen Unterrichte, der mehr auf Unterhaltung berechnet war, blieb sein Wissen ungründlich und lückenhaft. Breem, damals Hülfsprediger in Sternberg und zugleich mit dem Unterrichte des dreizehnjährigen Knaben beauftragt, wusste durch sein eigenes heiteres und offenes Benehmen den Knaben zu gewinnen und fand in seinen glänzenden Anlagen den Sporn zur grössten Sorgfalt und Anstrengung. Der dabei eingeschlagene Weg, bewährt durch den raschen und glänzenden Erfolg, ist höchst beachtenswerth. Nur die alten Sprachen wurden gelehrt, auf gründliche Vorbereitung gedrungen, nie weiter gegangen, ehe das Vorangehende sicheres Eigenthum geworden war, ausgezeichnete Stellen der alten Schriftsteller memorirt. Auf das langsame Fortschreiten folgte bald grössere Sicherheit, schnellere Fortschritte und dadurch erhöhte Freudigkeit am Lernen und insbesondere am selbstständigen Arbeiten.

So ward nur eine Sache gründlich und tüchtig vorgenommen und förderte mehr als die oberflächliche Behandlung mehrerer. Später wurden dann die Elemente der Mathematik, die Grundzüge der Geschichte, selbst die neueren Sprachen um so interessanter und leichter. Solche Erfahrungen können diejenigen beachten, welche immer mehr Gegenstände in den Kreis der Schulen ziehen, das Gedächtniss der Jugend mit einer Menge von Dingen belasten, aus denen diese nichts machen kann, und welche dabei ganz vergessen, dass das Lernen in der Schule nur eine geistige Gymnastik seyn soll. So war P. in kurzer Zeit vorbereitet, um in die Selecta des Gothaischen Gymnasiums bereits im Jahre 1802 aufgenommen werden zu können. Zur Wahl dieser Schule war der Vater durch die berühmten Namen der dort wirkenden Lehrer, eines Döring, Kries und vornemlich Fr. Jacobs' bestimmt worden. Von diesem ersten Ausflug in die Welt geben die Briefe an die Mutter und den ehemaligen Lehrer ziemlich ausführliche Kunde. Das Leben ward ihm durch begeisterte Freundschaft, durch die aufkeimende Liebe zu seiner ersten Gattin (was freilich dem Vater wenig behagen wollte), durch ernste wissenschaftliche

Thätigkeit, wozu Jacobs als Muster ihm vorleuchtete,

durch die ersten dichterischen Versuche, die er in sauber geschriebenem Heftchen der Mutter als Geburtstags-Angebinde überschickte, verschönert. Neben der Liebe zur alten Litteratur bildete sich schon in dieser Zeit eine einseitige Vorliebe für die Schlegelsche Richtung in der Poesie aus; einzelne Gedichte Schlegels stellt er den besten Schillerschen an die Seite (S. 26) und Werner's Söhne des Thals sind ihm der Triumph der deutschen Sprache, deren Verfasser das grösste Dichtergenie aller Zeiten (S. 25); womit ein späteres Urtheil, dass alle seine Trauerspiele nur Gelegenheitsgedichte seien, die unendlich schöne Einzelheiten haben (S. 89. 109), merkwürdig contrastirt.

Der zweite Abschnitt (S. 29–78) schildert P. Leben auf der Universität bis zur Anstellung in Weimar, also die Jahre 1804 – 1807. Wenn schon die Briefe an Hudtwalker, später Senator in Hamburg, an Breem, an Jacobs und die Mutter ziemlich genaue Kunde von dem Leben und Treiben P. in Leipzig geben, so lässt sich hier doch Manches aus der unter Nr. 2 angegebenen Schulschrift des Director Linge in Hirschberg vervollständigen und berichtigen. Eine langjährige Freundschaft hatte beide seit den Universitätsjahren mit einander verbunden und L. konnte die genaueste Kenntnissjener Zeit haben; das Schriftchen empfiehlt sich überdies durch lebendige Darstellung und elegantes Latein. P. sollte nach dem Wunsche seines Vaters Theologie studiren, aber die trockene Gelehrsamkeit der Leipziger Theologen stiess ihn ab. Während die Vorliebe für die classischen Studien durch G. Hermann's jugendlich frische, gründlich gelehrte und scharfsinnige Vorlesungen immer mehr genährt wurde, musste die Abneigung gegen die Theologie, ja gegen alle Fachgelehrsamkeit und darauf zielendes Studiren immer schärfer hervortreten und den Vater doch endlich bestimmen, den Wünschen seines Sohnes nachzugeben. An einen regelmässigen Besuch zahlreicher Vorlesungen war bei diesem gar nicht zu

