Mit Goethe in Sizilien oder Die Entdeckung des sizilianischen Goethe

Cover
BoD – Books on Demand, 2010 - 256 Seiten
1 Rezension
Goethe in Sizilien? Selbst die Literaturwissenschaft bleibt die Antwort auf diese Frage fast ausnahmslos schuldig. Merkwurdig, denn der im September 1786 vor den sich aufturmenden Weimarer Problemen nach Italien gefluchtete Werther-Dichter hat den 11/2-monatigen Inselaufenthalt im April und Mai 1787 in seinem Reisetagebuch als Schlussel zu allem," zu Italien und zu sich selbst bezeichnet. Diese obskure Lucke in Goethes Vita veranlasste den Autor, sich mit der Italienischen Reise" als Kompass in der Hand vor Ort auf eine Spurensuche zu begeben, die es ermoglichte, im Spiegel Goethes spezifischer Sizilienwahrnehmung den Goethe Siziliens zu entdecken, dessen insulare Wiedergeburt als Mensch und Dichter dem unterschatzten Inselaufenthalt die uberragende Bedeutung gibt, die diesem als Hohe- und Wendepunkt in Goethes italienischer Lebensepoche zukommt und weit daruber hinaus nachwirkte. Goethe-Verehrer lernen einen noch unbekannten sizilianischen Goethe kennen und werden daruber hinaus zu Sizilienfreunden, Sizilienfreunde werden der abwechslungsreichen Natur und faszinierenden Kulturvielfalt Siziliens wiederbegegnen und in Goethe den Urvater ihrer italienischen Reiselust entdecken. Anders als bei Sachbuchtexten ublich, wird der Leser eingeladen, aktiv an einer spannenenden literarischen und kulturhistorischen Entdeckungsreise teilzunehmen, die jederzeit informativ, lebendig und aktuell is
 

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Goethes italienische Verwandlung auf Sizilien neu entdecken und miterleben:
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Die Grundthese von Helmut J. Dahmers Werk lautet, dass Goethes Abstecher nach Sizilien nicht etwa nur ein Abenteuer am
Rande seiner Italienreise war, wie dies häufig dargestellt wird, sondern im Gegenteil ihr Höhe- und Wendepunkt, der Goethes italienische Verwandlung bewirkte. Die Herausarbeitung von Argumenten für diese Auffassung ist dem Autor auch überzeugend gelungen. Am Ende ließ Goethe gewissen Gedanken keine Herrschaft mehr über sich.
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Man ist als Leser noch einmal mit Goethe auf der Reise: Von den engen Verhältnissen in Weimar flieht man über die Alpen bis nach Rom und erlebt dabei ganz neu und anders den Stress, dem Goethe dabei ausgesetzt war: Seine weiter schwelende verkorkste Verbindung zu Frau von Stein und ein manisches Pflichtprogramm zur Bewältigung der Kunsteindrücke Italiens. Und dann das innere Ringen um den Aufbruch nach Sizilien ... in eine völlig neue und innere Freiheit.
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Gnadenlos werden die Dogmen und Klischees der etablierten Goethe-Interpreten aufgespießt und ad absurdum geführt. Bissig und ohne falschen Respekt wird auch Goethe selbst immer wieder mit einem Augenzwinkern auf die Schippe genommen. Die Stimmung des Buches ist aber keinesfalls bösartig, sondern launig und heiter und von einer feinen Ironie getragen.
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Immer wieder wird auch der Kontrast von damals zu heute benutzt, um Kontrapunkte zu setzen: Teils wird eine Sprache gewählt, die den Duktus der Goethezeit nachzuahmen versucht, teils fällt der Autor in einen modernen Jargon, der jedes Klischee konterkariert. Vergleiche zu heutigen Zuständen auf Sizilien machen auf heilsame Weise bewusst, dass Goethes Italienische Reise kein Stück Vergangenheitsliteratur ist, sondern klassisch und zeitlos, d.h. stets gegenwärtig. Goethe ist kein abgehobenes Genie, sondern ein gebildeter Mensch wie der Leser auch. Nicht mehr und nicht weniger.
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Es wird eine große Fülle an Hintergründen und Kontextwissen zu Goethes Italienischer Reise geboten, seien es unveröffentlichte Briefe von Goethe oder seinen Zeitgenossen, seien es Reisebeschreibungen anderer Italienfahrer, oder sei es Goethes Motivation zur Reise, oder auch seine Rückkehr nach Weimar mit ihren Folgen. Man liest und versteht das ungewöhnliche Selbsterneuerungsunternehmen der Italienischen Reise noch einmal ganz anders, vollständiger, ganzer, aber auch frischer und aus dem Muff der damaligen Zeit in die Gegenwart gehoben.
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Helmut J. Dahmers Werk ist zugleich ein ernst zu nehmender Beitrag zur Goetheforschung. Im ganzen Werk sind unauffällig über 600 Belegverweise platziert, die jede Behauptung akribisch untermauern. Der Autor ist ein Kenner der Materie und weiß, wovon er schreibt.
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Mit diesem Buch bin ich wahrhaft glücklich geworden, es war eine Lust, es zu lesen. Das Cover sagt alles über die Stimmung, in die das Buch den Leser versetzt: Ein heiterer blauer Himmel, ein besonnter Tempel, ein launiger Titelschriftzug. Es ist gut, dass dieses Buch geschrieben wurde. Es gibt dem Leser die Möglichkeit, den Anspruch auf Selbsterneuerung nun selbst wiederum zu erneuern. In Zukunft wird man Goethes Italienische Reise immer im Doppelpack mit Helmut J. Dahmers Werk lesen müssen.
 

Inhalt

ERSTES KAPITEL
27
ZWEITES KAPITEL
50
DRITTES KAPITEL
73
VIERTES KAPITEL
98
FÜNFTES KAPITEL
119
SECHSTES KAPITEL
175
EPILOG
201
SPUREN IM REGEN
216
LITERATUR
233
Urheberrecht

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Über den Autor (2010)

Der Autor, 1942 in Bremen geboren, schloss 1967 sein Studium als Diplom-Handelslehrer an der Universitat Hamburg ab, war 1969 Wissenschaftlicher Assistent am Erziehungswissenschaftlichen Institut und bis 2003 als Studiendirektor an einem Hamburger Wirtschaftsgymnasium tatig, wo er die Facher Wirtschaft, Englisch und Philosophie unterrichtete; seit 2003 wohnhaft in Handewitt

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