Das Science Fiction Jahr 2010

Cover
Sascha Mamczak, Wolfgang Jeschke
Heyne Verlag, 04.03.2011
1 Rezension
Das einzigartige Jahrbuch zur Science Fiction in ihren multimedialen Erscheinungsformen

Was geschieht in Millionen von Jahren? Wo werden wir sein, wenn die Zeit aufhört zu existieren – vorausgesetzt, es gibt uns dann überhaupt noch? Solchen Fragen rund um die »Future Histories«, die Geschichte der fernen Zukunft, geht das Science-Fiction-Jahr 2010 nach. Außerdem: eine große Rückschau auf das Phänomen Star Trek sowie Essays, Rezensionen und Artikel über Bücher, Filme, Comics und Computerspiele.

 

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Ich muss sagen, dass es die Autoren mit Wahrheit und Logik in diesem Buch nicht immer genau nehmen. Vor allem dann, wenn Sascha Mamczak und Wolfgang Jeschke sich über die sog. Präastronautik äußern. Das ist mir vor allem an einer Stelle aufgefallen, weil ich den angegriffenen Artikel und das dazugehörende Buch sehr gut kenne.
Zitat „Auch sumerische Keilschriftentexte müssen mitunter herhalten, um krude archäoastronomische Theorien zu unterstützen. So interpretiert etwa der Publizist Oliver Deberling einige der im 4. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung entstandenen Glyphen auf recht originelle Weise.
‘So erinnert das Bildzeichen für “Din” (“Gerecht”) frappierend an eine Rakete mit offener Spitze und einem Strahltriebwerk. Das “Din” hatte anscheinend deshalb eine offene Spitze, weil es mit “Gir” (“Beförderer der Götter”), einem rautenartigen Zeichen, zu einem Gesamtsymbol verbunden werden sollte, das als “Din-Gir” für “Gott” steht. Unübersehbar ist, dass das “Din-Gir” der Darstellung einer zweistufigen Rakete gleicht.’
Unübersehbar? Schauen wir uns das von Deberling online gestellte Vergleichsbild einmal an. Erkennen Sie die 10 Unterschiede?
Wahrlich unübersehbar ist hierbei nur, dass Herr Deberling entweder ein Problem mit seinen Augen. Oder uns auf unlautere Art und Weise etwas suggerieren möchte. Selbst wenn das Zeichen mir irgendetwas Modernem vergleichbar wäre, könnte das ebenso gut ein Rasierapparat, ein Entsafter oder ein Pürierstab sein. Behaupten kann ich es ja. Aber versuchen Sie doch lieber selbst ein paar lustige Alternativdeutungen für die weiter von Deberling im Internet angeführten Bildvergleiche anzustellen“ Zitat Ende
Wenn man sich den angesprochenen Bildvergleich einmal wirklich anschaut, hat man das Gefühl, dass Sascha Mamczak und Wolfgang Jeschke selbst ein Problem mit den Augen haben. Was zeigt denn die Din-Gir-Glyphe“? Eine klar erkennbare Rakete, mit Raketenspitze und angedeuteten Feuerstrahlen am unteren Ende. Eindeutiger geht es kaum. An der Spitze ist ein rautenartiger Gegenstand angekoppelt, nämlich das „Gir“ Wenn man die Figur mit der Apollo-Rakete und der angekoppelten Mondlandefähre vergleicht, muss man schon völlig blind sein, um nicht die frappierenden Übereinstimmungen zu sehen. Die von Mamczak und Jeschke angesprochenen Unterschiede sind winzige Details, die an der prinzipiellen Übereinstimmung nichts ändern. Entsafter oder ein Pürierstab? Nein, wie lustig! Nein, das kann keine Abbildung uralten technischen Wissens sein. Das passt nicht in unser Weltbild und muss irgendwie vom Tisch gewischt werden. Zu dumm, dass selbst die sumerischen Wortbedeutungen die Zeichen der Glyphen als fliegende Fahrzeuge benennen. Der vordere Teil, das “Gir“ bedeutet „Beförderer der Götter“ . Die fast identische Mu-Glyphe wird als fliegende Barke bezeichnet, mit der die Götter in den Himmel flogen. Das mit dem Entsafter haut wohl nicht hin.
Ich habe selten Buchabschnitte gelesen, in denen Wahrheit und Logik so auf der Strecke geblieben sind. Jeder kann seine eigen Ansichten vertreten, aber man sollte schon bei der Wahrheit bleiben und nicht die Fakten verdrehen. Wirklich haarig wird es, wenn Mamczak und Jeschke ihre merkwürdigen Vorurteile mit Beleidigungen garnieren. Wenn man weiterliest, wird es immer lustiger. Alte Fresken im Decani-Kloster, die zwei fliegende Objekte zeigen, in denen jeweils Personen sitzen, sind natürlich Meteoriten. Da sehen die Autoren wieder Ähnlichkeiten. Dumm nur, dass die beiden fliegenden Passagiere einander verfolgen. Eine der Figuren sieht sich nach ihrem Verfolger um. Seit wann sind Meteoriten mit Passagieren bestückt, die einander verfolgen. Andere Darstellungen in einer georgischen Kirche sollen Sonne und Mond darstellen. Seit wann sind Sonne und Mond ausgehöhlte, fliegende Schalen, aus denen Gesichter hervorschauen. Kein Argument ist dumm genug, das Offensichtliche aus der Welt zu schaffen.
 

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Über den Autor (2011)

Sascha Mamczak, Jahrgang 1970, beschäftigt sich seit vielen Jahren als Autor und Lektor mit gesellschaftlichen Zukunftsthemen und ihrer Verbindung zum fantastischen Genre. Er studierte Politische Wissenschaft, Volkswirtschaftslehre und Öffentliches Recht in München und Edinburgh. Zuletzt sind von ihm bei Heyne die Bücher Die Zukunft – Eine Einführung sowie Es ist dein Planet – Ideen gegen den Irrsinn erschienen.

Wolfgang Jeschke (1936-2015) war der Großmeister der deutschen Science-Fiction. Lange Jahre als Herausgeber und Lektor für den Heyne Verlag tätig, hat er vor allem auch mit seinen eigenen Romanen und Erzählungen das Bild des Genres geprägt. Jeschke wurde mehrmals mit dem renommierten Kurd Lasswitz Preis ausgezeichnet. Er starb im Juni 2015.

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