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denken, bald wurden gar keine mehr besucht und nur den

Uebungen der unter Hermann blühenden griechischen Gesellschaft*) unausgesetzte Theilnahme bewiesen. Hier fand er würdige Commilitonen an Seidler, Gräfe, Hand, Linge, Thiersch und anderen, die dem von H. empfohlenen neuen Genossen mit grossen Erwartungen entgegensahen und diese nicht getäuscht fanden; hier die mannigfaltigste Uebung und Förderung; hier an Hermann ein Muster und Vorbild, zu dem er mit inniger Verehrung und jugendlicher Begeisterung emporblicken musste. Da aber das Leben in Leipzig

selbst ihm wenig behagte, die Mehrzahl der Studiren

den, mochten sie nun der Leipziger Feinheit sich befleissigen oder in burschikoser Rohheit verharren, ihm zuwider war, sein näherer Umgang sich auf wenige beschränkte und selbst dabei nur wissenschaftliche Zwecke vorwalteten, so bezog er eine ländliche Wohnung in Eutritzsch, welche durch Erinnerungen an Goethe's Umgang mit Oeser ihm doppelt werth war. Hier konnte er ungestörter seinen eigenen Weg verfolgen, der ihn auch bald neben den Griechen zu dem grössten Dichter der Neuern führte. Neben Sophokles wurde Shakespeare und Calderon gelesen, der italienischen Lectüre viel Zeit gewidmet und Manches daraus Uebersetzte in Zeitschriften mitgetheilt*), sogar der Plan einer vollständigenUebersetzung Petrarca's gefasst. In dieser Richtung war er durch den immer mehr hervortretenden Enthusiasmus für Schlegel und

dessen Anhänger bestärkt, für die er unbedingt Par-, thei nahm und auch andere zu bekehren suchte; um - ihre Werke anzuschaffen mussten selbst einzelne philologische Bücher in den Laden des Antiquars wandern, ihnen wurden besondere Sonette in der ersten schriftstellerischen Arbeit (Menon an Heliodora, 1807) gewidmet. Mit welchem Ernste P. damals kunstkritische Studien betrieben, zeigen am schönsten die weitläufigen Erörterungen über die neuesten poetischen Erzeugnisse Schiller's und anderer Dichter, welche er in den Briefen an seine Mutter und an Breem niederlegte. Daneben wurden jedoch die philologischen Studien nicht vergessen und Wolfs persönliche Bekanntschaft, die ihm zuerst das Glück verschaffte Goethe zu sehen, mit lebhafter Freude gepriesen. Eine Aenderung seiner Lebensweise ward durch eine Frühlingsreise nach Dresden im Jahre 1806 veranlasst; die reichen Schätze der Kunst und Litteratur, welche er dortfand, erweckten in ihm den Wunsch eines längern Aufenthalts, theils um die begonnenen Arbeiten über Persius mit besseren Hülfsmitteln vollenden, theils um unter Böttiger's Leitung in der Betrachtung der Kunstwerke seinen Sinn für das Schöne zu bilden und zu einer oft gewünschten Reise nach Italien sich vorbereiten zu können. So verliess er nach noch nicht zweijährigem Aufenthalte die Universität und begab sich, nachdem er zuvor sechs Wochen bei seinem Freunde Bucher in Lauchstädt gelebt und besonders den Darstellungen der Weimarischen Hofschauspieler grosse Aufmerksamkeit geschenkt hatte, im Juli nach Dresden zurück. Hier schloss er sich innig an einige Maler und junge Gelehrte, wie Wezel, Dippold, Köthe, Hartmann, an und legte sich ausschliesslich auf das Studium der bildenden Kunst. So blieb es bis Ostern 1807, wo seine Uebersetzung des Johannes Secundus erschien, und eine Reise zu der Geliebten ihn auch nach Weimar und zu Goethe führte, durch dessen und Lenz Verwendung er am 5. Mai 1807 zum Professor der Griechischen Sprache am Weimarischen Gymnasium ernannt wurde. Die Zeit des unstäten Wanderns war nun vorüber; er fand einen festen Sitz, einen

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*) Neu war dem Ref., was Linge p. 6 über die Entstehung dieses Namens erzählt. Die Gesellschaft hiess eigentlich die philologische, aber die von H. veranstalteten griechischen Schreibübungen veranlassten P. eine Abhandlung in griechischer Sprache zu

schreiben und in derselben auch zu vertheidigen.

Der glückliche Ausgang des kühnen Unternehmens wurde bci Rheinwein

in Leupolds Keller gefeiert und unter den Klange der Glässer der Vorschlag, die Gesellschaft fernerhin die gricchische zu nennen, jubelnd aufgenommen und später von Hermann selbst gebilligt. *) Linge spricht ausführlicher von diesen dichterischen Arbeiten p. 9. und 10.

erfreulichen Wirkungskreis und in demselben die Erfüllung seines Lebenszweckes, überdies angenehme gesellige Verhältnisse und in der Ehe mit der früh geliebten Luise Wichmann die Befriedigung sehnlicher Wünsche.

Dieses Leben in Weimar, die Jahre 1807–1810, umfasst der dritte Abschnitt (S. 81–122); die Briefe sind an die früher erwähnten und an P. Vorgänger, Heinrich Voss, mit welchen ihn bald innige Freundschaft und brüderliche Liebe verband. An diesen und an Jacobs schreibt er von der Lust und Liebe, mit welcher er in der Schule unterrichte; ihnen theilt er den Plan zu einer neuen Organisation des Gymnasiums mit, bei dem Joh. Schulze mitgewirkt hatte, ihnen den Entwurf eines Lehrplans für das Griechische (S. 94), zu dessen Ausführung sich beide Freunde vereinigten. Das Ansehn und die Liebe, welche P. bei seinen Schülern genoss, war gleich gross; der Erfolg seines Unterrichts glänzend, denn er war ein Lehrer ohne Gleichen; das zeigt die grosse Zahl tüchtiger Schüler. Aber auch zu schriftstellerischen Arbeiten trieb die Beschränktheit der äusseren Lage; der Persius, zu grossartig angelegt und darum nie vollendet; Musäos, mit geschmackvoller Uebersetzung, Longos und viele kleinere Aufsätze fallen in diese Zeit, in welcher zuerst P. den festen Entschluss fasste, ein griechisches Lexicon zu schreiben und bereits weitschichtige Vorarbeiten dazu begann. Der schönen Litteratur musste er natürlich in Weimar grosse Aufmerksamkeit schenken, wo er den bedeutendsten Männern jener Zeit nahe stand, mit Goethe freundlich verkehrte (über ein gespanntes Verhältniss zwischen beiden, dessen Schuld einzig der Eitelkeit des Geheimbderaths beizumessen ist, schreibt P. S. 111 an Voss einen köstlichen Brief, wohl den schönsten der ersten Hälfte), Wieland öfter besuchte, mit Knebel, Einsiedel, Fernow und andern, welche um die Schopenhauer sich zu sammeln pflegten, in Verbindung trat. Der frühere Enthusiamus für Schlegel und dessen Athenaeum hat einer ruhigeren Prüfung Platz gemacht und schon finden sich reifere Urtheile und sogar Tadel fehlt nicht; es entsteht in ihm ein Conflict zwischen der Romantik und der Classicität. – Aber alle diese Annehmichkeiten vermochten nicht P. an Weimar zu fes

seln; er nahm einen Ruf an das Conradinum zu Jenkau bei Danzig an, wohin er sich im Herbst 1810 begab.

Der vierte Abschnitt schildert (S. 125–208) das Leben in Jenkau und Berlin, enthält also die verhängnissvollen Jahre 1810–1815, die auch für P. den Verlust eines grossen Wirkungskreises, den Verlust der Gattin und den tiefen Schmerz über des Vaterlandes Unterdrückung und Noth, an welcher er den lebhaftesten Antheil nahm, herbeiführten. In Jenkau konnte P. ohne äussere Hemmnisse die Organisation der Anstalt nach eigenen Ansichten einrichten und Vieles, was sich ihm in der Theorie als zweckmässig dargestellt hatte, durch die Erfahrung prüfen, zumal da meist jüngere Schüler und die Abgeschlossenheit des Instituts neue Einrichtungen begünstigten und nach Entfernung untauglicher Lehrer tüchtige Männer, wie A. Meineke, mitwirkten. Das Griechische ward die Grundlage des Unterrichts, dem sich in streng abgestufter Folge die übrigen Sprachen nach und nach anschlossen; die hohe Bedeutung der Muttersprache ward nicht übersehen und körperliche Uebungen wurden eifrig angestellt. In angestrengter Thätigkeit wirkte P. für die Schule, auf die sich auch die wenigen schriftstellerischen Arbeiten jener Periode beziehen. Als aber die Unruhen des Krieges und Danzigs Bedrängniss die finanziellen Verhältnisse erschüttert hatten, als wenige Tage nach ihrer ersten Entbindung P. Gattin gestorben war, suchte er Trost und Zerstreuung auf einer längeren Reise nach seiner Heimath, zu den Freunden im Süden und in die Schweiz und kehrte gestärkt und ermuthigt nach Berlin zurück, wo er F.A. Wolfs Vorlesungen und Umgang zu weiterer Ausbildung benutzte und in den Kreisen ausgezeichneter Männer, welche damals Berlin vereinigte, freundliche Aufnahme fand. Die Zeitverhältnisse hatten ihn schon früher zu Kriegslie

dern begeistert, er wollte aber auch selbst an dem Kampfe für die Befreiung des Vaterlandes Theil

nehmen; nur der erste Wiener Friede und die Verweigerung der Erlaubniss von Seiten des Ministeriums verhinderte die Ausführung des lebhaft ergriffenen Vorsatzes. Das Vertrauen der obern Behörden berief ihn zu einem grösseren Wirkungskreise; er ging im Jahre 1815 als Professor der Alterthumswissenschaft nach Breslau.

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ALLGEMEINE LITERATUR - z E1T UNG

Februar 1840.

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Der letzte und grösste Abschnitt in P. Leben (S. 211–315) begreift die Jahre 1815–1833. In diesen hat er als Lehrer und Schriftsteller einen weit verbreiteten Ruf erlangt und in einem zweiten ehelichen Bunde häusliches Glück und Vaterfreude in reichem Maasse gefunden. Während die Briefe an H. Voss, Jacobs, Döderlein über jenes Verhältniss die genügendsten Aufschlüsse geben, lassen die zahlreichen Briefe an seine Frau, meist auf Reisen geschrieben, über dieses nicht zweifeln und legen das glänzendste Zeugniss ab von P. wahrhaft liebenswürdigem Character, von ängstlicher Zärtlichkeit für Weib und Kind. Aber ein vollendetes Bild jener Zeit geben sie alle nicht; es fehlt eine vollständige Characteristik von P. als academischem Lehrer, und daher bleibt es sehr wünschenswerth, dass einer der zahlreichen Schüler eine solche Darstellung unternehme. Stoff dazu geben einzelne der hier mitgetheilten Briefe, das Meiste wird ihm ein treues Gedächtniss und dankbare Erinnerung darbieten. Selbst über manche Familienverhältnisse, z. B. über die Kinder, über die schlimme Zeit, in welcher P. in leidenschaftlichen Streit gerieth mit einem ausgezeichneten Geschichtsforscher und mit aller Reizbarkeit seines Characters den Bestrebungen der Turnfreunde sich hingab, geben die vorliegenden Mittheilungen nicht genügenden Ausschluss, wahrscheinlich weil des Herausg. kluge Besonnenheit grade aus dieser Periode vieles unterdrücken musste. Auch eine Notiz

über P. handschriftlichen Nachlass würde erwünscht

gewesen sein. Doch das lag nicht im Plane des Bu

ches und wir machen darum dem Herausgeber kei

nen Vorwurf. – Mit lebendigem Eifer ergriff P. das A. L. Z. 1840. Erster Band.

neue Amt, das um so schwieriger war, als Schneider (Suro) von eigentlicher academischer Thätigkeit sich ganz zurückgezogen hatte, Heindorf die ihm übertragene Stelle nicht annehmen konnte und ein Ersatzmann für ihn erst später in Schneider von Leipzig berufen wurde. P. hatte also allein das philologische Seminar einzurichten und dabei die grosse Freude gleich beim Anfang recht tüchtige Mitglieder für das– selbe zu erhalten und in der Folge die Theilnahme an dieser Anstalt immer mehr wachsen zu sehen. Von ihr ist der grösste Theil der Gymnasiallehrer Schlesiens ausgegangen, P. Einfluss also sehr nachhaltig gewesen. Aber auch als Mitglied der wis– senschaftlichen Deputation hatte er für das SchulWesen zu sorgen und er scheute die ermüdenden Actenarbeiten nicht, um auch dabei ganz seinen Platz auszufüllen. Die Vorlesungen arbeitete er mit Fleiss und Sorgfalt aus; er zog in ihren Kreis nach und nach fast alle Zweige der Alterthumswissenschaft und interpretirte die besten Schriftsteller der Griechen und Römer. Die Liebe seiner Zuhörer besass er in hohem Grade; das beweisen zahlreiche Dedicationen und viele Stimmen der Dankbarkeit, die nach seinem Tode laut wurden. In seinen geselligen Verhältnissen beschränkte er sich, theils aus Sparsamkeit mit der Zeit theils weil er an wahre Geselligkeit grosse Ansprüche machte, auf den Umgang mit wenigen Collegen; nur zu wissenschaftlichen Zwecken, bald zu gemeinschaftlicher Lectüre des Ari

stophanes oder Plato, bald zur philomathischen Ge

sellschaft trat er mit mehreren zusammen. Selbst die Turnstreitigkeiten und die in Folge derselben von Staatswegen verhängte Haft (über welche ein Tagebuch S. 264–281 tiefe Blicke in P. liebevolles Gemüth thun lässt) vermochten nicht sein Ansehn zu vernichten. Während er so in seinem Berufe und in seinem Hause die grösste Befriedigung fand, wuchs auch die Lust an litterarischer Thätigkeit und neben kleineren Schriften nimmt das Handwörterbuch der griechischen Sprache unbedingt Pp

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den ersten Platz ein. Der wohl ersonnene Plan fand allgemeine Billigung, Hülfsleistungen von nah und fern blieben nicht aus, es gedieh zu immer höherer Vollendung und hat zu grösserer Gründlichkeit der griechischen Sprachstudien auf unsern Schulen und Universitäten segensreich gewirkt. Wie thätig er aber auch sonst gewesen, zeigt die Uebersicht der von ihm herausgegebenen Schriften, Abhandlungen, Aufsätze und Recensionen, welche aus Nowack's Schriftsteller – Lexicon hier S. 357– 360 abgedruckt ist. Nur eins findet Ref an diesem Verzeichniss zu tadeln, die zu augenfällige Unvollständigkeit in Bezug auf die in Journalen zerstreuten Aufsätze; hier wird sehr vieles nachzutragen sein, ehe das Verzeichniss den Werth erhält, welches z. B. das Verzeichniss der Schriften von J. H. Voss in den Lebens- und Todeskunden von Paulus hat. Das hätte sich der sonst sorgfältige Litterator zum Muster nehmen sollen und er würde die Erfüllung eines andern Wunsches, eine Auswahl der deutschen Schriften P. zu veranstalten als Ergänzung der Opuscula academica, sehr erleichtert haben. Möchte doch P. ältester Sohn sich dieser Arbeit recht bald unterziehen! – Aus diesem Wirkungskreise ward P. durch einen schnellen Tod am 11. März 1833 in dem kräftigsten Mannesalter gerissen, zu früh für die Seinen und für die Wissenschaft; von allen Edlen wurde sein Verlust schmerzlich empfunden. Ref hat es im Vorhergehenden versucht, eine Skizze von P. Leben zu entwerfen, wozu die ein

zelnen Züge aus den Briefen und Lebensnachrich

ten entlehnt sind. Aber das wäre der geringste Nutzen, welchen die Lectüre dieses Buches gewährt. Zunächst hat es einen grossen Werth für die Philologen, ältere und jüngere, für jene nicht etwa blos wegen mancher kritischen Erörterungen, die sich hauptsächlich auf griechische Dichter beziehen, wie S. 97. 108. 142. 166. 181. 226. 234. 253. 286. 289. 295., nicht blos wegen mancher eigenthümlichen Urtheile und Ansichten über alte Schriftsteller, wie über Aeschines und Demosthenes, über Tacitus (S. 218. 233. 252.), Aristophanes und andere, nicht blos wegen schätzbarer methodologischer Winke, sondern auch wegen der interessanten und characteristischen Züge, welche zu dem Bilde Verstorbener oder Lebender mitgetheilt sind. Wie vieles findet sich über F. A. Wolf , an dem P. mit grosser Pietät hing und den er kräftig auch

gegen Freund Voss im Schutz nahm (vgl. S. 37. 141. 200. 244.), über Niebuhr (204), Buttmann (142. 221), Erfurdt (erst stark tadelnd S. 107, dann durch persönliche Berührung anders gestimmt S. 143. und 144), Joh. Heinr. Voss in einem tief gefühlten Briefe an dessen Wittwe S. 315, der sich mit edler Offenheit über den Streit mit Creuzer ausspricht, über Beck (S. 31. 32. 33.), Heindorf (S. 142. 217. 225.), Walch (S. 137. 198. 205); und von Lebenden über G. Hermann (S. 31. 32. 33. 296. und öfter), Schäfer (S. 147. 198), Böckh (S. 99. 256), Meineke (S. 178), Göttling (131. 165. 203. 230), Hand (143. 216.), Schneider (225. 233. 242.), Eichstädt (155), Bothe (142. 245), Gerhard (226. 245), Welcker (246), O. Müller Go56), Kannegiesser G242 22) u. a. Aber auch durch allerlei Notizen von andern Männern, die in der gelehrten Welt einen Namen haben, wird der Schrift ihr Werth für Litterargeschichte gesichert. Ist das Urtheil auch hin und wieder in allzu grosser Reizbarkeit übereilt, einseitig, sogar hart und unbillig, so erfreut man sich doch an der scharfen und pikanten Aeusserung, die bei erkanntem Unrecht bereitwillig und offen zurückgenommen wird. Jüngere Philologen mögen an diesen Briefen Lust und Liebe zu ihrem Studium finden lernen und die Begei

sterung, ohne welche Erfreuliches nicht erreicht wird;

sie mögen von P. Verehrung für alles Schöne und Grosse lernen und namentlich die Pietät sich aneignen, mit welcher er an seinen Lehrern Jacobs, Hermann und Wolf hing. die Männer von Fach bietet dies Buch eine anziehende und belehrende Lectüre, allen Gebildeten verdient es empfohlen zu werden, denn auch ihnen wird es erfreulich sein, eine grosse und wichtige Zeit zu betrachten in der Auffassung eines Mannes, der seinem Vaterlande treu ergeben war; die grossen und eigenthümlichen Erscheinungen der Litteratur besprochen zu sehen, von denen P. namentlich in den Briefen an Frau von Voigt die eigenen Eindrücke sehr lebhaft schildert. Hass und Vorliebe treten gleich klar hervor; wohlthuend ist die edle Begeisterung für Goethe, über dessen Schriften manch treffender Ausspruch sich findet (S. 105. 117. 129, 151. 230. 237. und öfter); interessant, was S. 85 von Wielands Uebersetzungen geschrieben wird, dass er alles Griechische und bei weitem das meiste Lateinische nicht aus dem Original, sondern aus französischen und englischen Versionen übersetze; über

Jedoch nicht blos für

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